Ältere Patienten gemeinsam versorgen – Ergebnisse der WestGem-Studie vorgestellt

Die von der Gesundheitsökonomin und weiteren Projektpartnern durchgeführte WestGem-Studie widmete sich in den vergangenen drei Jahren diesem patientenorientierten Vernetzungsgedanken. Die Ergebnisse der Studie stellten Prof. Köberlein-Neu und Apotheker Olaf Rose, Pharm.D., Münster und Steinfurt, vergangene Woche auf einem Abschlusssymposium an der Bergischen Universität vor.

Kern der Studie ist ein professionsübergreifendes Medikationsmanagement mit dem Ziel der Verbesserung der Arzneimitteltherapie älterer Patientinnen und Patienten sowie einer Verringerung der Arzneimittelrisiken. Zwölf Hausarztpraxen, zehn Apothekerinnen und Apotheker, zwei Pflege- und Wohnberatungen, das Institut für medizinische Statistik, Informatik und Epidemiologie der Universität zu Köln und über 160 Patientinnen und Patienten aus den Bereichen Steinfurt, Ahlen und benachbarten Städten beteiligten sich an der von der EU und dem Land NRW geförderten Studie. Prof. Dr. Juliane Köberlein-Neu leitete gemeinsam mit Prof. Dr. Hugo Mennemann von der Fachhochschule Münster das Projekt.

Über 28.725 Arbeitsstunden, 14.500 geschriebene Seiten, 4.500 Emails und 950 Telefoninterviews wurden in dem Projekt von Praxis und Wissenschaft geleistet. Der Erfolg der Studie sei umso beeindruckender, da sämtliche Patientenkennzahlen in der Studie mit denen großer Populationsdaten übereinstimmten, so Juliane Köberlein-Neu während der Ergebnisvorstellung.

Die WestGem-Studie betrachtet ältere Patienten mit mehr als zwei chronischen Erkrankungen und einer Einnahme von fünf oder mehr Dauermedikamenten. Im Kern der Studie standen wiederholt durchgeführte Medikationsanalysen der Pharmazeuten, die auf Informationen der Hausarztpraxis und der Pflege- und Wohnberatung basierten, sowie ein durch die Pflege- und Wohnberatung erfolgtes Case Management. Die Hausärzte schließlich betrachteten die zuvor abgestimmten Empfehlungen und veranlassten gegebenenfalls eine Änderung der Medikation.

Apotheker Rose, der das Team der landesweit agierenden Pharmakotherapie-Spezialisten leitete, gab auf dem Symposium Einblicke in die konkreten Studienresultate. Mit einem klaren statistischen Ergebnis verbesserte sich durch die oben genannten Maßnahmen die medikamentöse Therapie und arzneimittelbezogene Probleme reduzierten sich. Je länger die Patientinnen und Patienten betreut wurden, desto stärker der Effekt. Es verbesserten sich auch Laborwerte; Risikofaktoren wie Cholesterin konnten durch die abgestimmte Pharmakotherapie in Zielbereiche gesenkt werden. Rose betonte zugleich die gute Zusammenarbeit der Professionen in dieser ersten umfassenden Studie zum gemeinsamen Medikationsmanagement.

Über die Hälfte aller Konsens-Empfehlungen wurden tatsächlich am Patienten umgesetzt, was für ein hohes gegenseitiges Vertrauen spräche, so Rose. „Ärztinnen und Ärzte, Apothekerinnen und Apotheker sowie die Pflege- und Wohnberatungen haben hier ein gutes Stück Pionierarbeit geleistet, wie eine Zusammenarbeit unter Nutzung der jeweiligen Kernkompetenzen zum Nutzen des Patienten aussehen kann“, sagte Rose.

Die Studienergebnisse werden nun weiter analysiert und dann veröffentlicht.

Kontakt:
Jun.-Prof. Dr. Juliane Köberlein-Neu
Bergisches Kompetenzzentrum für Gesundheitsmanagement und Public Health
Bergische Universität Wuppertal
Telefon 0202/439-1381
E-Mail

Scroll to Top