Aggressiver Lymphkrebs – Erfolg bei Behandlung

ALCL (anaplastic large cell lymphoma) ist eine besonders aggressive Form von Krebs des Lymphsystems. Dieser Lymphkrebs tritt meist bei Kindern und Jugendlichen auf und ist bisher nur sehr schwer zu behandeln. Bekannt war bisher, dass bei ALCL-Patienten ein bestimmter genetischer Defekt auftritt, der das Gen NPM-ALK (nucleophosmin-anaplastic lymphoma kinase) aktiviert. NPM-ALK wird schon länger mit der Entstehung von Krebs in Verbindung gebracht. Was dieses Gen bei der Krebsentstehung jedoch genau macht, ist bisher unbekannt.

Lebenszeit dramatisch verlängert

Während ihrer Arbeit an einem Mausmodell für Lymphkrebs fanden Karoline Kollmann aus Veronika Sexls Forschungsgruppe an der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni Vienna) und ihre Kollegen vom Ludwig Boltzmann Institut für Krebsforschung und von der Medizinischen Universität Wien heraus, dass NPM-ALK die Produktion zweier bestimmter Transkriptionsfaktoren hervorruft (JUN und JUNB).






Sie konnten zeigen, dass diese beiden Faktoren auf direktem Weg ein Protein mit dem Namen PDGFRB (patelet derived growth factor receptor B) aktivieren. Kollmann und ihre Kollegen konnten das PDGFRB im Mausmodell mit dem bereits seit längerem bekannten Medikament Imatinib hemmen. In der Folge überlebten die an dem aggressiven Lymphkrebs erkrankten Mäuse dramatisch länger als unbehandelte Tiere.

Von der Maus zum Menschen

Beim Menschen wird der Lymphkrebs ALCL in der Chemotherapie üblicherweise mit dem Wirkstoff Crizotinib behandelt. Crizotinib wirkt, indem es das NPM-ALK-Protein direkt hemmt. Das große Problem bei dieser Art der Behandlung ist jedoch, dass die Patienten oft rückfällig werden, entsprechend schlecht sind ihre Aussichten auf Überleben. Ermutigt von den Ergebnissen bei den Mäusen vermuteten Kollmann und ihre Kollegen nun, dass ALCL-Patienten, die nicht mehr auf Crizotinib ansprechen, von einer Behandlung mit Imatinib profitieren könnten.

Spektakulär rasche Besserung

Ein ALCL-Patient, bei dem das Crizotinib nicht mehr wirkte und bei dem der Krebs auch trotz einer Behandlung mit Stammzellen wieder ausbrach, erklärte sich bereit, an der Studie teilzunehmen. Sofort nachdem die Behandlung mit Imatinib begonnen hatte, ging es ihm besser, nach zehn Tagen zog sich der Krebs deutlich messbar zurück. Heute, 19 Monate nach Behandlungsstart, ist er wieder an seinen Arbeitsplatz zurückgekehrt.

Dank Studie überlebt

Bei Lymphkrebs ALCL direkt das PDGFRB-Protein zu hemmen, ist eine völlig neue Methode, die sich als therapeutisch extrem wertvoll erweisen könnte. Karoline Kollmann ist verständlicherweise begeistert über die möglichen Behandlungsaussichten: „Unser Patient hatte keine Behandlungsoptionen mehr und wäre wohl schon vor langer Zeit verstorben. Dank der Hinweise aus unserem Mausmodell, dass das Hemmen von PDGFRB das Wachstum dieses speziellen Krebses hemmen könnte, hat unser Patient bis heute überlebt. Diese Behandlungsform könnte die Überlebensrate also deutlich verbessern.“

Interessanterweise haben die Forschenden in ihrer Studie zudem herausgefunden, dass das PDGFRB-Protein auch bei Lymphkrebspatienten vorkommt, bei denen der Gendefekt nicht auftritt, der zum Auftreten von NPM-ALK führt. Ob das PDGFRB-Protein bei diesen Patienten eine ähnlich wichtige Rolle im Krebsgeschehen spielt, ist noch unklar. Eine kombinierte Gabe von Imatinib und Crizotinib könnte aber für eine breite, an verschiedenen Formen von Lymphkrebs leidende Patientengruppe neue Hoffnung bedeuten.

Der Artikel “Identification of PDGFR blockade as a rational and highly effective therapy for NPM-ALK driven lymphomas” der Autoren Daniela Laimer, Helmut Dolznig, Karoline Kollmann, Paul W. Vesely, Michaela Schlederer, Olaf Merkel, Ana-Iris Schiefer, Melanie R. Hassler, Susi Heider, Lena Amenitsch, Christiane Thallinger, Philipp B. Staber, Ingrid Simonitsch-Klupp, Matthias Artaker, Sabine Lagger, Stefano Pileri, Pier Paolo Piccaluga, Peter Valent, Katia Messana, Indira Landra, Thomas Weichhart, Sylvia Knapp, Medhat Shehata, Maria Todaro, Veronika Sexl, Gerald Höfler, Roberto Piva, Enzo Medico, Bruce A. Riggeri, Mangeng Cheng, Robert Eferl, Gerda Egger, Josef M. Penninger, Ulrich Jaeger, Richard Moriggl, Giorgio Inghirami und Lukas Kenner wurde vorab online in der Zeitaschrift “Nature Medicine” veröffentlicht. Die ersten vier Autoren haben zu gleichen Teilen zu dieser Arbeit beigetragen.

Kontakt
Univ.Prof. Dr. Veronika Sexl
Institut für Pharmakologie und Toxikologie
Veterinärmedizinische Universität Wien
T +43 1 25077-2910

Aussender
Mag. Klaus Wassermann
Öffentlichkeitsarbeit/Wissenschaftskommunikation
Veterinärmedizinische Universität Wien
T +43 1 25077-1153

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