Abschaffung des Schicksals?

Das Institut für Ethik und Geschichte der Medizin der Universität Freiburg veranstaltet am 18. Und 19. Juni 2010 ein zweitägiges Symposium zum Thema „Abschaffung des Schicksals? Menschsein zwischen Gegebenheit des Lebens und medizin-technischer Gestaltbarkeit“. Der Kongress möchte mit der Thematisierung des Schicksals im Kontext der modernen Medizin eine zentrale Frage des Menschseins zur Diskussion stellen, die sich in Anbetracht der Entwicklungen der modernen Medizin in brisanter und neuer Form stellt. Das Symposium richtet sich sowohl an Experten der Fachgruppen als auch an die breite Öffentlichkeit. Renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Bereichen der Theologie, Philosophie und Medizin werden – im perspektivischen Wechsel zwischen Theorie und Praxis – den weit verbreiteten Anspruch, Krankheiten, Geburt und Tod mit allen Mitteln planbar und verfügbar zu machen, reflektieren und kritisch hinterfragen.

Schicksal – dieses Wort ist geradezu ein Fremdwort für die Medizin geworden. Es scheint nicht in das Konzept einer Medizin zu passen, die wie ein Wirtschaftsunternehmen um ihre Patienten buhlen muss. Allerorten wird Planbarkeit und Kontrollierbarkeit suggeriert und versprochen. Dies zeigt sich schon am Umgang mit der Krankheit selbst, die mit den zunehmenden gendiagnostischen Möglichkeiten immer mehr das Signum des Schicksalhaften verliert und mehr und mehr als Resultat des eigenen Verhaltens, der eigenen Versäumnisse verstanden wird. Auch das Geborenwerden und das Sterben werden nicht mehr als das Gegebene betrachtet, das man dankbar annimmt, sondern immer mehr als das zu Kontrollierende aufgefasst und damit tendenziell entwertet.

Die moderne Medizin ist aufgefordert über die Grenzen der Machbarkeit nachzudenken und den Blick auf den Sinn der grundsätzlichen Unverfügbarkeit des Lebens und auf den Wert des Gegebenen neu zu richten, wenn sie nicht blind einem Machbarkeitsglauben folgen und damit maßlose Ansprüche mit generieren will. Eine unreflektierte Bedienung utopischer Ansprüche des Patienten wäre genauso unangemessen wie eine rein fatalistische Grundorientierung.

Die facettenreiche Thematik wird in Hinblick auf drei Schwerpunkte entfaltet, die sich in den drei Sektionen widerspiegeln: „Lebenskrisen zwischen Schicksal und Machsal“, „Der Anfang des Lebens zwischen Schicksal und Planbarkeit“ und „Das Ende des Lebens zwischen Schicksal und Verfügbarkeit“. Das Symposium fungiert als Auftakt einer Freiburger Veranstaltungsreihe zu den Grundfragen des Menschseins.

Weitere Informationen unter: www.menschsein-medizin.de

Kontakt:
Prof. Dr. Giovanni Maio, M.A.
Institut für Ethik und Geschichte der Medizin
Universität Freiburg
Tel.: 0761/203-5034
Fax: 0761/203-5032
E-Mail: maio@ethik.uni-freiburg.de

Claudia Bozzaro
Institut für Ethik und Geschichte der Medizin
Universität Freiburg
Tel.: 0761/203-5040
E-Mail: bozzaro@egm.uni-freiburg.de
(idw, 06/2010)

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