Augenscreening für junge Sportler

Stefan Böger ist kein Mensch, der sich leicht begeistern lässt. Er möchte sich überzeugen lassen. Böger ist gebürtiger Erfurter, begann dort seine Fußballkarriere und wechselte 1979 zum FC Carl Zeiss Jena, dem er zwölf Jahre die Treue hielt. Seit dem 13. August dieses Jahres ist er verantwortlicher Cheftrainer der U17-Nationalmannschaft des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Als kürzlich für die jungen Fußballtalente des DFB in Düsseldorf ein lange geplantes Augenscreening stattfand, schaute der 46-jährige Fußballlehrer anfangs etwas skeptisch auf den Geräteparkour, den Prof. Wolfgang Sickenberger, Leiter des Studiengangs Optometrie/Vision Science an der Ernst-Abbe-Fachhochschule Jena mit seinen zwölf Sportoptometristen aufgebaut hatte.

Sickenberger ist auch fachlicher Leiter von vision@sports, einer Initiative, die sich die Förderung des bestmöglichen Sehens im Spitzen- und Breitensport zum Ziel gesetzt hat. Mitglieder dieser Initiative sind, neben der EAH Jena, der Zentralverband der Augenoptiker und das Unternehmen Ciba Vision. Vision@sports hatte sein Konzept dem DFB präsentiert, der schnell erkannte, dass der Fußball dank seiner Popularität eine Vorbildfunktion für diese Aufklärungsarbeit einnehmen kann. Neben der Aufklärung rund um das Thema „gutes Sehen“, steht beim DFB aber natürlich vor allem die optimale Korrektur von Sehschwächen bei betroffenen Leistungssportlern im Vordergrund.

Die Skepsis von Stefan Böger war schnell verschwunden: „Allein die Argumente, dass etwa 80 Prozent der menschlichen Wahrnehmung über das Auge erfolgt und etwa 95 Prozent der Bewegungen durch das Auge kontrolliert und koordiniert werden, überzeugen mich. Ich frage mich, warum dem Auge und der Optimierung der Sehkraft bislang nicht mehr Aufmerksamkeit gewidmet wurden – insbesondere im Sport, der ja von der Bewegung lebt.“

Die Testergebnisse der 29 Fußballtalente bekräftigten den Trainer in seiner Meinung. Denn der neunstufige Sehzirkel deckte beachtliche Optimierungsmöglichkeiten auf: bei neun Spielern konnte eine Sehleistungsverbesserung um eine Stufe, bei einem Spieler um zwei Stufen und bei drei Spielern um drei Stufen ermöglicht werden. Stefan Böger war nach dem sechsstündigen Pilotprojekt der Initiative vision@sports mit dem DFB nicht nur überzeugt, er war sogar begeistert.

Prof. Wolfgang Sickenberger, Bernhard Schmittenbecher / sn

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