Arztpraxen zwischen Doctor Replacement Devices und Digitalen Therapeutika

Begriffe werden zu Programmen und Programme zu Realität, die den Arbeitsalltag verändern können. Bis zum letztgenannten Punkt ist es noch nicht gekommen, doch die Entwicklung von medizinischen Anwendungen für Mobil-Telefone und Tablet PCs sowie das zunehmende Angebot von Gesundheits-Trackern geht in diese Richtung: in den USA werden einzelne Geräte bereits als „Doctor Replacement Devices“ bezeichnet. Deshalb – so rät Klaus-Dieter Thill, Leiter des Instituts für betriebswirtschaftliche Analysen, Beratung und Strategie-Entwicklung (IFABS) – sollten sich niedergelassene Ärzte mit der App-Entwicklung beschäftigen und versuchen, diese in Richtung Digitaler Gesundheits-Apps zu entwickeln.

Die Gesundheits-Apps kommen
„Haben Sie ein Smartphone? Dann empfehle ich Ihnen die App. XY zur Unterstützung Ihrer Therapie!“ Der Boom von Gesundheits-Apps und der Trend zur Selbstvermessung werden dazu führen, dass Smartphone-Anwendungen auch einen Eingang in den Therapie-Alltag finden. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem die Motivation zu und die Begleitung von Verhaltensänderungen, die in vielen Indikationen erst eine umfassende Wirkung der Medikamente ermöglichen. Aber auch ein präventiver Einsatz ist möglich.
Von der App zum Digitalen Therapeutikum
Die Erfahrung der meisten Ärzte ist, dass Verhaltensänderungen sich nicht verordnen lassen und selbst partnerschaftliche Übereinkünfte mit den Patienten kein Garant dafür sind, diese langfristig zu veranlassen, bestimmte Routinen dauerhaft aufzugeben und / oder neue Verhaltensweisen einzuführen. Hier liegt der primäre Ansatzpunkt von Apps, als Digitale Therapeutika (DT) zu wirken: die Anwendungen müssen Patienten bei ihrem Handeln begleiten, einen Einblick in Zusammenhänge geben und motivieren. Das funktioniert jedoch nur, wenn drei Grundvoraussetzungen erfüllt sind:
(1) Neben den fachlich richtig aufbereiteten Inhalten müssen die Ziele, die Arzt und Patient beschließen, als Parameter in einer App berücksichtigt werden können. Apps bedürfen also einer Individualisierung, um Bestandteil des Therapie-Prozesses werden zu können. Bislang genügt jedoch kaum eine Anwendung diesem Kriterium.
(2) Der Arzt muss sich selbst intensiv mit den Inhalten beschäftigen und alle ihre Möglichkeiten vollständig kennen, um Apps mit seinen Empfehlungen abzustimmen. Anwendungen werden durch ihre Funktionen, aber vor allem durch die Intensität und Ernsthaftigkeit, mit der der Arzt sie für den Behandlungsprozess einplant, zu DTs.
(3) Die App-Anwendung muss Eingang in die Therapiepläne finden und die dokumentierten Verläufe / Ergebnisse im Patientengespräch adäquat gewürdigt werden. Apps sind DTs, wenn ihre Anwendung und Wirkung wie die eines Medikaments behandelt werden.
Sind diese Voraussetzungen erfüllt, wird gleichzeitig verhindert, dass Apps sich zu ärztlichen Co-Instanzen und virtuellen Gegenkompetenzen entwickeln.

Quelle: http://bit.ly/1hgevpA

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