Atempausen im Schlaf: Hilft das Smartphone bei der Diagnostik?

Die obstruktive Schlafapnoe (OSA) zählt zu den schlafbezogenen Atemstörungen. Wer darunter leidet, ringt im Schlaf ständig nach Luft – wiederholte Atemaussetzer oder Phasen der Minderatmung bewirken einen Abfall der Sauerstoffkonzentration im Blut. Eine unbewusst erfolgende Weckreaktion des Körpers verhindert, dass Betroffene ersticken. „Eine möglichst frühe Diagnostik und Therapie von OSA ist sehr wichtig“, sagt Dr. med. Martin Leinung, Leitender Oberarzt der Klinik für Hals-, Nasen-, Ohren-Heilkunde am Universitätsklinikum der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. „Denn zu ihren Folgen gehören neben Tagesmüdigkeit, Sekundenschlaf, Leistungsschwund, Vergesslichkeit, Stimmungsschwankungen und Depressionen auch ein drei- bis vierfach erhöhtes Risiko für lebensbedrohliche Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall.“

Um festzustellen, ob eine obstruktive Schlafapnoe vorliegt, überwachen Ärzte das Schlafverhalten möglicher Betroffener: Dies geschieht in Schlaflaboren an Kliniken oder ambulant durch eine sogenannte Polygraphie Untersuchung in der häuslichen Umgebung der Patienten. Bei der Polygraphie wird ein kleines Gerät mit verschiedenen Messsonden – der Polygraph – dem Patienten nach einer Einweisung durch den HNO-Arzt mitgegeben. Vor dem Zubettgehen legt dieser den Polygraphen an und aktiviert die Aufzeichnung, die bis zum nächsten Morgen fortgeführt wird. Im Anschluss gibt er das Gerät seinem behandelnden Arzt zurück. Die derzeit auf dem Markt verfügbaren Geräte zum Schlafapnoe-Screening messen je nach Bauart vier bis sechs unterschiedliche Parameter, es werden aber auch ein-Kanal-Screening-Geräte angeboten. Zu den Parametern zählen beispielsweise Atemfluss, Atembewegungen, Schnarchen und Sauerstoffsättigung.

Im Rahmen der telemedizinischen Weiterentwicklung des Faches HNO hat ein Team um Dr. Martin Leinung in einer Studie untersucht, ob man das Schlafmonitoring zur Diagnostik einer OSA auch zuverlässig mithilfe eines Smartphones erfassen könnte. Denn: „Prinzipiell können einzelne dieser Parameter auch mit der Sensorik eines marktüblichen Smartphones erfasst werden“, erläutert der Experte. In Deutschland verfügt mittlerweile über die Hälfte der Bevölkerung über ein Smartphone. Die hochtechnisierten Mobiltelefone besitzen etliche Sensoren, die prinzipiell für die Messung von Körperfunktionen verwendet werden können. Im Rahmen eines „Self-Trackings“ zur Kontrolle und Verbesserung der körperlichen Fitness oder der Ernährungsoptimierung erfreuen sich diese Messfunktionen gegenwärtig großer Beliebtheit. „Unsere Untersuchung hat ergeben, dass die in Smartphones verbauten Sensoren qualitativ nicht mit der Hardware von Medizinprodukten wie dem Polygraphen vergleichbar sind“, sagt Dr. Leinung, „Mittelfristig können sie daher die Polygraphie nicht ersetzen. Allerdings könnten Smartphones durchaus für ein kostengünstiges Verlaufsmonitoring im häuslichen Umfeld eingesetzt werden.“

Über die konkreten Studienergebnisse spricht Dr. Leinung im Rahmen der Pressekonferenz im Vorfeld der 87. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V. (DGHNO KHC) am 3. Mai 2016 in Düsseldorf sowie am 5. Mai auf der Jahresversammlung selbst.

Bei Veröffentlichung Beleg erbeten.

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