Amputation und Phantomschmerzen: Mit Spiegeln dem Gehirn Empfindungen außerhalb des Körpers vorspielen

Nach Amputation einer Gliedmaße leiden die Betroffenen sehr häufig unter einer Phantomwahrnehmung oder sogar Phantomschmerzen. Unter Phantomwahrnehmung versteht man das Paradoxon, dass Empfindungen dem nicht mehr vorhandenen Körperteil zugeordnet werden. Oftmals sind diese Wahrnehmungen schmerzhaft und mit einem hohen Leidensdruck verbunden. Medikamentöse und andere Therapien führen leider relativ selten zu einem positiven Ergebnis, da die Entstehung dieses Phänomens wissenschaftlich noch immer nicht wirklich gut verstanden wird.

Neue neurowissenschaftliche Erkenntnisse der letzten Jahre konnten funktionelle Veränderungen in den sensiblen und motorischen Bereichen des Gehirns nach einer Amputation mit dem Ausmaß des Phantomschmerzes in Beziehung setzen. Die Ergebnisse zeigten: Je ausgeprägter und stärker der Phantomschmerz der einzelnen Patienten war, desto größer war auch die Veränderung in dem für den amputierten Körperteil verantwortlichen Gebiet des Gehirns. Außerdem konnten große Ähnlichkeiten zwischen nicht-schmerzhaften Phantomphänomenen und sogenannten Körperillusionen bei gesunden Personen identifiziert werden. Letztere zeigten, dass das Gehirn nicht nur auf die physische Realität, sondern auch auf die wahrgenommene Realität reagiert. In Forschungsstudien gelang es, mit einfachsten Methoden – nämlich mit Spiegeln – dem Gehirn Empfindungen außerhalb des Körpers vorzuspielen. Diese Zusammenhänge bieten eine Grundlage für die Konzeption neuartiger Therapieansätze durch moderne Prothesen, Stimulations-Trainings oder den Einsatz von Spiegeln zur Behandlung der Phantomphänomene. Wie alle neuen Therapieverfahren müssen sie jedoch in ihrer Wirkung und Effektivität überprüft werden.

Am Institut für Neuropsychologie und Klinische Psychologie (Wissenschaftliche Direktorin: Professor Dr. Herta Flor) am ZI wird eine deutschlandweite Studie mit dem Titel PHANTOMMIND durchgeführt. An mehreren tausend Probanden mit einer Amputation werden Phantomschmerzen und verwandte Phänomene untersucht.

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