Alzheimer-Forschungspreis der Hans und Ilse Breuer-Stiftung geht an Stefan F. Lichtenthaler und Mikael Simons

Die beiden Wissenschaftler Prof. Dr. Stefan F. Lichtenthaler (Deutsches  Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen, DZNE, und Technische Universität München) und Prof. Dr. Mikael Simons (Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin und Universität Göttingen) teilen sich den diesjährigen renommierten Alzheimer-Forschungspreis der Frankfurter Hans und Ilse Breuer-Stiftung, der mit insgesamt 100.000 EUR dotiert ist. 

Der Preis wurde am 5. November zum zehnten Mal in Folge anlässlich der Eibsee-Konferenz „Zelluläre Mechanismen der Neurodegeneration“ verliehen und ist die höchstdotierte Auszeichnung für Alzheimer-Forschung in Deutschland. Da es für Alzheimer und ähnliche Demenzen noch keine effektive Behandlungen gibt  und sie deshalb zu den größten gesundheitspolitischen Herausforderungen der Gegenwart gehören, unterstützt die gemeinnützige Hans und Ilse Breuer-Stiftung seit ihrer Gründung im Jahr 2000 herausragende Forschung auf diesem Gebiet.

Prof. Dr. Stefan F. Lichtenthaler (geb. 1968 in Karlsruhe) erhält die begehrte Auszeichnung für seine Forschung über Funktion und Regulation von Proteinen – insbesondere Proteasen (molekulare Scheren) – die an neurodegenerativen Erkrankungen wie der Alzheimer- Krankheit beteiligt sind. Ziel ist es, die Ursachen dieser Volkskrankheiten besser zu verstehen, neue diagnostische und therapeutische Ansätze zu entwickeln und mögliche Nebenwirkungen von
Medikamenten besser vorhersagen zu können. Dazu dienen unter anderem biochemische und proteomische Methoden wie die quantitative Massenspektrometrie.
Prof. Lichtenthaler entwickelte eine neue Methode, mit der die Funktionen von diesen Proteasen bestimmt werden können. Damit wurde eine excellente Basis geschaffen, die Wirkung von Medikamenten auf diese molekularen Scheren zu untersuchen. Derzeit werden Medikamente, die diese Proteine beeinflussen, bereits in Alzheimer Patienten getestet.

Stefan F. Lichtenthaler studierte Chemie an den Universitäten Karlsruhe, Montpellier (Frankreich) und Heidelberg. Anschließend promovierte er am Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg. Nach einem Postdoktoranden-Aufenthalt an der Harvard-Universität (USA) wurde er Nachwuchsgruppenleiter an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und hat dort für das Fach Biochemie habilitiert. Im Jahr 2009 wurde er Abteilungsleiter am neu gegründeten Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE). Seit 2012 hat er den Lehrstuhl für Neuroproteomik an der Technischen Universität München (TUM) und dem DZNE München.

Prof. Dr. Mikael Simons (geb. 1970 in Helsinki) untersucht die elektrische Isolation (Myelinisierung) von Nervenfasern. Die Fortsätze von Nervenzellen, die sogenannten Axone, sind von Myelinscheiden umhüllt. Schäden an den Myelinscheiden, wie sie beispielsweise bei der Multiplen Sklerose (MS) vorkommen, führen zu schweren neurologischen Störungen. MS ist eine der häufigsten neurologischen Krankheiten bei jungen Erwachsenen. Die Forschung von Mikael Simons befasst sich mit den Prozessen, die zum Aufbau bzw. der Zerstörung dieser Isolationsschicht führen mit dem Ziel, bei Krankheiten wie MS eine Remyelinisierung zu fördern und damit die Krankheitssymptome abzumildern bzw. möglicherweise sogar zu heilen. „Seine Ergebnisse werden auch zur weiteren Aufklärung von neurodegenerativen Erkrankungen des Alterns wie der Alzheimer-Krankheit dienen, da es auch hier zu einem Abbau von Myelin sowie Entzündungserscheinungen kommt“, erläutert Prof. Dr. Christian Haass von der Ludwig-Maximilians-Universität in München, Kuratoriumsmitglied der Hans und Ilse Breuer-Stiftung.

Mikael Simons studierte Medizin in Heidelberg. Mit einer doppelt preisgekrönten Dissertationsschrift über die molekularen Mechanismen der Alzheimer Krankheit, die am Zentrum für molekulare Biologie in Heidelberg entstand, wurde er 1998 promoviert. Als Postdoktorand und Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft arbeitete er am Institut für Neurobiologie der Universität Heidelberg. Von 2000 bis 2004 war er Assistenzarzt an der Neurologischen Universitätsklinik Tübingen. 2004 wurde er Facharzt für Neurologie und habilitierte sich 2005 an der Universität Göttingen. 2007 übernahm er die Leitung der Multiple Sklerose-Ambulanz an der Klinik für Neurologie, Universität Göttingen. 2008 wurde er Gruppenleiter am Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin und 2008 wurde mit einer W3-Heisenberg-Professur an die Abteilung für Neurologie der Universität Göttingen berufen.

 

„Die Hans und Ilse Breuer-Stiftung zeichnet mit dem diesjährigen Preis erneut zwei Wissenschaftler aus, deren Arbeit in der Grundlagenforschung möglicherweise eine neue Strategie zur vorbeugenden Behandlung der Alzheimer-Erkrankung aufzeigt“, so Christian Haass.

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