Auf dem Weg zur individuellen Medizin

Je früher eine Krankheit entdeckt wird, umso besser ist es für den Heilungserfolg. Doch lassen sich die Anfänge mancher Erkrankungen erst spät entdecken. Tumore etwa brauchen teilweise sehr lange, bis sie eine Größe entwickeln, die problemlos erkannt werden kann. Die Früherkennung von Krebs gehört daher zu den wichtigsten Aufgaben der bildgebenden Diagnostik. Doch was kann die Radiologie heutzutage zur Diagnostik und zum Therapieerfolg von Tumorpatienten beitragen?

Über ihre Chancen und den „Paradigmenwechsel in der Radiologie – Auf dem Weg zur individuellen Medizin“ wird Prof. Dr. Claus D. Claussen am Donnerstag, dem 6. Oktober, in Jena einen Vortrag halten. Der Radiologe vom Tübinger Universitätsklinikum spricht im Rahmen des Ernst-Abbe-Kolloquiums. Das Ernst-Abbe-Kolloquium, das von der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Ernst-Abbe-Stiftung ausgerichtet wird, beginnt um 17.00 Uhr im Zeiss-Planetarium (Am Planetarium 5), der Eintritt ist frei.

Prof. Claussen wird nicht nur die enormen technischen Weiterentwicklungen der Schnittbildverfahren Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT) und Positronenemissionstomographie (PET) sowie die Etablierung von Hybridverfahren (PET-CT) vorstellen. Der namhafte Wissenschaftler, der über 700 Publikationen verfasst oder mit verfasst hat, ist sich sicher, dass sich durch diese Innovationen „ein Paradigmenwechsel in der radiologischen Bildgebung vollzogen“ hat. „Die Aufgabe der Radiologen entwickelt sich dabei weg von der ausschließlichen Beantwortung einer dezidiert gestellten organspezifischen Frage hin zur aktiven Planung und Mitgestaltung des gesamten diagnostischen Prozesses“, ist sich Prof. Claussen sicher. Solche modernen Diagnose- und Therapiekonzepte – und die umsetzenden Teams – müssen daher interdisziplinär angelegt sein und neben individuellen morphologischen auch biologische Tumoreigenschaften berücksichtigen. Ziel müsse nicht nur die maximal erreichbare Lebenszeitverlängerung sein, sondern zu berücksichtigen „sind auch individuelle Einflussgrößen von Lebensqualität und Prognose vor dem Hintergrund der individuellen Lebenserwartung“, wie der 65-jährige Radiologe darlegen wird.

Mit den neuen Möglichkeiten der multimodalen Ganzkörperbildgebung stehen jetzt Mittel zur Verfügung, „um neue Wege zu einer individuell krankheitsbezogenen Diagnostik zu beschreiten und ihren Beitrag zu einer effizienten und personalisierten Medizin zu leisten“, sagt Claussen. Nicht mehr das kranke Organ stehe im Mittelpunkt der Radiologen, sondern der kranke Patient.

Über neue Methoden, ihre Anwendung und die Konsequenzen wird Prof. Claussen, der auch Präsident der Deutschen Röntgengesellschaft war, im Ernst-Abbe-Kolloquium sprechen – und dies in der bewährten allgemeinverständlichen Art, die für Jenas wichtigste populärwissenschaftliche Vortragsreihe typisch ist.

In der anschließenden Diskussion wird der Tübinger Radiologe sicher auch bereit sein darüber zu reden, wie sich diese Behandlungen finanzieren lassen und welche Grenzen die technischen Innovationen noch haben.

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