Aggression wird belohnt. Forscher zeigen: Aggressionsverhalten aktiviert Belohnungssystem im Gehirn

Wie lässt sich krankhaft erhöhtes Aggressionsverhalten erklären? Diese Frage beschäftigt Neurologen und Neurobiologen nun schon seit vielen Jahren. Einfach zu beantworten ist sie nicht. Verschiedene genetische Einflüsse und zahlreiche Umweltbedingungen beeinflussen unser Sozialverhalten. Ein wichtiger Schritt zur Aufklärung der Ursachen von aggressivem Verhalten ist nun einem Forscherteam des Themenverbundes „Gewalt und Aggression in Natur und Kultur“ an der Universität Regensburg gelungen.

Das Team um Prof. Dr. Inga Neumann und Dr. Daniela Beiderbeck vom Institut für Zoologie fand heraus, dass das Belohnungszentrum im Gehirn von Ratten-Männchen verstärkt aktiviert wird, wenn Ratten-Männchen ein extrem hohes Aggressionsverhalten gegenüber Artgenossen zeigen.. Weniger aggressive Tier werden dagegen nicht „belohnt“. Neumann und Beiderbeck konnten zudem nachweisen, dass sich besonders aggressive Ratten gegenüber ihren Artgenossen weniger angriffslustig zeigen, wenn das Belohnungssystem durch das Forscherteam blockiert wurde. Versuche zeigten weiter, dass der Neurotransmitter Dopamin eine wichtige Rolle bei der Regulierung von Aggressionsverhalten spielt.

Das Belohnungszentrum des Gehirns wird normalerweise bei positiven Erlebnissen – beispielsweise beim Essen, dem Hören der Lieblingsmusik oder beim Sex – aktiviert und verstärkt die jeweiligen Verhaltensweisen. So verstärkt das Belohnungssystem bei Drogenabhängigen das Suchtverhalten. Ob es sich bei erhöhtem Aggressionsverhalten demnach auch um eine Art Sucht handelt, wollen die Regensburger Forscher nun klären.
Die Ergebnisse von Neumann und Beiderbeck untermauern neuere klinische Befunde, nach denen auch bei psychopathischen Patienten mit hoher Aggressionsbereitschaft eine Aktivierung im Belohnungssystem gezeigt werden konnte. Sie belegen darüber hinaus die Nützlichkeit eines Tiermodells für die Erforschung der neurobiologischen Grundlagen von krankhaftem Aggressionsverhalten.

Diese Forschungsergebnisse sind vor Kurzem in der renommierten Fachzeitschrift „Psychoneuroendocrinology“ veröffentlicht worden (DOI: 10.1016/j.psyneuen.2012.04.011).

Veröffentlichung:
“High and abnormal forms of aggression in rats with extremes in trait anxiety – Involvement of the dopamine system in the nucleus accumbens”
(http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0306453012001618).

Ansprechpartnerin für Medienvertreter:
Prof. Dr. Inga Neumann
Universität Regensburg
Institut für Zoologie
Tel.: 0941 943-3053/3055
Inga.Neumann@biologie.uni-regensburg.de

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