Am 7. März ist „Tag des Hörens“

Was tun bei hartnäckigem Tinnitus? Wie kann Musiktherapie helfen? Wie sichert man Kindern mit Hörschädigung den bestmöglichen Start ins Leben? Für wen kommt ein Cochlea Implantat (CI), die elektronische Innenohrprothese, in Frage? Warum ertaubte Beethoven und könnte ihm heute geholfen werden? Diese und weitere Fragen rund um Probleme mit dem Gehör sowie das Leben mit Hörbehinderung sind Themen beim „Heidelberger Tag des Hörens“ am Samstag, 7. März 2015. Von 10 bis 16.30 Uhr informieren Professor Dr. Dr. h.c. Peter K. Plinkert, Ärztlicher Direktor, und weitere Experten der Universitäts-HNO-Klinik Heidelberg sowie des Deutschen Zentrums für Musiktherapieforschung (Victor Dulger Institut) und Betroffene im Hörsaal der Universitäts-Kopfklinik, Im Neuenheimer Feld 400, 69120 Heidelberg. Zudem werden die Angebote des ambulanten CI-Rehabilitationszentrums am Universitätsklinikum vorgestellt. Die interessierte Bevölkerung, Schwerhörige, CI-Träger und Eltern schwerhöriger Kinder sind herzlich zu Kurzvorträgen, persönlichem Austausch, Einblicken in die Musiktherapie und Trommel-Workshop eingeladen. Die Vorträge werden zusätzlich von Schrift- und Gebärdensprachdolmetschern unterstützt.

Infos über Musiktherapie und Bilderausstellung des hörgeschädigten Künstlers Stefan Heinz

Das CI-Ensemble des Deutschen Zentrums für Musiktherapieforschung (DZM) gibt sein Debut: Alle Musizierenden tragen ein Cochlea Implantat und nehmen im Rahmen des neuen Rehabilitationskonzepts der Heidelberger HNO-Klinik an einer Musiktherapie teil. „Für viele CI-Träger stellt das Hören von Musik eine große Herausforderung dar, es kann einige Zeit dauern, bis sich Musik für sie wieder wie Musik anhört“, erklärt Professor Plinkert. „Der Auftritt unseres CI-Ensembles zeigt: Mit Motivation, Ausdauer und professioneller Anleitung ist Musikgenuss auch mit einem CI wieder möglich. Ich hoffe, dass sich andere Betroffene davon ermutigen lassen“, sagt Diplom-Psychologin Elisabeth Hutter, die am Heidelberger Zentrum für die Musiktherapie zuständig ist.

Zudem gibt es eine Bilderausstellung des hörgeschädigten Künstlers Stefan Heinz zu besichtigen. Der Maler, von Geburt an schwerhörig und heute beidseitig mit Cochlea Implantaten versorgt, ist anwesend und freut sich auf Gespräche. Im Foyer vor dem Hörsaal stellen sich Vertreter von Selbsthilfegruppen, Verbänden, Frühförder- und Beratungsstellen, Herstellerfirmen und des Hör-/ Sprachzentrums Heidelberg/ Neckargemünd den Fragen der Besucher.

Das CI-Rehabilitationszentrum an der HNO-Klinik hat sich bewährt

Seit einem Jahr ist die Universitäts-HNO-Klinik von den Krankenkassen als ambulantes Rehabilitationszentrum für Träger einer Innenohrprothese, dem sogenannten Cochlea Implantat (CI), zugelassen. Die Bilanz des ersten Jahres kann sich sehen lassen: Mit 96 Patienten ließen sich in Heidelberg mehr Patienten als in den Jahren zuvor ein CI implantieren. Sie profitieren von einer umfassenden Versorgung „unter einem Dach“ – von der Diagnostik über die Implantation und ambulanten Rehabilitation bis hin zur lebenslangen Nachsorge. Die therapeutischen Angebote – darunter spezielles Hörtraining, audiotherapeutische Beratung und Gruppentherapie sowie Musiktherapie in Zusammenarbeit mit dem DZM – werden beim Tag des Hörens vorgestellt.

Die neuen Angebote, die alle von den Krankenkassen getragen werden, kommen besonders bei den Berufstätigen gut an: „Das ambulante Konzept ermöglicht es, individuell an den persönlichen Therapiebedürfnissen orientiert zu planen“, erklärt Markus Landwehr, therapeutischer Leiter des Zentrums. Es gab bereits eine Auszeichnung von fachlicher Seite. Das Heidelberger Zentrum wurde in die Arbeitsgemeinschaft CI Rehabilitation (ACIR) aufgenommen, deren Ziel es ist, die Versorgung CI-versorgter Kinder, Jugendlicher und Erwachsener sowie deren schulische und berufliche Integration weiter zu verbessern.

Die Patienten werden von einem 16-köpfigen, interdisziplinären Team aus Ärzten, Audiologen, Logopädinnen, Musiktherapeuten, Psychologen und Audiotherapeuten betreut. „Eine so umfassende Therapie ist unverzichtbar, um mit dem Cochlea Implantat klarzukommen“, betont Professor Mark Praetorius, ärztlicher Leiter des Rehabilitationszentrums. Dabei geht es nicht nur darum, das Hören mit der elektrischen Innenohrprothese neu zu erlernen. Die Patienten brauchen häufig anfangs noch Hilfe, um sich in Beruf und Privatleben wieder zu orientieren. Diese Hilfe finden sie in der Audiotherapie mit zugehöriger Gruppentherapie.

Mit einem Cochlea Implantat, das Töne in elektrische Signale umwandelt und an das Innenohr weitergibt, können selbst hochgradig schwerhörige sowie ein- oder beidseitig ertaubte Menschen wieder hören lernen. Doch dieses Hören unterscheidet sich, anders als beim klassischen Hörgerät, stark vom natürlichen Gehör. CI-Träger müssen das Hören und Verstehen erst wieder erlernen.

Ansprechpartner:
Hendrik Erdsiek, Dipl. Wirt.-Psych. (FH), Audiotherapeut (DSB)
Universitäts-HNO-Klinik Heidelberg
Tel.: 06221 56-39524
E-Mail: Hendrik.Erdsiek@med.uni-heidelberg.de

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 12.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 1.900 Betten werden jährlich rund 66.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.

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