Auftaktveranstaltung Modellprogramm: Dem demografischen Wandel in der Pflege begegnen

Handlungsbedarf ist dringend geboten. Bei steigender Lebenserwartung und damit auch einer zunehmenden Zahl kranker und pflegebedürftiger Menschen wird von den Pflegekräften und vom Gesundheits- und Pflegesystem zukünftig noch mehr Leistung gefordert werden. Dieser Entwicklung stehen ein schrumpfendes und alterndes Erwerbspersonenpotenzial in der Bundesrepublik und damit auch immer weniger – und durchschnittlich älter werdende – Pflegekräfte gegenüber. Unregelmäßige Arbeitszeiten, ein hohes Arbeitspensum sowie besondere physische und psychische Belastungen kennzeichnen schon heute vielfach die Arbeit in der Pflege. Häufig führen diese hohen Belastungen zu pflegeberufstypischen Erkrankungen wie Haut-, Muskel-Skelett- oder Infektionserkrankungen. Prognosen zufolge wird dies weiter zunehmen, ebenso wie pflegetypische Berufskrankheiten und das Burnout-Syndrom.

"Die Machbarkeitsstudie zur Vorbereitung des Förderschwerpunktes hat jedoch auch ergeben, dass es in dieser Branche bereits vielfältige Ressourcen und Ansätze gibt, um diesen kritischen Belastungen zu begegnen. Die Bedeutung der eigenen Tätigkeit, die Unterstützung von Kollegen und Vorgesetzten, eine kluge Arbeitsorganisation und ein strategisches Personalmanagement können dazu beitragen, dass eine Pflegeeinrichtung auch ein sehr guter Arbeitgeber sein kann, bei dem die Menschen gern arbeiten und dies auch bis zur Rente können. Die Befunde haben uns ermutigt, diesen Förderschwerpunkt aufzulegen" erklärte Andreas Horst vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) in seinem Grußwort bei der Auftaktveranstaltung.

Vor diesem Hintergrund lautet der Förderschwerpunkt 2009-I des Modellprogramms zur Bekämpfung arbeitsbedingter Erkrankungen des BMAS "Demografischer Wandel in der Pflege – Modelle für den Erhalt und die Förderung der Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit von Pflegekräften". Im fachlich von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) begleiteten Förderschwerpunkt werden die Entwicklung, Erprobung und Umsetzung praxistauglicher Konzepte gefördert, um den Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie die Gesundheitsförderung von Beschäftigten in der Pflegebranche nachhaltig zu verbessern.

Den Zuschlag bekamen die Projekte BidA (Balance in der Pflege), welches vom Evangelisch-Lutherischen Diakoniewerk Neuendettelsau K.d.Ö.R. durchgeführt wird, das Projekt demogAP (Demografiefeste Arbeitsplätze in der Pflege), dessen Gesamtleitung in den Händen der Technischen Universität Dresden liegt und DemOS (Demenz – Organisation – Selbstpflege), das durch die Demenz Support Stuttgart gGmbH bearbeitet wird. Die Laufzeit der Projekte beträgt drei Jahre.

Das Projekt BidA verfolgt das Ziel, die Wirksamkeit eines ganzheitlichen Gesundheitsmanagements für Mitarbeitende durch dessen Einführung in drei Einrichtungen der Altenpflege der Diakonie Neuendettelsau nachzuweisen. Durch die persönliche Sensibilisierung, Qualifizierung und Motivation der Beteiligten, die Einführung eines "persönlichen Gesundheitsbudgets" als innovatives Anreiz- und Steuerungssystem und die Entwicklung von praxistauglichen Handlungshilfen wird eine Verbesserung der Gesundheit der Mitarbeitenden erwartet. Die Maßnahmen orientieren sich am individuellen Bedarf und an den Vorlieben der Mitarbeitenden.

Im Vorhaben demogAP wird eine praktische und anwendungsorientierte Handlungshilfe entwickelt, die den Pflegeeinrichtungen eine systematische und ganzheitliche Förderung der Beschäftigungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter ermöglicht. Dazu erfolgt die Aufbereitung existierender Instrumente zur Erfassung des Handlungsbedarfs und vorhandener Konzepte zur Förderung der Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit sowie deren Anpassung an die Pflege. Durch einen breit angelegten Transfer in die Praxis werden die speziellen Anforderungen einzelner Einrichtungstypen wie Krankenhaus, ambulante oder stationäre Pflege berücksichtigt und Erfolgs- und Hemmfaktoren identifiziert.

DemOS ist ein Interventionsprogramm im Bereich der Demenzpflege mit den Zielen der Verminderung von Burn-out bei Pflegenden, Erhöhung ihrer Arbeitszufriedenheit, Erhalt ihrer Arbeitsfähigkeit, Erhöhung der Pflegequalität und Verbesserung des sozialen Klimas. Das Interventionsprogramm wird in voraussichtlich acht ausgewählten Einrichtungen durchgeführt, wobei es die Heterogenität unter Einrichtungen der stationären Langzeitpflege berücksichtigt und sich den jeweiligen Besonderheiten einer Einrichtung anpasst.

Die Dokumentation zur Auftaktveranstaltung und weitere Informationen befinden sich auf den Homepages der jeweiligen Projekte <www.demogap.de>, <www.bida-projekt.de>, <www.modellprojekt-demos.de> sowie unter <www.baua.de/modellprogramm>.

Kontakt Modellprogramm:
Ulrike Rösler
Tel.: 030 51548-4506
E-Mail: <modellprogramm@baua.bund.de>

Forschung für Arbeit und Gesundheit
Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen stehen für sozialen Fortschritt. Sie garantieren Unternehmen wie auch der gesamten Volkswirtschaft einen Vorsprung im globalen Wettbewerb. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in Dortmund forscht und entwickelt im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, fördert den Wissenstransfer in die Praxis, berät die Politik und erfüllt hoheitliche Aufgaben – im Gefahrstoffrecht, bei der Produktsicherheit und mit dem Gesundheitsdatenarchiv. Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Rund 660 Beschäftigte arbeiten am Hauptsitz in Dortmund und den Standorten Berlin, Dresden sowie in der Außenstelle Chemnitz.
(idw, 03/2010)

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