Änderung der Approbationsordnung für Ärzte – Allgemeinmedizin im Praktischen Jahr

Ad 1) Es gibt eine Vielzahl von Gründen für eine stärkere Gewichtung der Allgemeinmedizin im Praktischen Jahr. Neben dem Aufholen des international bereits erreichten Entwicklungsstands, hinter dem Deutschland bislang zurückfällt, wird durch das persönliche Erleben der hausärztlichen Arbeitsweise das gegenseitige Verständnis für die verschiedenen Versorgungsebenen auch bei den Studierenden gefördert, die später in anderen Disziplinen bzw. Berufsfeldern arbeiten. Studien zeigen darüber hinaus, dass praktische Erfahrungen in allgemeinmedizinischen Lehrpraxen einen signifikanten Einfluss auf die Motivation zur Absolvierung einer Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin haben.

Ad 2) Wir teilen die Bedenken der Studierenden gegen eine ersatzlose Aufhebung der Wahlmöglichkeiten im Praktischen Jahr und unterstützen insofern ausdrücklich die diesbezügliche Position des bvmd. Am Ende des Studiums sollte den Studierenden auch weiterhin die Möglichkeit gegeben werden, entsprechend ihren Interessen und Neigungen die praktische ärztliche Tätigkeit in den von ihnen gewünschten Fächern zu erproben. Mit Blick auf die nunmehr beschlossene Maximalforderung des Gesundheitsausschusses des Bundesrats stellt die von uns vorgeschlagene Aufteilung des PJ in vier Quartale einen Kompromiss dar, der den Forderungen (Stärkung der Allgemeinmedizin) bzw. Bedenken (ersatzloser Wegfall aller Wahlmöglichkeiten) aller Seiten Rechnung trägt. Das PJ sollte zukünftig in vier Quartale zu je drei Monaten (statt wie bisher drei Tertialen zu je vier Monaten) aufgeteilt werden, wobei Innere Medizin, Chirurgie und Allgemeinmedizin als Pflichtquartale definiert werden und ein viertes Quartal für ein Wahlfach vorgesehen wird. Die Einführung eines dreimonatigen Pflichtquartals bedeutet darüber hinaus eine Kapazitäts- und Kostenreduktion von 25% gegenüber dem im Beschluss vorgesehenen viermonatigen Pflichttertial Allgemeinmedizin.

Wir betrachten die erforderlich werdende Bereitstellung von bundesweit jährlich rund 10.000 PJ-Plätzen in allgemeinmedizinischen Lehrpraxen als realistisch. Zur Sicherstellung der Qualität sind neben ausreichenden Mitteln – insbesondere an Standorten, die noch keine etablierten Institute oder Abteilungen für Allgemeinmedizin haben – angemessene Übergangsfristen zum Aufbau notwendiger Strukturen sowie zur Praxisgewinnung und –qualifizierung erforderlich. Wie im Beschluss vorgesehen, könnte die schrittweise Ausweitung des Angebots eines Wahltertials in allgemeinmedizinischen Lehrpraxen bis Oktober 2014 für 30 Prozent und bis zum Beginn des Praktischen Jahres im Oktober 2016 für 60 Prozent der Studierenden realisiert werden. Die Umstellung auf ein Pflichtquartal könnte dann ab Oktober 2018 für Studierende gelten, die das Studium der Medizin nach dem 30. September 2013 aufgenommen haben.

Ad 3) Prüfungen im Fach Allgemeinmedizin müssen – wie in jedem anderen universitären Prüfungsfach auch – von Fachärzten/innen im jeweils geprüften Fachgebiet abgenommen werden. Die hier vorgesehene Ersatzberufung von „Lehrkräften anderer Fächer als Mitglieder der Prüfungskommission“ ist nicht notwendig und auch im Ausnahmefall nicht sinnvoll. Im Rahmen der vorgesehenen Übergangsfristen gehört es vielmehr zu den Aufgaben der universitären Fachvertreter, geeignete Lehrärzte/innen durch ein gezieltes „Prüfertraining“ auf diese Aufgabe vorzubereiten. Wir sprechen uns entschieden gegen die Absicht aus, auch Lehrkräfte anderer Fächer als Prüfer im Fach Allgemeinmedizin zuzulassen.

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