Am Anfang waren Fußnägel…

Duncan Wilson atmet schwer, beugt sich nach vorn und legt die Stirn in Falten. „Warum ich das Stipendium erhalten habe? Ich denke, dass mein Forschungsthema sehr dringlich ist: Jedes Jahr sterben ganze 1,5 Millionen Menschen an Pilzinfektionen.“ Am HKI forscht er zum Hefepilz Candida albicans, einer der häufigsten Erreger für schwerwiegende Pilzkrankheiten: Bei einer Infektion kämpfen Wirt und Pilz um die Nährstoffe in der Zelle. Duncan Wilson erforscht unter anderem, welche Tricks der Pilz anwendet, um dem Wirt Nährstoffe wie Eisen und Zink abzujagen.

Und dabei sah es in seinem Mikrobiologie-Studium an der Universität Glasgow gar nicht danach aus, dass er sich der Forschung an Pilzen zuwenden würde: „In meinem Studium ging es vor allem um Bakterien. Erst im vorletzten Jahr wurde eine Vorlesung zu Pilzen angeboten. Und da gab es diesen Moment: Ich habe das erste Mal gesehen, wie Candida albicans aussieht. Der Pilz ist wirklich schön!“ Die Begeisterung hielt an, Duncan assistierte im Labor bei der Erforschung von Nagelpilz. „Eigentlich habe ich nur Fußnägel abgeschnitten und untersucht, welche Pilze den Patienten befallen haben. Das war zwar eine sehr eintönige Arbeit, aber ich wusste schnell, dass ich den Weg der Wissenschaft weiter gehen will.“

Duncan promovierte an der Universität Manchester. „Beim Lesen tauchte damals immer wieder ein Name auf: Prof. Bernhard Hube. Ich wusste nicht, wer dieser Mann eigentlich ist. Aber er schien berühmt für seine Arbeit mit Candida albicans zu sein“, schmunzelt Duncan. Er bewarb sich auf eine Stelle in Jena, um mit Bernhard Hube zusammen zu arbeiten. „Als ich vor sieben Jahren nach Jena kam, dachte ich, ich würde nur neun Monate bleiben. Aber wenn die Stadt dich einmal hat, kommst du nicht so schnell wieder weg.“ Seitdem fühlt er sich am HKI, aber auch in der Stadt selbst sehr wohl. „Ich finde es toll, dass Jena so jung ist. Manchester, wo ich meinen Doktor gemacht habe, ist stolz auf seinen hohen Studentenanteil. Das ist gar kein Vergleich zu Jena!“

Im März 2014 wird Duncan Wilson Jena nun doch verlassen. Im Gepäck die Gewissheit, fünf Jahre an der renommierten Universität Aberdeen eine eigene Forschungsgruppe zu leiten und auf höchstem Niveau arbeiten zu können. Er ist Wissenschaftler aus Leidenschaft, aber ganz ohne Plan B geht er nicht zurück nach Schottland. „Ich lebe seit 10 Jahren in der Welt der Wissenschaft. Ich kann mir überhaupt nicht mehr vorstellen, etwas anderes zu tun.“ Nach kurzem Grübeln fügt er hinzu: „Außer vielleicht eine Bar zu eröffnen.“

Informationen zum HKI

Das Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut – wurde 1992 gegründet und gehört seit 2003 zur Leibniz-Gemeinschaft. Die Wissenschaftler des HKI befassen sich mit der Infektionsbiologie human-pathogener Pilze. Sie untersuchen die molekularen Mechanismen der Krankheitsauslösung und die Wechselwirkung mit dem menschlichen Immunsystem. Neue Naturstoffe aus Mikroorganismen werden aufihre biologische Aktivität untersucht und für mögliche Anwendungen als Wirkstoffe zielgerichtet modifiziert.

Das HKI verfügt über fünf wissenschaftliche Abteilungen, deren Leiter gleichzeitig berufene Professoren der Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU) sind. Hinzu kommen mehrere Nachwuchsgruppen und Querschnittseinrichtungen mit einer integrativen Funktion für das Institut, darunter das anwendungsorientierte Biotechnikum als Schnittstelle zur Industrie. Gemeinsam mit der FSU betreibt das HKI die Jena Microbial Resource Collection, eine umfassende Sammlung von Mikroorganismen und Naturstoffen. Zurzeit arbeiten mehr als 350 Personen am HKI, davon 120 als Doktoranden.

Das HKI ist Initiator und Kernpartner großer Verbundprojekte wie der Exzellenz-Graduiertenschule Jena School for Microbial Communication, des Sonderforschungsbereiches/Transregio FungiNet, des Zentrums für Innovationskompetenz Septomics sowie von InfectControl 2020 – Neue Antiinfektionsstrategien, einem Vorhaben im BMBF-Programm Zwanzig20 – Partnerschaft für Innovation.

Informationen zur Leibniz-Gemeinschaft

Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 86 selbständige Forschungseinrichtungen. Deren Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute bearbeiten gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevante Fragestellungen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Grundlagenforschung. Sie unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an.

Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer in Richtung Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Institute pflegen intensive Kooperationen mit den Hochschulen – u.a. in Form der WissenschaftsCampi – , mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem maßstabsetzenden transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam.

Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 17.000 Personen, darunter 7.900 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei 1,5 Milliarden Euro.

Ansprechpartner

Dr. Michael Ramm
Wissenschaftliche Organisation
Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie e. V.
– Hans-Knöll-Institut –
Adolf-Reichwein-Straße 23
07745 Jena

+49 3641 5321011 (T)
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+49 3641 5320801 (F)

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