Ausgezeichnete Forschung über mangelhafte Ernährung

Die Verleihung des Theodor-Stern-Stiftungspreises stand in diesem Jahr unter dem Motto „Herausragende Leistungen in der Krankenversorgung“. Der diesjährige Preisträger hat sich insbesondere um die Ernährungsmedizin verdient gemacht. Ein beachtlicher Teil der Patienten weist bei der Aufnahme ins Krankenhaus eine Mangelernährung auf. Um mit dieser Herausforderung für die Krankenversorgung besser umgehen zu können, hat Prof. Jörg Bojunga ein standardisiertes Überprüfungsverfahren für Mangelernährung entwickelt und die Umsetzung als Routinemaßnahme am Universitätsklinikum Frankfurt betreut. Für diese und weitere Leistungen in der wissenschaftlichen und klinischen Arbeit wurde ihm am 5. Dezember in Frankfurt der Theodor Stern-Stiftungspreis 2013 verliehen. Prof. Bojunga ist Leiter der Schwerpunkte Endokrinologie und Diabetologie sowie Ernährungsmedizin der Medizinischen Klinik I (Direktor: Prof. Stefan Zeuzem) am Universitätsklinikum Frankfurt.

Ernährung wird den individuellen Bedürfnissen der Patienten angepasst

Mangelernährung stellt eine große Herausforderung für die Patientenversorgung im Krankenhaus dar. Rund jeder Dritte in Deutschland eingelieferte Patient weist eine Mangelernährung auf. Prof. Bojunga hat aus diesem Grund ein „Nutritional Risk Screening“ entwickelt, mit dem alle neu aufgenommenen Patienten auf eine mögliche Mangelernährung hin untersucht werden. Eine von ihm koordinierte Kommission, an der alle relevanten Berufsgruppen beteiligt sind, führt dieses Verfahren durch. Zentral für den Erfolg der Einführung war die konsequente Umsetzung klarer Entscheidungs- und Handlungsvorgaben. Das ärztliche und pflegerische Personal wurde durch aufwändige Schulungen auf den richtigen Umgang mit den Testergebnissen vorbereitet. Die Patienten erhalten je nach Resultat des Screenings eine individuelle Ernährung – mit unmittelbaren Vorteilen für sie: In der Folge der Umstellung haben sich die Liegezeit verkürzt und das Infektionsrisiko weiter verringert. Außerdem hat die Umstellung das Fundament für weiterführende wissenschaftliche Forschung in der Ernährungsmedizin gelegt.

Eine weitere wichtige Leistung Prof. Bojungas ist die Entwicklung eines Prototyps einer poliklinischen Ambulanz am Beispiel der Endokrinologie und Diabetologie. Mit elektronischer Datenverarbeitung und Vernetzung wurde organisatorisch eine enorme Verbesserung erreicht.

Beruflicher Werdegang

Jörg Bojunga wurde 1969 in Frankfurt geboren und schloss seine Schulausbildung mit dem Abitur am Georg-Büchner-Gymnasium in Bad Vilbel ab. Er studierte Humanmedizin in Frankfurt und erhielt 1998 seine Approbation. Außerdem absolvierte er ein Aufbaustudium Medizinische Ethik. Danach promovierte er in der Grundlagenforschung mit „summa cum laude“ zum Thema: „Kapillarmikroskopische Untersuchungen zur Interaktion von Spenderlymphozyten und Inselendothel des Empfängertieres in vivo“. Im Anschluss arbeitete er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Medizinischen Klinik I am Universitätsklinikum Frankfurt bei Prof. Klaus-Henning Usadel – der bei der Preisverleihung auch die Laudatio hielt –, wechselte dann zu Prof. Stefan Zeuzem an die Klinik für Innere Medizin II der Universität des Saarlandes in Homburg und wurde dort 2004 Internist und Oberarzt. 2007 kehrte er mit Prof. Zeuzem zurück nach Frankfurt und wurde Leiter des Schwerpunktes Endokrinologie und Diabetologie in der Medizinischen Klinik I. Seit 2007 ist er zudem oberärztlicher Leiter der internistischen Intensivstation. 2008 übernahm er auch die Leitung des Schwerpunktes Ernährungsmedizin. 2012 wurde er zum Außerplanmäßigen Professor an der Universität Frankfurt ernannt.

Scroll to Top