Auftakt der Ringvorlesung „Weltgesundheit – Soziale Verantwortung global denken“

Das Wintersemester ist erst wenige Tage alt und dennoch drängen sich zahlreich diskutierende Menschen in den kleinen Saal des FEZ. Unter ihnen: angehende wie auch praktizierende Mediziner, aber auch zahlreiche Studierende aus anderen Fakultäten der Universität.

Simon Nicolas Aschoff, Mitglied der Initiative „Weltgesundheit“ und Mitveranstalter der Ringvorlesung, eröffnet den Vortrag. Es sei der Auftakt eines hoffentlich langfristigen Projektes, verkündet er. Es gehe um aktuelle Themen wie „Humanitäre Hilfe“, „Weltmedizin und Weltgesundheit“ und um die Überprüfung der „Inneren Haltung“ vor dem Hintergrund einer zunehmenden globalen Ungleichheit zwischen Nord und Süd, die sich nicht nur, aber sehr deutlich in der medizinischen Versorgung widerspiegelt.

Tankred Stöbe, Internist und Rettungsmediziner sowie Alumnus der Universität Witten/Herdecke (UW/H), stellt im Anschluss sich und seine Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ (Médecins Sans Frontières, MSF) vor. Ein Filmtitel erscheint auf der Leinwand: „Living in Emergency“. In den folgenden 90 Minuten sollen Bilder sprechen. Es sind Augenblicke aus den Einsätzen junger Ärztinnen und Ärzte, die sich entschieden, mit MSF in verschiedenste Teile der Welt zu reisen, um humanitäre Hilfe zu leisten. Dieser Begriff wird in vielen dramatischen wie auch berührenden und dann wieder nüchternd-beschreibenden Szenen beleuchtet. Die Protagonistinnen und Protagonisten zeigen unverhohlen, was die oft extreme Situation um sie herum mit ihnen macht, welche Konflikte sie spüren und wie grenzgängerisch sie sich oft verhalten müssen.

Viele Fragen stehen im Raum und werden anschließend erörtert. Tankred Stöbe hat den Grundstein für sein Seminar am folgenden Tag gelegt: Was steckt hinter diesen Bildern? Was steckt hinter den täglich erklingenden Nachrichten über die Konflikte der Welt, die „Flüchtlingskrise“ und welche Chancen und Probleme hat die humanitäre Hilfe?

Der Workshop am zweiten Tag vertieft die am Vortag angeklungenen Themen und beleuchtet den Umgang mit Ebola, dem Krieg in Syrien und der resultierende Flüchtlingswelle. Eine zentrale Rolle spielte dabei die Unterscheidung zwischen humanitärer Hilfe, wie sie MSF betreibt, in Abgrenzung zu Friedensarbeit oder Entwicklungszusammenarbeit.

Am Abend hält Stöbe einen abschließenden Vortrag. Er versucht, die Aspekte der Flüchtigen-Bewegung aus der Sicht eines nicht-europäischen Landes aufzuzeigen: Libyen. Er geht auf die Projekte von MSF im Land ein. Die oft provisorischen Krankenstationen sind Anlaufstelle für viele Bedürftige – Einheimische wie Geflüchtete. Die Stationen geben MSF die Chance, einen realistischen Blick auf die Situation vor Ort zu bekommen. Durch die aktuelle geopolitische Lage ist der Strom an Geflüchteten von der Türkei nach Griechenland sowie über die Straße von Gibraltar relativ gesehen abgeflaut. Die so genannte „mittlere Route“ von Libyen nach Italien durch das Mittelmeer zählte zuletzt mehr Menschen, die sie überquerten, als je zuvor. Libyen, als instabiler Staat geltend, wird damit zu einer Anlaufstelle für zahlreiche Geflüchtete aus verschiedensten Krisenregionen des Südens und Ostens. Die Eindrücke von Tankred Stöbe, die er im Einsatz auf einem Rettungsschiff im Mittelmeer und zuletzt in Libyen selbst sammelte, beschreiben, welchem Risiko die Männer, Frauen und Kinder auf dem Weg nach Libyen und anschließend auf See ausgesetzt sind.

Die kommenden Veranstaltungen
Der zweite Teil der Ringvorlesung wird sich weniger mit Fakten als mehr mit Strukturen und Denkweisen beschäftigen. Kurz: Es geht um Innere Haltung, um Selbstverständnis und -reflexion. Mit dem Vortrag „Was ist Rassismus?“ wird Austen Peter Brandt, Mitbegründer des Vereins Phönix, am 8. Dezember 2016 über Mechanismen von Rassismus in unserer wie in anderen Gesellschaften hinweisen und zusammen mit den Teilnehmenden Strategien entwickeln, die der Negativität dieses Phänomens positive Strategien entgegenstellen. Die Initiative Weltgesundheit, eine Kooperation zwischen dem Integrierten Begleitstudium Anthroposophische Medizin und dem gemeinnützigen Verein L’appel Deutschland, will zusammen mit ihrem Schirmherren Dr. med. Tankred Stöbe Studierende und die UW/H an das Thema Weltgesundheit heranführen und die Möglichkeit schaffen, eigene Antworten auf diese Fragen zu finden.

„Weltgesundheit ist für uns die Möglichkeit, neben der Frage des ‚Wie?‘ der ärztlichen Praxis auch ein dringend notwendiges ‚Warum?‘ zu finden. Global zu denken gehört für uns zum Anspruch, soziale Verantwortung zu übernehmen, unbedingt dazu“, erläutern Simon Nicolas Aschoff und Till Eckert, Mitglieder der Initiative Weltgesundheit, ihr Anliegen.

Weitere Termine der Ringvorlesung:

08.12.2016 | 19 Uhr | FEZ | Was ist RASSISMUS? Mechanismen von institutionellem und alltäglichem Rassismus (Austen P. Brandt für Phönix e.V.) | Vortrag

17.01.2017 | 16 Uhr | FEZ | Mentale Gesundheit Weltweit (Dr. Ha Vinh Tho) | Vortrag

17.03.2017 | 18 Uhr | FEZ | Globale Gesundheit: Was ist das überhaupt und warum sollte es jeden interessieren? (Dr. Olaf Horstick) | Vortrag

Veranstaltung des Studium fundamentale

Weitere Informationen: www.lappel.de
Kontakt: Die Kontaktdaten der studentischen Organisatoren erhalten interessierte Journalisten in der Pressestelle der UW/H unter 02302 / 926-946 oder – 805

Über uns:
Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 2.300 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.

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