Anstieg von Depressionen – durch Bewusstseinswandel?

In den letzten beiden Jahrzehnten ist die Krankschreibung von Arbeitnehmern auf Grund von psychischem Leiden immer mehr angestiegen. In 2012 erreichten sie einen neuen, traurigen Höhepunkt. Betrachtet man den Verlauf von 1997 bis 2012 so sind die Fehltage bei der Arbeit allein durch Depressionen und psychische Erkrankungen anderer Art um über 165 Prozent gestiegen. Das bedeutet mehr als eine Verdoppelung in den letzten 15 Jahren. Nach dem aktuellen Gesundheitsreport der DAK von 2013 wird die Verbreitung von Burnout jedoch überschätzt. Die Krankenkasse bezeichnet das Leiden an Burnout als kein klassisches Massenphänomen. Bei leichteren Erscheinungen können Betroffene ihre gesundheitlichen Auswirkungen oftmals gut selbst wieder regenerieren. Auch in den Jahrzehnten davor waren psychische Störungen verbreitet. Die DAK betont nur, dass das Bewusstsein und auch die Sensibilität von Patienten und Ärzten sich gegenüber psychischen Erkrankungen deutlich gewandelt haben. Daher fordert die DAK eine sachlichere Debatte über psychische Krankheiten.

Kernaussagen des Gesundheitsreports

Grundlage für den Report 2013 war die überwältigende Anzahl der Krankschreibungen von insgesamt 2,7 Millionen Versicherten, die im Erwerbsleben stehen. Zusätzlich wurden über 3.000 Arbeitnehmer und Ärzte befragt. Der Gesundheitsreport wurde in Zusammenarbeit mit dem IGES Institut in Berlin ausgewertet. Laut des DAK-Gesundheitsreports 2013 haben sich die Krankheitsfehltage in den Betrieben nach Krankheitsart in den letzten 15 Jahren deutlich verschoben. Jeder 50. Erwerbstätige wurde 1997 wegen eines Leidens psychischer Natur krankgeschrieben. Im letzten Jahr dagegen war es schon jeder 22. Erwerbstätige. Statistisch gesehen trifft es dabei das weibliche Geschlecht nahezu doppelt so häufig, wie männliche Arbeitnehmer. Zu beachten ist, dass früher auf dem Krankschein Diagnosen, wie beispielsweise akute Magenbeschwerden oder chronisches Rückenleiden standen, heute jedoch ein psychisches Leiden attestiert wird. Für Betriebe sind psychisch kranke Arbeitnehmer eine große Belastung, denn die Krankschreibungen dauern meistens sehr lange. Da der Report auf tatsächlichen Krankschreibungen beruht, kann das Ergebnis als sehr zuverlässig gewertet werden. Es zeigt eindeutig das Ausmaß von psychischen Diagnosen im Rahmen der Krankschreibungen.

Kann es aber die auch die tatsächliche Verbreitung von Depressionen, Burnout und anderen psychischen Erkrankungen widerspiegeln? Die DAK stellt sich selbst die Frage „sind wir heute anders krank?“. Oder hat sich nur das Bewusstsein für die Krankheiten verändert? Glaubt man den Aussagen von Prof. Frank Jacobi von der Psychologischen Hochschule in Berlin, im Rahmen des Reports, dann gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass in der heutigen Zeit mehr Menschen psychisch erkrankt sind als noch vor 20 Jahren. Vor allem das Burnout-Syndrom hat in den letzten Jahren psychische Erkrankungen mehr in den Focus der Öffentlichkeit gebracht.

Salonfähigkeit psychischer Erkrankungen durch Burnout-Syndrom

Über eigene psychische Erkrankungen spricht kein Mensch gerne und leicht in der Öffentlichkeit, denn sie stellen in einer Leistungsgesellschaft, wie der unseren, noch immer ein massives Makel der Persönlichkeit dar. Als Chef der DAK-Gesundheit, betont Herbert Rebscher, dass Burnout „eine Art Risikozustand und keine Krankheit“ darstellt. Durch die umfassenden Berichterstattungen in der Medienwelt ist Burnout durchaus positiver besetzt und vor allem auch sozial akzeptierter als die Diagnose Depressionen. Gehen die meisten Menschen doch davon aus, dass Burnout-Geplagte zuvor sehr viel geleistet haben. In der öffentlichen Wahrnehmung sind es überaus engagierte Arbeitnehmer, die über ihre Grenzen hinaus gehen und dadurch diese „Ausgebranntheit“ erfahren. Wenn man sich die Krankschreibungen von 2012 anschaut, so wurden allerdings nur bei jeder 330. Frau und jedem 500. Mann die Diagnose Burnout auf der Krankschreibung gefunden. Damit beschreibt das Burnout-Syndrom nachweislich kein Massenphänomen. Dennoch scheint es durch die Medienpräsenz von Burnout vielen Arbeitnehmern leichter zu fallen, beim Arzt oder Psychologen über psychische Symptome zu sprechen. Auch wenn die Öffentlichkeit Burnout als eigenständige, psychische Erkrankung wahrnimmt, so ist dieses Syndrom in der Praxis meistens eine Zusatzdiagnose. Hautdiagnose sind meistens Depressionen und sogenannte Anpassungsstörungen des Patienten. Ärzte erfassen unter der Zusatzcoderung „Z 73“ das Burnout-Syndrom. Dabei würde die Codierung in Textform mit der Umschreibung „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“ erfasst.

Stress durch ständige Erreichbarkeit

Laut dem Gesundheitsreport führen ständige Job-Telefonate im privaten Umfeld und in der Freizeit vermehrt zu Depressionen. Dabei ist alarmierend, dass bereits eine Erreichbarkeit von bis zu einmal in der Woche nach Feierabend oder am Wochenende mit einem erhöhten Risikopotenzial einhergeht, eine psychische Erkrankung zu bekommen. Von den ständig erreichbaren Mitarbeitern leidet jeder vierte Arbeitnehmer bereits unter einer Depression. Die Anteile innerhalb der Arbeitnehmer sind zwar nicht ausgesprochen groß, aber immerhin sind acht Prozent immer erreichbar und somit zwei Prozent depressiv durch diese Jobsituation. E-Mails checken außerhalb der Arbeitszeit wird von Arbeitnehmern als geringere Belastung eingeschätzt. Neun Prozent der Beschäftigten checken auch abends regelmäßig oder noch am Wochenende ihre beruflichen e-Mails. Die Arbeitsverdichtungen, der stärkere Konkurrenzdruck und die längeren Arbeitszeiten scheinen überwiegend Auslöser für die psychischen Beeinträchtigungen zu sein. Da ist es gut, rechtzeitig, nach Feierabend und am Wochenende abzuschalten. Besonders gut geht dies vor allem mit sanftem Sport und Entspannungstechniken, wie Joga, autogenem Training, Tai-Chi, Meditation oder progressiver Muskelrelaxation. Das Gute ist, man kann alle sanften Sportarten auch zu Hause praktizieren und benötigt neben bequemer Kleidung, nur eine Gymnastikmatte, Ruhe, Wasser und eventuell wärmende Strümpfe und Stulpen von Esprit.

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