Adipositasrisiko in Russland gestiegen

Die von der Weltgesundheitsorganisation ausgerufene Übergewichtskrise mit all ihren gesundheitlichen Konsequenzen hat spätestens seit Anfang des Jahrtausends auch in der Russischen Föderation Einzug gehalten. Dies gewinnt im Besonderen vor dem Hintergrund der in Russland diskutierten „Steuer auf ungesunde Lebensmittel“ an Bedeutung und ist eine Folge veränderter Lebens- und Ernährungsgewohnheiten. Im IAMO Policy Brief 27 „Gesellschaftlicher Wandel, veränderte Ernährungsgewohnheiten und gesundheitliche Folgen in Russland“ legen Dr. Christine Burggraf, Wissenschaftlerin am Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO), und Professor Thomas Glauben, Direktor des IAMO, Gründe für diese Entwicklung dar und geben Handlungsempfehlungen für Gegenmaßnahmen.

Die Untersuchungen der Wissenschaftler zeigen, dass mit zunehmendem ökonomischen Wachstum und privaten Einkommen in Russland der Konsum von fettreichen tierischen Produkten angestiegen ist. Die Gesundheit vieler russischer Bürgerinnen und Bürger ist durch ein erhöhtes Risiko für Adipositas und ernährungsmitbedingte chronische Erkrankungen belastet. Gleichzeitig verbesserte sich die gesundheitsbezogene Ernährungsweise im Hinblick auf die Zufuhr diverser Vitamine und Mineralstoffe. Diese beiden gegenläufigen Entwicklungen sind typischerweise auch in anderen Industrie- und Schwellenländern vorzufinden, wenngleich in der Russischen Föderation in teilweise ausgeprägterer Form.

Als Gründe dafür führen Burggraf und Glauben neben einer traditionell eher hohen Präferenz der russischen Gesellschaft für fettreiche tierische Produkte unzureichende Ernährungsinformationen an. Um den Weg für eine gesündere Ernährung in Russland zu ebnen, empfehlen sie deshalb, neben einem vielfältigeren Lebensmittelangebot sowie Programmen zur Verbesserung von Gemeinschaftsverpflegungen, gezieltere Informationskampagnen für die Vermittlung von ausreichendem Ernährungswissen sowie klare Produktkennzeichnungen, die Aufschluss über den ernährungsphysiologischen Gehalt eines Lebensmittels geben.

Der IAMO Policy Brief 27 „Gesellschaftlicher Wandel, veränderte Ernährungsgewohnheiten und gesundheitliche Folgen in Russland“ kann auf der Webseite des IAMO unter http://www.iamo.de/policybrief-27 heruntergeladen werden.

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IAMO Policy Brief 27
Burggraf, Christine; Glauben, Thomas (2016) Gesellschaftlicher Wandel, veränderte Ernährungsgewohn-heiten und gesundheitliche Folgen in Russland. IAMO Policy Brief No. 27, Halle (Saale).
http://www.iamo.de/policybrief-27

IAMO Policy Briefs
Mit den IAMO Policy Briefs bezieht das IAMO aufbauend auf die eigene Forschung zu wichtigen agrarpolitischen Fragen Stellung. In der Publikationsreihe werden verschiedene gesellschaftsrelevante Themen kurz und allgemeinverständlich dargestellt. Zur Zielgruppe zählen insbesondere Entscheidungsträger der Politik, Wirtschafts- und Medienvertreter sowie die interessierte Öffentlichkeit. Seit 2011 werden die IAMO Policy Briefs in unregelmäßiger Folge veröffentlicht.

Über das IAMO
Das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) widmet sich der Analyse von wirtschaftlichen, sozialen und politischen Veränderungsprozessen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft sowie in den ländlichen Räumen. Sein Untersuchungsgebiet erstreckt sich von der sich erweiternden EU über die Transformationsregionen Mittel-, Ost- und Südosteuropas bis nach Zentral- und Ostasien. Das IAMO leistet dabei einen Beitrag zum besseren Verständnis des institutionellen, strukturellen und technologischen Wandels. Darüber hinaus untersucht es die daraus resultierenden Auswirkungen auf den Agrar- und Ernährungssektor sowie die Lebensumstände der ländlichen Bevölkerung. Für deren Bewältigung werden Strategien und Optionen für Unternehmen, Agrarmärkte und Politik abgeleitet und analysiert. Seit seiner Gründung im Jahr 1994 gehört das IAMO als außeruniversitäre Forschungseinrichtung der Leibniz-Gemeinschaft an.

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