Auf den Spuren der Zellwanderung: Prof. Erez Raz ins „Human Frontier Science Program“ aufgenommen

„Zellwanderung ist für viele Prozesse im Körper essentiell“, erläutert Raz: „Zellen wandern, um Infektionen zu bekämpfen, um Wunden zu verschließen und um abgestorbene Zellen zu ersetzen. Andererseits verbreiten sich dadurch bösartige Krebsformen im Körper.“ Durch welche Mechanismen Zellwanderung grundsätzlich funktioniert, ist auf künstlichen Oberflächen (also in der klassischen Labor-Petrischale) umfassend untersucht worden. Lebende Organismen sind aber deutlich komplexer. Im HFSP-Projekt wird die Expertise von Biologen und Physikern interdisziplinär verknüpft, um die Zellwanderung in komplexen Umgebungen zu durchleuchten.

Durchleuchtung ist dabei in Münster wörtlich zu verstehen: An Zebrabärblingen untersucht Raz die Wanderung von Keimzellen im lebenden Organismus. Die Fische sind unscheinbar, pflegeleicht, vermehrungsfreudig und vor allem lichtdurchlässig, was die Untersuchung der Zellwanderung relativ einfach macht; Zehntausende Zebrabärblinge schwimmen in den Aquarien des münsterschen Instituts. In Österreich untersucht der Projekt-Kollege Michael Sixt Immunzellen von Mäusen, allerdings außerhalb des lebenden Organismus. Die durch die Forschung gewonnenen Daten werden anschließend anhand etablierter mathematischer Modelle analysiert – die Forscher hoffen, dadurch Faktoren identifizieren zu können, die eine tragende Rolle bei der Zellwanderung spielen. Dabei hilft das Fachwissen des Biophysikers Helim Aranda-Espinoza in den USA und des Physikers Pierre Sens in Paris.

Der münstersche Preisträger Raz studierte ab 1982 zunächst in seinem Heimatland Israel Biologie mit Schwerpunkten auf der Genetik und der Virologie. Nach dem Doktortitel im Jahr 1993 forschte er für mehrere Jahre in Harvard. Seit 1998 arbeitet Raz in Deutschland – erst als Gruppenleiter an der Universität Freiburg und am Max-Planck-Institut in Göttingen, seit 2007 als Professor der Uni Münster. Sein Institut gehört zum Zentrum für Molekularbiologie der Entzündung (ZMBE) der Medizinischen Fakultät. Raz erhielt mehrere hochrangige Auszeichnungen, so Ende 2010 den mit fast zwei Millionen Euro dotierten „„Advanced Investigator Grant“ des Europäischen Forschungsrates.

Das Human Frontier Science Program (HFSP) ist ein internationales Programm zur Förderung der Grundlagenforschung in den Lebenswissenschaften. Die Dachorganisation hat ihren Sitz in Straßburg, Mitglieder sind 13 Staaten weltweit (inklusive Deutschland) und die Europäische Union. Die Forschungsstipendien werden an Forscherteams aus zwei bis vier Personen vergeben. Voraussetzung ist, dass diese Teams länderübergreifend arbeiten und der Hauptantragsteller aus einem der Mitgliedsstaaten – in diesem Fall aus Frankreich – stammt. Daneben gibt es eine zweite Forschungsförderlinie, die sich an Nachwuchsforscher richtet.

Redaktion: Dr. Thomas Bauer (Telefon: 0251 83-58937, E-Mail: thbauer@uni-muenster.de)

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