Ausschreibung: „Capitation-Modelle“ im Ausland – Vorbild für Gesundheitsversorgung in Deutschland?

Die Effizienz der Leistungserbringung konnte in den einzelnen Sektoren des deutschen Gesundheitswesens in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten kontinuierlich gesteigert werden. Vor dem Hintergrund einer zu erwartenden weiter steigenden Nachfrage nach Gesundheitsleistungen bei gleichzeitigem Rückgang der personellen Ressourcen in den kommenden Jahren wird die Effizienz jedoch noch weiter gesteigert werden müssen, wenn eine Rationierung von Leistungen vermieden werden soll.

Im internationalen Vergleich liegen in Deutschland die Kosten je stationärem und je ambulantem Fall jedoch bereits vergleichsweise niedrig. Eine weitere Steigerung der betrieblichen Effizienz stößt an ihre Grenzen. Vom Gesetzgeber intendierte neue regulatorische Vorgaben würden die Effizienz der Leistungserbringung sogar vermindern. Ungenügend ist allerdings die Effizienz des Gesamtsystems. Denn eine sektorenübergreifende Optimierung der Gesundheitsversorgung hat in Deutschland bislang kaum stattgefunden. Grund dafür ist das bestehende Vergütungssystem, das sektorenübergreifende Angebote sanktioniert.

Einen Ansatz zur sektorenübergreifenden Optimierung der Leistungserbringung bieten so ge-nannte Capitation-Modelle. Der Stifter hat bereits im Jahr 2014 mit dem Buch „Netzwerkmedizin – Ein unternehmerisches Konzept für die altersdominierte Gesundheitsversorgung“ . Springer Gabler Verlag, Wiesbaden) unter dem Begriff „Assekurante Krankenvollversorgung“ ein ganzheitliches und bundesweites Versorgungsmodell nach Art eines Capita-tion-Modells konzeptioniert. Bei Capitation-Modellen erhalten ein oder mehrere Leistungserbringer ein populationsbezogenes Budget von den Kostenträgern, um damit eigenverantwortlich die Bevölkerung in einem abgegrenzten Gebiet vollständig medizinisch zu versorgen. Um dabei eine hohe Versorgungsqualität für die Bevölkerung zu gewährleisten, braucht es Wettbewerb-selemente sowie Qualitätsziele seitens der Kostenträger. In der Ausgabe 4-5/2018 der Fachzeit-schrift Gesundheits- und Sozialpolitik schildert das Autorenteam Augurzky, Graf, Griewing und Walter diese Thematik.

Die Stiftung Münch beauftragt eine Studie, in der diese Thematik tiefgehender untersucht werden soll. Dazu sollen Capitation-Modelle in Spanien und in mindestens zwei weiteren Ländern, die vom Auftragnehmer vorgeschlagen werden können, dargestellt werden. Neben einer systematischen Beschreibung von Capitation-Modellen für jedes Land sollen die besonderen Voraus-setzungen in diesen Ländern herausgearbeitet werden, die die Etablierung von Capitation-Modelle begünstigen. Schließlich soll eruiert werden, wie und ggf. in welchen Arten von Regio-nen ähnliche Modelle für Deutschland umgesetzt werden können.

Die Ausschreibung richtet sich an universitäre und außeruniversitäre Forschungs- und Bera-tungseinrichtungen. Für die Studie ist das Budget auf maximal 60.000 Euro inkl. MwSt. begrenzt. Sie wird im Anschluss u.a. als Buch der Stiftung Münch herausgegeben. Ihr aussagekräftiges Angebot geben Sie bitte bis zum 14. Januar 2018 ausschließlich per E-Mail an ak@stiftung-muench.org ab. Projektstart ist Januar 2019 und Abgabe der Studie am 17. Mai 2019.

Der Auftrag wird anhand von Eignungs-, Qualitäts- und Wirtschaftlichkeitskiriterien nach freiem Ermessen der Stiftung Münch ausgewählt und aufgrund eines Projekt- und Auftragsforschungsvertrages erteilt.

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