Ansteckend. Über Infektionskrankheiten – Vorlesungsreihe der Akademie der Wissenschaften

Auch wenn große Seuchen heute in Mitteleuropa kaum mehr als Bedrohungen wahrgenommen werden: Infektionen bleiben ein Thema. Krankheiten prägen nicht nur die evolutionäre und individuelle biologische Entwicklung, sondern auch unser gesellschaftliches und persönliches Verhalten. Dies gilt für Infektionserkrankungen mehr als für alle anderen Krankheitsgruppen, denn die Angst vor hochansteckenden Infektionen beeinflusst das gesellschaftlichen Zusammenlebens grundlegend – Städtebau, Hygieneregel, Essensvorschriften haben hier ihre Wurzeln, religiöse oder moralische Deutungen von Krankheiten wirken sich auf den Umgang mit Kranken aus. Die wissenschaftliche Diskussion über Infektionskrankheiten weist daher über die Grenzen der Medizin hinaus. Nicht zuletzt für die Bekämpfung und Prävention von Infektionskrankheiten ist die Berücksichtigung des sozio-kulturellen Kontextes eine wichtige Voraussetzung. Die Vorlesungsreihe der Akademie verfolgt einen interdisziplinären Ansatz und beleuchtet sowohl biologisch-medizinische als auch historische und gesellschaftliche Aspekte.

Zu Beginn der Reihe spricht am Donnerstag, 29. April 2010 der Infektionsmediziner Professor Werner Solbach, Universität zu Lübeck über die ambivalente Rolle von Infektionen, die einerseits die menschliche Gesundheit gefährden, andererseits aber für die Ausbildung des menschlichen Immunsystems unerlässlich sind. Am 20. Mai 2010 kommt der Träger des ersten Hamburger Wissenschaftspreises 2009, Professor Stefan Ehlers zu Wort, der in seine Forschungen zur multi-resistenten Tuberkulose einführen wird. "Musiker und Infektionen" ist der Titel des Vortrags von Professor Ernst Th. Rietschel, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, am 10. Juni 2010. Weitere Themen sind der Umgang mit Seuchen in vergangenen Jahrhunderten (24. Juni 2010; Referent: Professor Heinz-Peter Schmiedebach) sowie Gefahren durch neue tierische Grippeviren, über die am 8. Juli Professor Thomas Mettenleiter informieren wird.

Die Vortragsreihe wurde von der Akademie-Arbeitsgruppe "Infektionsforschung und Gesellschaft" konzipiert, die sich unter ihrem Sprecher Professor Ansgar W. Lohse einem interdisziplinären Zugang zu Infektionsforschung widmet. Die Reihe setzt die Aktivitäten der Akademie fort, Infektionsforschung zu fördern und ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Der Akademie der Wissenschaften in Hamburg (gegründet 2004) gehören herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Norddeutschland an. Sie versteht sich als klassenlose Arbeitsakademie: Ihre Mitglieder konzipieren und bearbeiten interdisziplinäre Projekte zu wissenschaftlichen Grundlagenproblemen und gesellschaftlich bedeutenden Zukunftsfragen. Die Akademie fördert die Zusammenarbeit zwischen Fächern, Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen in der Region und engagiert sich für den Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit. Die Grundausstattung der Akademie wird finanziert aus Mitteln der Freien und Hansestadt Hamburg.
(idw, 04/2010)

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