Ausstellung und Tagung: SICK! Kranksein im Comic

Diagnosen wie Alzheimer, Depressionen oder Morbus Crohn verändern das Leben von Betroffenen, ihren Angehörigen und Freunden. Doch wie wird die Krankheit erlebt? Wie kann man lernen, damit umzugehen? Solchen Fragen widmen sich seit einigen Jahren verstärkt auch Comics, und es scheint, als ob gerade die Kombination von Bildern und Texten in diesem Medium Kranksein auf eine besonders eindringliche Art erfahrbar macht.

In der von der Kunsthistorikerin und Kulturwissenschaftlerin Dr. Uta Kornmeier kuratierten Interventions-Ausstellung im medizinischen Präparatesaal des BMM werden Comics aus acht verschiedenen Ländern präsentiert, die persönlich, kritisch und mitunter auch humorvoll die vielfältigen Erfahrungen von Diagnose, Therapie, Behinderung, Pflege und Alltagserleben thematisieren und dabei jeweils eigene künstlerische Darstellungsweisen entwickeln. Die Ausstellungsform der Intervention ermöglicht einen Dialog zwischen Kunst und Wissenschaft: Die individuellen Krankengeschichten werden dabei in Bezug zu den anonymisierten medizinischen Präparaten Rudolf Virchows gesetzt.

Die historischen Präparate, die auch heute noch für die Lehre genutzt werden, präsentieren krankhafte Veränderungen des menschlichen Körpers in entpersonalisierter Form und aus Perspektive der Medizin. Ausgespart bleibt das emotionale und persönliche Erleben der Patient*innen, Angehörigen und medizinisch Tätigen. Diese kommen jetzt in den ausgestellten Comics zu Wort, um ihre Sichtweise auf Kranksein und Behinderung derjenigen der Medizin zur Seite zu stellen.

Im Rahmen der Vernissage am 26. Oktober 2017 (18-21 Uhr) finden um 19.30 Uhr zwei Kurzvorträge auf Englisch statt. Es sprechen die Gesundheitspflegerin und Autorin des Comics „Taking Turns: Stories from HIV/AIDS Care Unit 371“ (2017), MK Czerwiec (Chicago), und Ian Williams (Brighton), Arzt und Autor des Comics „The Bad Doctor“ (2014). Beide gelten als bedeutende Vertreter des sogenannten Graphic Medicine Movement.

Zur Ausstellung erscheint ein zweisprachiger Katalog, der von der Künstlerin Stef Lenk gestaltet wurde. Stef Lenk ist auch Mitglied des Forschungsteams. Die Leitung des Forschungsprojekts „PathoGraphics“ (Graphic Medicine and Literary Pathographies: The Aesthetics and Politics of Illness Narratives in Contemporary Comics and Literature) liegt in den Händen der Literaturwissenschaftlerin Prof. Dr. Irmela Krüger-Fürhoff. Das Projekt ist an der Friedrich-Schlegel-Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien der Freien Universität Berlin angesiedelt und wird von der Einstein-Stiftung Berlin gefördert.

Presserundgang

Donnerstag, 26. Oktober 2017, um 11.00 Uhr
Hörsaalruine des BMM, Campus Charité Mitte, Charitéplatz 1 in 10117 Berlin. Geländeadresse: Virchowweg 16, 10117 Berlin.
Anmeldung bitte unter presse@charite.de

Im Rahmen des Rundgang stehen für Interviews zur Verfügung:
– Prof. Dr. Thomas Schnalke, Direktor des Berliner Medizinhistorischen Museums der Charité
– Dr. Uta Kornmeier, Kuratorin
– Prof. Dr. Irmela Krüger-Fürhoff, Leiterin des Forschungsprojekts „PathoGraphics“
– Stef Lenk, Grafikerin

Ausstellung
Vernissage: Donnerstag, 26. Oktober 2017, um 18.00 Uhr; Beginn Kurzvorträge: 19.30 Uhr.
Dauer der Ausstellung: 27. Oktober 2017 bis 4. März 2018.
Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité, Charitéplatz 1, Hörsaalruine, 10117 –
Berlin.
Öffnungszeiten: Dienstag, Donnerstag, Freitag und Sonntag 10 – 17 Uhr; Mittwoch und Samstag 10 – 19 Uhr; Montag geschlossen
Tagung: “Stories of Illness / Disability in Literature and Comics. Intersections of the Medical, the Personal, and the Cultural”

Freitag, 27. bis Sonntag, 29. Oktober 2017.
Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité, Charitéplatz 1, Hörsaalruine, 10117 Berlin.
Um Anmeldung wird gebeten: alexandrahu@zedat.fu-berlin.de

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