Angehörige tragen Hauptlast der Versorgung zu Hause lebender Demenzkranker

Das Institut für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen (IGM) des Helmholtz Zentrums München hat gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Erlangen (Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie) eine Studie zur Verbesserung der Versorgung zu Hause lebender Demenzpatienten und der Angehörigen, die sie pflegen durchgeführt. Im Rahmen der Studie wurden auch die Kosten für die Pflege der Betroffenen ermittelt, wobei die von den Angehörigen geleistete Pflege nach marktüblichen Stundensätzen bewertet wurde. Nach den Berechnungen der Gesundheitsökonomin Larissa Schwarzkopf deckt der finanzielle Gegenwert der Angehörigenzeit etwa 80% des gesamten Versorgungsaufwands ab und ist bei Patienten im fortgeschrittenen Krankheitsstadium fast doppelt so hoch wie im frühen Stadium.

„Der demografische Wandel und kleiner werdende Familien werden dazu führen, dass die meisten Demenzpatienten nicht mehr von Angehörigen im häuslichen Umfeld gepflegt werden können, sondern auf professionelle Hilfe angewiesen sein werden“, so Prof. Dr. Rolf Holle, Leiter der Arbeitsgruppe für Ökonomische Evaluation am IGM. „Diese Entwicklung stellt unser Sozialversicherungssystem vor eine große Herausforderung. Um die pflegerische Versorgung von Demenzpatienten im häuslichen Umfeld auch weiterhin gewährleisten zu können, ist die Entwicklung und Finanzierung neuer Versorgungsangebote erforderlich.“

Derzeit leiden in Deutschland in etwa 1,2 Millionen Menschen über 65 Jahren an Demenz, das entspricht 7% dieser Altersgruppe. Mit zunehmendem Lebensalter steigt das Risiko einer Demenzerkrankung. Durch den demografischen Wandel wird daher die Zahl der Demenzkranken in Deutschland bis 2050 voraussichtlich auf das Doppelte ansteigen.

Weitere Informationen

Original-Publikation: Schwarzkopf, L. et al., Costs of Care for Dementia Patients in Community Setting: An Analysis for Mild and Moderate Disease Stage, Value in Health (2011): doi:10.1016/j.jval.2011.04.005

Link zur Fachpublikation

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 1.900 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 17 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 31.000 Beschäftigten angehören.

*IDA-Projekt: Die Initiative Demenzversorgung in der Allgemeinmedizin (IDA) wurde vom AOK-Bundesverband, der AOK Bayern, Pfizer und Eisai gegründet, um Demenzpatienten, die in häuslicher Umgebung leben, mehr Lebensqualität zu bieten und ihre Angehörigen zu unterstützen. Das Helmholtz Zentrum München und die Universitätsklinik Erlangen begleiten das Projekt wissenschaftlich. IDA ist international eine der größten Interventionsstudien zur ambulanten Versorgung von Demenzpatienten.


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Ansprechpartner für die Medien

Sven Winkler, Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Ingolstädter Landstraße 1 85764 Neuherberg – Tel.: 089-3187-3946 – Fax: 089-3187-3324 – E-Mail:

Fachlicher Ansprechpartner
Prof. Dr. Rolf Holle, Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Institut für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen, Ingolstädter Landstraße 1 85764 Neuherberg – Tel.: 089-3187- 4192 – Fax: 089-3187- 3375 – E-Mail:

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