Ausprägungsgrad und Alter bestimmen Behandlung einer Skoliose

Die Skoliose ist eine chronische Verbiegung der Wirbelsäule mit einer Drehung der einzelnen Wirbelkörper. Eine aktives Aufrichten der seitlichen Verbiegung ist dem Patienten nicht mehr möglich. Die Skoliose entsteht und verschlechtert sich insbesondere bei den sog. Wachstumsschüben im Alter zwischen 10 und 18 Jahren. Zu den diskutierten Ursachen einer Skoliose zählen Gendeffekte, Bindegewebsschwächen, hormonelle Ungleichgewichte, unregelmäßige nervliche Erregung des Rückenmarks, die zu einem asymmetrischen Muskel- und Wirbelsäulenwachstum führen oder bereits während der Geburt erworbene Fehlstellungen des Kopfgelenkes. Die genauen Ursachen sind bisher noch nicht belegbar. Fest steht allerdings, dass es nicht nur einen Auslöser für die Skoliose gibt, sondern mehrere Faktoren in Kombination dabei eine Rolle spielen.
 
„Derzeit behandeln wir einen 18-jährigen Jungen aus Jordanien mit dieser Krankheit“, erklärt Prof. Dr. med. Jörg Scholz, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie in der Berliner MEOCLINIC. „Er kommt aus einer ganz normalen Familie und die Regierung hat sich bereiterklärt die Kosten für die Behandlung zu übernehmen. Der Patient wurde in Jordanien bereits vorbehandelt, indem ihm Ärzte die Wirbelsäule versteift haben, so dass die Krankheit nicht noch schlimmer wird. Ich habe dann, gemeinsam mit einem Kollegen, in zwei aufwändigen vierstündigen Operationen diese Versteifung wieder gelöst und die Verbiegung um 50 Prozent reduziert. Wir haben dem Jungen dazu zwei Wochen vor der zweiten Operation einen Rahmen an den Kopf geschraubt, durch welchen sein Körper 14 Tage lang gestreckt wurde. In der zweiten Operation haben wir dann ein Stabsystem integriert, das die Wirbelsäule des Jungen wieder stabilisiert.“
 
Zwei Operationen an der Wirbelsäule des Patienten fand im Herbst 2013 in der Berliner MEOCLINIC statt. Derzeit erholt sich der junge Mann noch von den Eingriffen. Er ist froh darüber jetzt endlich eine normale Herz-Kreislauf-Funktion zu haben und in Zukunft wieder deutlich aufrechter gehen zu können, ohne Schmerzen.
 
„Ich habe zwar schon mehrere Skoliosen operiert, jedoch habe ich eine solche extreme Ausprägung noch nie gesehen. Ein so hoher Grad der Verformung ist wirklich ausgesprochen selten und die Lebensperspektive für die betroffenen Patienten äußerst dürftig“, meint Prof. Dr. med. Scholz. „Schwere Herz-Kreislauf-Probleme sowie Rückenschmerzen und weitere eingeschränkte Organfunktionen sind leidige Begleiterscheinungen einer ausgedehnten Form der Skoliose.“

Behandlung der Skoliose

In Deutschland leiden 400.000 Menschen an dieser Krankheit. Bei etwa 80 Prozent von ihnen ist die Entstehung der Skoliose ungeklärt. Bei dem Verdacht einer Skoliose sollte dringend ein Arzt aufgesucht werden, mit welchem dann die weiteren Therapieschritte besprochen werden. Folgende Symptome lassen u.a. darauf schließen, dass es sich um eine Skoliose handelt: ungleich hohe Schultern, Rippenbuckel, ungleich hohe Hüften, Verdrehung des Beckens gegen den Rumpf, seitlicher Rumpfüberhang, herausstehendes Schulterblatt sowie eine schräge Kopfhaltung.
 
Die Behandlung einer Skoliose ist je nach Ausprägungsgrad und Alter verschieden. So ist bei älteren Menschen eine Operation nicht unbedingt erforderlich, da die Krankheit bei ihnen nur einen langsamen Verlauf nimmt. Bei Kindern und Jugendlichen hingegen sollten die o.g. Auffälligkeiten genau beobachtet werden. Denn bei ihnen erreicht die Skoliose eine große Ausprägung und entwickelt sich rasant, aufgrund der jugendlichen Wachstumsphasen. Um auch hier Operationen zu vermeiden und die Krümmung versuchen aufzurichten, eignen sich spezielle Korsetttherapien. Die Korsetts bestehen aus Plastik und müssen von den Patienten rund um die Uhr getragen werden. Kann damit keine Krümmungsaufrichtung erreicht werden, sollte die Krümmung möglichst stabil gehalten werden, um eine Operation lange hinauszuzögern und noch viel Wirbelsäulenwachstum zulassen zu können. Stationäre Rehabilitationsmaßnahmen und tägliche Physiotherapie sind dabei unerlässlich.

weitere Informationen:
www.meoclinic.de

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