Augenheilkunde kommt im Studium zu kurz: DOG sieht augenärztliche Versorgung bedroht

Augenkrankheiten, die das Sehen stark beeinträchtigen, betreffen Millionen Menschen in Deutschland und verursachen rund drei Viertel aller Erblindungen. Die meisten Menschen über 60 Jahre entwickeln einen „Grauen Star“, jeder dritte eine altersbedingte Netzhauterkrankung und jeder zweite leidet an trockenen Augen. Schätzungen zufolge steigt die Zahl der Betroffenen in den nächsten Jahrzehnten erheblich. Augenleiden gehören damit zu den häufigsten Volkskrankheiten. „Wenn diese Menschen keine professionelle Behandlung durch einen Augenarzt erfahren, müssen wir mit einer wachsenden Anzahl hilfs- und pflegebedürftiger Patienten rechnen, weil diese mit einer vermeidbaren fortgeschrittenen Sehbehinderung im Alter leben müssen“, sagt DOG-Präsident Professor Dr. med. Karl-Ulrich Bartz-Schmidt. „Dies wäre aus ärztlicher Sicht völlig inakzeptabel und für Deutschland beschämend“, so der Direktor der Universität-Augenklinik Tübingen.

Mit dem „Masterplan Medizinstudium 2020“ will die Bundesregierung die Allgemeinmedizin stärken, um auch in ländlichen Regionen die medizinische Grundversorgung zu sichern. Das sicherlich wichtige Ziel, ausreichend Nachwuchs für die Allgemeinmedizin zu gewinnen, dürfe aber nicht auf Kosten der Fachdisziplinen gehen, betont Professor Dr. med. Thomas Reinhard, Generalsekretär der DOG. Denn die Augenheilkunde kämpft heute schon mit Versorgungsengpässen. „Die augenärztlichen Praxen und Kliniken sind so voll, dass manche Patienten mit schweren Augenkrankheiten lange auf einen Termin warten müssen“, so Reinhard.

Die Bundesregierung setzt mit ihren Plänen auch auf eine zielgerichtete Auswahl der Studienplatzbewerber und will die Praxisnähe der Ausbildung vergrößern. Die DOG befürwortet zwar beide Ansätze, betont aber gleichzeitig, wie wichtig es ist, die Augenheilkunde einzubeziehen und vor allem auch, Forschung auf diesem Gebiet zu fördern: „Wir brauchen hochqualifizierte Augenärzte und Wissenschaftler, die neueste Methoden anwenden, den steigenden Versorgungsbedarf decken können und insbesondere alten Menschen so lange wie möglich die Sehkraft erhalten“, sagt Reinhard. Dies verhindert Stürze und erlaubt ein selbständiges, selbstbestimmtes Leben. Das wiederum spart Kosten für Hilfe und Pflege.

Noch können Augenärzte – trotz leitliniengerechter Therapie – nicht jede Erblindung verhindern. „Um diesem Ziel näher zu kommen, müssen wir mehr in Forschung und Innovation investieren“, so Bartz-Schmidt. Deshalb empfiehlt die DOG mehr wissenschaftliche Schwerpunkte und die Förderung wissenschaftlicher Kompetenzen während des Medizinstudiums.

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