Auf dem Weg zur Genussregion – über 120 Teilnehmer wollten wissen „wie der Harz schmeckt“

Regionale Erzeuger, Gastronomen und Vertreter der Tourismuswirtschaft aus Niedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt waren am Dienstag, dem 12. Februar, von 13 bis 18 Uhr, an der Hochschule Harz in Wernigerode zu Gast. Dass die Fachtagung zum Thema „Wie schmeckt der Harz – auf dem Weg zu einer Genussregion?!“ auf solch hohes Interesse stieß, überraschte selbst die Veranstalter: „Wir sind im Harz noch ein Stück vom Ideal entfernt, haben jedoch den Trend zur ‚Regionalität‘ erkannt und die immense Dynamik, die dieser in der Tourismuswirtschaft entfaltet“, erklärten Prof. Dr. Axel Dreyer und Prof. Dr. Sven Groß vom Arbeitsbereich Tourismus des KAT-Kompetenzzentrums für Informations- und Kommunikationstechnologien, Tourismus und Dienstleistungen. Über 120 Hoteliers, Produzenten, Forscher und Vertreter von Handwerk und Verbänden hatten Gelegenheit herauszufinden, was weltweit bereits erfolgreich praktiziert wird, welche Chancen sich im Harz noch bieten und wo sich eine Vernetzung lohnt.

Axel Dreyer, der die Bedürfnisse der Harztouristen wissenschaftlich betrachtet, erläuterte, dass der Trend zu regionalen Speisen von einem Wunsch nach Transparenz, Rückbesinnung und Umweltbewusstsein herrührt. „Der Konsument will wissen: ‚Was gibt es Gutes um die Ecke?‘“, sagte der Experte und erklärte zugleich die Verbindung zum Tourismus: „Da Reisen immer sinnorientierter werden, Entschleunigung und Genuss oft zentrale Elemente sind, liegen die Chancen auf der Hand“. Seine wissenschaftliche Mitarbeiterin Juliane Ratz ergänzte: „So könnten regionale Produkte als Image-Träger fungieren, den individuellen Charakter der Region unterstützen und zu einer authentischen Profilierung beitragen“.

Markus Pfeifer, Geschäftsführer der Regionalmarke Eifel, und Bernd Sauer, Geschäftsführer der Genussregion Oberfranken, waren sich einig, dass das Zusammenspiel lokaler Produzenten und Gastronomen elementar für den Erfolg ist und den Sympathie-Wert von Produkt und Region steigen lasse. „Es sind vor allem die emotionalen Reize, mit denen wir überzeugen”, so die Experten, die dazu ermutigten, den Weg zur „Kulinarischen Genussregion Harz“ weiterzugehen.

Sven Groß und Alexandra Jung erklärten anschließend, dass der Harzreisende als kulinarischer Tourist betrachtet werden kann und dass bei ausreichender Vernetzung von regionalen Anbietern eine noch höhere Bedeutung als Tourismusregion zu erwarten ist. Andreas Lehmberg, stellv. Geschäftsführer des Harzer Tourismusverbandes (HTV), stellte daraufhin die Regionalmarke „Typisch Harz“ vor. Inzwischen verfügen 21 Produzenten und rund 200 Produkte über das Gütesiegel. Auch die Anbieter selbst kamen zu Wort. Kai Liebig, Inhaber der Ziegenalm Sophienhof, erzählte seine Erfolgsgeschichte, mit der er auch zukünftig den Charme des Landlebens transportieren will. Dorothee Kemper vom Slow-Food Convivium Harz, legte den Leitgedanken einer sauberen, fairen und guten Küche dar. „Allein im Harz haben sich bereits 50 aktive Anhänger gefunden, die verantwortungsvollen und nachhaltigen Konsum mit ihren Gästen teilen möchten“, betonte sie.

Neben dem Wissenserwerb stand auch der praktische Genuss im Zentrum. Frische aromatische Produkte von regionalen Erzeugern, wie Fleisch-, Wurst- und Käsespezialitäten, Obstsäfte, Spirituosen und Gebäck, standen zur Verkostung bereit. Außerdem lag der Fokus auf der Netzwerkbildung. Beim „Business-Speed-Contacting“ standen sich Produzenten und Gastronomen ähnlich wie beim „Speed-Dating“ für wenige Minuten gegenüber, bevor die „Uhr ablief“ und ein Wechsel der Gesprächspartner neue Themen auf den Tisch brachte.

Wie schmeckt denn nun der Harz? „Ich würde sagen urwüchsig, mystisch und natürlich – mit einem starken Einfluss kultureller Geschichte und Tradition“, meinte Erdmute Clemens, Leiterin der Wernigerode Tourismus GmbH. Dass dies für viele genau am Puls der Zeit liegt, war an der Resonanz auf die Fachtagung erkennbar und an den Plänen für Folgeveranstaltungen im Jahresverlauf.

Der Arbeitsbereich Tourismus des KAT-Kompetenzzentrums für Informations- und Kommunikationstechnologien, Tourismus und Dienstleistungen an der Hochschule Harz ist mit einer breiten Palette fachspezifischer Aufgaben, unter anderem in den Bereichen Verkehr, sanfte Mobilität, kulinarischer Tourismus, Hotellerie und Gastronomie, Produktinnovationen und Sporttourismus, betraut. Weiterführende Informationen sind stets aktuell unter zu finden.

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