AAL: Scheuklappen bremsen Wachstumsmarkt aus – RUB-Studie zum Weiterbildungsbedarf

Scheuklappen bremsen Innovationen aus
AAL: Ein Wachstumsmarkt der Zukunft
RUB-Arbeitswissenschaftler loten Weiterbildungsbedarf aus

In der alternden Gesellschaft ist „Ambient Assisted Living“ (AAL) ein Wachstumsmarkt. Doch der Mangel an bereichsübergreifendem Denken und der fehlende Blick über den Tellerrand bremsen Innovationen bereits jetzt aus. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie des Instituts für Arbeitswissenschaft (IAW) der Ruhr-Universität Bochum. Die RUB-Arbeitswissenschaftler haben den Weiterbildungsbedarf der Branche erhoben und festgestellt, dass sich das Interesse primär auf den eigenen Bereich bezieht. Sprich: Der Mediziner wünscht sich Weiterbildung im medizinischen Bereich, das Pflegepersonal in pflegerischen Aspekten, der Ingenieur in der Technik.

Steigender Bedarf an Pflege und Hilfe

Wer will nicht bis ins hohe Alter selbstbestimmt leben? Neue Techniken können helfen, damit das gelingt. Ambient Assisted Living reagiert auf den steigenden Anteil älterer Menschen in der Gesellschaft und den damit verbundenem Bedarf an Pflege und Hilfe, vor allem im eigenen Heim. Bei AAL – übersetzt „Altersgerechte Assistenzsysteme für ein gesundes und unabhängiges Leben“ – handelt es sich um Produkte und Dienstleistungen, die die Lebensqualität der Menschen in allen Lebensabschnitten, vor allem im Alter, erhöhen. Das sind beispielsweise Kommunikations- und Notrufsysteme, Techniken zur Mobilisierung von Personen, Systeme für alltägliche Sicherheit (automatische Herdabschaltung, Brandmelder) oder Techniken zur Unterstützung bei schweren körperlichen Tätigkeiten (z.B. heben, umlagern).

AAL – von der Beratung bis zur Medizintechnik

An der Online-Befragung des Instituts für Arbeitswissenschaft haben 356 Personen mit unterschiedlichen Berufen im AAL-Bereich teilgenommen. Für sie ist und bleibt AAL ein Wachstumsmarkt. Die Einschätzungen der Teilnehmer zeigen, in wie vielen AAL-spezifischen Wirtschaftsfeldern ihre Unternehmen heute sowie in Zukunft aktiv sind und sein werden. Aktuell agieren Unternehmen durchschnittlich in etwa drei AAL-Feldern, innerhalb der nächsten drei Jahre werden sich nach Einschätzung der Befragten die Einsatzfelder um durchschnittlich 27% steigern. Die mit Abstand meistgenannten Felder sind Beratung, Forschung und Entwicklung, Pflege und Medizintechnik. Die häufig in anderen Veröffentlichungen genannte Wohnungswirtschaft nimmt nur einen unteren Mittelplatz ein. Der höchste prozentuale Zuwachs wird in Technologien erwartet, die das alltägliche Leben erleichtern (selbstgesteuerte Haushaltsgeräte, Consumer Electronic, Robotik).

Der Schuster bleibt bei seinen Leisten

Der AAL Markt zeichnet sich durch einige zentrale Merkmale aus: Es gibt nur wenige vorhandene, aktuell am Markt positionierte Produkte und Dienstleistungen sowie Unsicherheit im Hinblick auf die künftige Akzeptanz der technischen Entwicklung. „Diese Kennzeichen sind auch in anderen hochinnovativen Märkten in frühen Phasen zu finden“, sagt Prof. Thomas Herrmann, Leiter des Projekts ProWAAL (Pro Weiterbildung AAL) am IAW der Ruhr-Universität Bochum. Gerade in dieser Situation sei eine umfassende Weiterbildung eine Stellschraube für die Zukunft. „Wir sehen jedoch, dass die von uns ermittelten Zielgruppen sich eher in ‚ihrem‘ Bereich weiterqualifizieren wollen. So interessieren sich Personen aus der Pflege mit beruflicher Ausbildung am stärksten für das Thema Gesundheit und Alter, während Hochschulabsolventen aus dem MINT-Bereich sich deutlich mehr für Technologien und Funktionsweisen interessieren“, so Dr. Martin Kröll, der zusammen mit Ingolf Rascher und Leif Klemm die Studie durchgeführt hat. Sein Fazit lautet: „Der Schuster bleibt tatsächlich bei seinen Leisten, aber das ist in diesem Fall gar nicht gut.“
Gleichzeitig hat die Untersuchung auch ergeben, dass diejenigen, die eine Projektkarriere inne haben, im Vergleich zu denjenigen, die eine Fach- oder Führungskarriere verfolgen, am nächsten am AAL-Geschehen sind. Sie glauben, dass ihr Aufgabenbereich durch den Einsatz von neuen AAL-Techniken interessanter wird. „Das scheint ein guter Ansatzpunkt zu sein, um die ‚Scheuklappen‘ abzulegen“, so Prof. Thomas Herrmann.

Weitere Informationen

Dr. Martin Kröll, Institut für Arbeitswissenschaft der Ruhr-Universität Bochum, Tel. 0234/32-23293, martin.kroell@rub.de

Angeklickt

Institut für Arbeitswissenschaft:
http://www.iaw.ruhr-uni-bochum.de/

AAL Akademie:
http://www.aal-akademie.de/

Redaktion: Jens Wylkop

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