ANIM 2018: Zweites Joint Meeting der DGNI mit der Neurocritical Care Society (NCS)

„Dass es uns wieder gelungen ist, unsere US-Kollegen bei uns zu haben, ist ein richtiges Highlight“, betont Tagungspräsident Prof. Dr. med. Wolfgang Müllges, Neurologische Klinik und Poliklinik am Universitätsklinikum Würzburg. „Die Unterschiede der Gesundheitssysteme haben viele facettenreiche Konsequenzen. Wir lernen voneinander und versuchen, das Beste vom anderen bei uns zu etablieren.“

Der Vergleich des deutschen und des amerikanische Gesundheitssystem hinsichtlich der Notfallversorgung und der Ausbildung in NeuroIntenisvmedizin macht zum Beispiel deutlich, dass in Deutschland der Notarzt bei ausgewählten Notfällen schon in der Prähospitalphase zum Einsatz kommt, während in den USA der Notfallpatient von Rettungssanitätern versorgt wird. In Deutschland gibt es sowohl zentrale Notaufnahmen, die interdisziplinär arbeiten, als auch fachspezifische Notaufnahmen. Die Entscheidung, wohin der Patient gebracht wird, obliegt dann dem Notarzt oder den Rettungssanitätern. Die Notaufnahmen in den USA dagegen sind zentralisiert und der Patient wird dort von Fachärzten für Notfallmedizin betreut, wobei Spezialisten, wie auch in Deutschland, hinzugezogen werden.

Weitere Unterschiede zeigen sich in der Ausbildung in Neurointensivmedizin. In Deutschland werden fachspezifische Qualifikationen je nach Fachrichtung angeboten, das heißt ein Neurologe kann die Zusatzqualifikation „Neurologische Intensivmedizin“ nach der Facharztausbildung erwerben, ein Neurochirurg entsprechend die Zusatzqualifikation „Neurochirurgische Intensivmedizin“. Ein neues Ausbildungscurriculum mit dem Ziel der Vereinheitlichung der Ausbildungsinhalte wurde erarbeitet und wird noch geprüft. In den USA dagegen wird ein einheitliches fachübergreifendes Curriculum in „Neurocritical Care“ angeboten, nur die Ausbildungszeiten sind für die Ärzte aus den verschiedenen Fachrichtungen unterschiedlich. So kann auch ein Internist ein Neurointensivmediziner werden, was lange kontrovers diskutiert wurde, weil der Ansatz der Patientenbehandlung pro Fachrichtung ein ganz anderer ist.

Erstmals wird in Deutschland der Emergency Neurologic Life Support (ENLS) Kurs angeboten, eine Initiative der NCS. Dieser ist ein Reanimationskurs für alle Neuro-Notfälle von Hirnblutung, Trauma bis zur Myasthenen Krise. Fachdisziplinübergreifend werden Algorithmen, Protokolle und Checklisten für das Notfallmanagement in den ersten Stunden nach Eintreffen des Patienten mit 14 verschiedenen Krankheitsbildern vermittelt, sehr hilfreich für alle, die solche Patienten in der Rettungsstelle und auf der Intensivstation betreuen. Online kann ein Zertifikat erworben werden: http://www.neurocriticalcare.org/enls.

Die Neurocritical Care Society (NCS) ist eine relativ junge Fachgesellschaft, die innerhalb kurzer Zeit und mit viel Eigeninitiative ihrer Mitglieder viele interdisziplinäre Leitlinien für das Management auf der Intensivstation und andere Hilfsmittel für die Patientenversorgung und die Angehörigenbetreuung hervorgebracht hat (siehe http://www.neurocriticalcare.org). Seit 2016 ist die DGNI internationaler Partner der NCS. Damit wird die transkontinentale Zusammenarbeit hinsichtlich der Erarbeitung gemeinsamer Leitlinien und Durchführung gemeinsamer Forschungsprojekte gestärkt. Dies spiegelt sich auch im Joint Meeting wieder, wo die „Work in Progress“ für gemeinsame Consenus/Position Papers über Prognostic Scores in Neurocritical Care und über das Post ICU Syndrom vorgestellt werden.

Das komplette Programm zur ANIM 2018, bei der rund 1.600 Ärzte, Pflegekräfte und Therapeuten zusammentreffen, steht auf der Tagungshomepage http://www.anim.de zur Verfügung.

Pressekontakt:
Kerstin Aldenhoff
Im Auftrag der
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