Akademien veröffentlichen vor dem G7-Gipfel Empfehlungen zu Hirnforschung und Katastrophenabwehr

Auf Einladung des Science Council of Japan haben die Wissenschaftsakademien von 13 Staaten sowie die African Academy of Sciences (AAS) gemeinsam wissenschaftsbasierte Stellungnahmen zu drei global relevanten Fragestellungen erarbeitet: Hirnforschung, Katastrophenabwehr und Nachwuchsförderung in der Wissenschaft (siehe unten). Sieben der genannten Akademien stammen aus Teilnehmerstaaten des G7-Gipfels und legen diese Empfehlungen ihren jeweiligen Regierungen vor. Zu allen drei Themen wurden beim Arbeitstreffen der Akademienvertreter im Februar intensive Diskussionen geführt. Dabei wurden auch verwandte Themen angesprochen, wie zum Beispiel die Bedeutung von Open Access in der Wissenschaft, der Zusammenhang von Katastrophen und Migration sowie Ziele nachhaltiger Entwicklung.

Beim Treffen der Akademienvertreter wurde zudem über die Umsetzung der Empfehlungen berichtet, die 2015 im Vorfeld des in Schloss Elmau (Deutschland) tagenden G7-Gipfels veröffentlicht worden waren. Die teilnehmenden Akademien begrüßten, dass in allen Ländern Maßnahmen in den Bereichen „Infektionskrankheiten und Antibiotikaresistenzen“, „Vernachlässigte Tropenkrankheiten“ und „Zukunft der Meere“ umgesetzt worden sind.

Zusammenfassung der Gemeinsamen Erklärungen des G-Science-Academies Meeting 2016

„Das Gehirn als globale Ressource verstehen, schützen und entwickeln“
Das menschliche Gehirn ist die wertvollste Ressource unserer Zivilisation. Investitionen in die Hirnforschung sind deswegen Investitionen in die Zukunft einer Gesellschaft. Die Nationen müssen bei der Erforschung, dem Schutz und der optimalen Entwicklungsförderung des Gehirns zusammenarbeiten.

Zur Fortentwicklung des Gehirns als globale Ressource schlagen die G-Science-Akademien vier parallele Zielsetzungen vor, in deren Rahmen unsere Gesellschaft von einer strategischen Förderung der Neurowissenschaften profitieren wird: (1) Unterstützung der Grundlagenforschung durch internationale Zusammenarbeit; (2) Einrichtung weltweiter Programme für Diagnose, Prävention und Behandlung von Hirnkrankheiten; (3) Entwicklung theoretischer Hirnmodelle hirnbasierter künstlicher Intelligenz; und (4) Verknüpfung von Neurowissenschaft, Sozialwissenschaften und Verhaltensforschung zur Verbesserung von Bildung und Lebensgestaltung als zentrale Elemente einer Gesellschaft, die „Brain Awareness“ besitzt.

„Verstärkte Katastrophenabwehr als Grundvoraussetzung nachhaltiger Entwicklung“
Sowohl in den modernen Industrie- als auch in den Entwicklungsländern ist ein stetiger Anstieg katastrophenbedingter Schäden zu verzeichnen. Vom Menschen verursachte Faktoren und das zunehmend extreme Ausmaß der Ereignisse verschärfen die hieraus entstehenden Folgen zusätzlich. In der globalisierten Welt des 21. Jahrhunderts zieht eine Katastrophe in einem Land Beeinträchtigungen auch in anderen Ländern nach sich. Im Jahr 2015 vereinbarte die internationale Gemeinschaft drei große Abkommen: das Sendai-Rahmenabkommen zur Reduzierung von Katastrophenrisiken 2015-2030, die Ziele für nachhaltige Entwicklung und das Pariser Klimaschutzübereinkommen.

Zur erfolgreichen Umsetzung des Sendai-Rahmenabkommens mahnen die G-Science-Akademien sechs politische Maßnahmen zur Katastrophenabwehr und nachhaltigen Entwicklung an: (1) Entwicklung von Kennzahlen und Indikatoren zur Einschätzung von Gefährdung, Schadenanfälligkeit und Belastbarkeit; (2) Förderung von Wissenschaft und technischem Wissen sowie Verbesserung der Analysen zur Katastrophengefährdung einschließlich des Aufbaus einer entsprechenden Dateninfrastruktur; (3) Entwicklung innovativer technischer Lösungen zur Katastrophenprävention und Aufklärungsarbeit in Politik und Öffentlichkeit; (4) Förderung inter- und transdisziplinärer Zusammenarbeit zur schnelleren Erreichung der Nachhaltigkeitsziele; (5) Einbindung von Investoren; und (6) Einrichtung eines Forums für den Informationsaustausch mit dem Privatsektor und den entsprechenden Akteuren zur Entwicklung praktischer Lösungen.

„Nachwuchsförderung in der Wissenschaft“
Unsere heutige Gesellschaft hängt in hohem Maße von wissenschaftlichen Entdeckungen, Technologien und politischen Strategien ab. Angesichts dessen ist die Nachwuchsförderung in der Wissenschaft wichtig für das Fortkommen der Gesellschaft. Es gilt, den Austausch zwischen Wissenschaftlern und Gesellschaft zu stärken sowie einen vielfältigen globalen Wissenschaftsaustausch zu fördern.

Die G-Science-Akademien empfehlen Folgendes: (1) Weitergehende Förderung wissenschaftlicher Ausbildung in allen Bereichen; (2) Unterstützung junger Wissenschaftler bei der beruflichen Entwicklung; (3) Bewertungen von Wissenschaftlern nach der Qualität in der gesamten Bandbreite ihrer Arbeit; (4) Wissenschaftskommunikation für Öffentlichkeit und Kinder stärken; (5) Wissenschaftler im Bereich Politikberatung weiterbilden; (6) Verbesserung der beruflichen Weiterentwicklungsmöglichkeiten für Frauen und Minderheiten; (7) Stärkung von wissenschaftlichen Kapazitäten und gegenseitiger Mobilität durch Zusammenarbeit von Industrie- und Entwicklungsländern; (8) Sicherung des freien Zugangs zu akademischer Literatur und Information sowie Sicherung der Publikationsfreiheit.

Bei der Pressemitteilung handelt es sich um die Übersetzung der gemeinsamen Pressemitteilung der sieben G-Science-Akademien.

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