Alsterdorfer Hochschultag: Mit gutem Management der Krise im Gesundheitswesen begegnen

Das Gesundheits- und Sozialsystem steckt in der Krise. Während die Versorgungsansprüche seiner Nutzer steigen, wächst mit zunehmenden betriebswirtschaftlichen Zwängen der Druck auf Einrichtungen und Beschäftigte – nicht selten mit negativen Folgen für Patienten und Pflegebedürftige. Ob und wie dieser Krise durch professionelles Management und akademisch gut ausgebildete Fachkräfte begegnet werden kann, darüber diskutierten am Donnerstag (12. November) über 70 Teilnehmer aus Wissenschaft, Praxis und Gesellschaft beim Alsterdorfer Hochschultag. Zur Fachveranstaltung eingeladen hatte das Studienzentrum Alsterdorf der HFH · Hamburger Fern-Hochschule.

In Anwesenheit von Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank, die in ihrem Grußwort den positiven Beitrag der HFH für das Lebenslange Lernen und berufsbegleitende Studieren – nicht nur im Gesundheits- und Pflegebereich – hervorhob, tauschten sich die Teilnehmer bei Fachvorträgen und Diskussionsrunden zu Status Quo und Zukunft des Gesundheitswesen aus.

Nach Grußworten von HFH-Präsident Prof. Dr. Peter François, Prof. Dr. Hanns-Stephan Haas, Direktor der Evangelischen Stiftung Alsterdorf, und Dr. Michael Wunder, Leiter des HFH-Studienzentrums Alsterdorf, startete Prof. Dr. Georg Marckmann mit seinem Auftaktvortrag. Der Vorstand des Instituts für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin der LMU München referierte zur „Zukunft des Managements vor dem Hintergrund ökonomischer und ethischer Ansprüche“. Der Konflikt zwischen betriebswirtschaftlichen Interessen der Einrichtungen und ethischen Ansprüche schlage letztlich immer auf die Ebene der Patienten durch. Verantwortlich dafür seien allerdings oft normative politische Vorgaben und weniger eine pauschal konstatierte Ökonomisierung des Gesundheitswesens, so die These des Experten. Um das Spannungsverhältnis zu entschärfen, plädierte er für ein Wertemanagement, das ökonomische und ethische Aspekte berücksichtig. „Mehr Ethik muss sich auszahlen“, sagte Marckmann.

Der Krise im Gesundheitswesen und möglichen Lösungsansätzen widmeten sich auch die folgenden beiden Beiträge. Während Mathilde Hackmann, langjährige wissenschaftliche Mitarbeiterin der HFH, das Thema aus pflegewissenschaftlicher Sicht diskutierte, griff Dr. Sven Ehrlich auf das begriffliche Instrumentarium des Soziologen Niklas Luhmann zurück und arbeitete das Spannungsverhältnis zwischen Anspruchsinflation, technischen Innovationen und verstärktem ökonomischem Druck heraus.

Mathilde Hackmann, die kurzfristig für Dr. Heinrich Friesacher eingesprungen war, bezeichnete neoliberale Tendenzen als ursächlich für soziale Selektivität und chronische Unterfinanzierung im Gesundheitssystem – auch die akademische Ausbildung von Pflegekräften folge dem neoliberalen Mantra oft unkritisch, so Hackmann. „Gute Pflege hingegen beginnt bei der Haltung, der Einstellung und dem Können der Pflegenden und realisiert sich in erster Linie am Bett – und nicht in betriebswirtschaftlichen Steuerungsmodellen.“

In anschließenden Fachforen stellten Studierende der HFH ausgewählte wissenschaftliche Arbeiten vor, die sich etwa mit Personalbindung und -marketing, Gesundheitsmanagement und Prävention bei Kindern und Jugendlichen oder mit Fragen des Managements in der Behindertenhilfe auseinandersetzten. Die wissenschaftlichen Arbeiten waren in den verschiedenen Studiengängen des Fachbereichs Gesundheit und Pflege am Studienzentrum Alsterdorf entstanden.

Mit einem Impulsvortrag mit dem Titel „Ethik oder Monetik – wohin soll es gehen?“ eröffnete HFH-Professorin Dr. Birgitt Höldke die abschließende Diskussionsrunde, in der sich alle Fachreferenten des Hochschultages noch einmal gemeinsam zum Thema des Tages „Weiter wie gehabt? Das Geschäftsmodell Gesundheit und die Zukunft des Managements“ austauschten.

Hintergrund:
Der Fachbereich Gesundheit und Pflege der HFH · Hamburger Fern-Hochschule bereitet mit den Bachelorstudiengängen „Gesundheits- und Sozialmanagement“ und „Pflegemanagement“ sowie dem Masterstudiengang „Management von Organisationen und Personal im Gesundheitswesen“ gezielt auf Leitungs- und Steuerungsfunktionen in den Gesundheits- und Sozialsystemen vor.

Scroll to Top