Angiogenesehemmer Bevacizumab zur Therapie beim Ovarialkarzinom – Zulassungserweiterung für die Rezidivtherapie

Eierstockkrebs ist eine tückische Krankheit. Das Ovarialkarzinom entwickelt sich lange Zeit im Verborgenen. 75% werden erst im fortgeschrittenen Stadium (FIGO III/IV) (FIGO = Internationalen Vereinigung für Gynäkologie und Geburtshilfe) diagnostiziert. Gefährlich ist, dass der Eierstockkrebs zunächst die Eierstöcke, dann weitere Organe des Unterbauchs befällt. Im fortgeschrittenen Stadium wird auch das Bauchfell befallen. Tragende Säulen der Therapie sind Operation und Chemotherapie.

Ziel der Operation ist die komplette Entfernung aller makroskopisch feststellbaren Tumoren. Für PD Dr. Sven Mahner, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, ist die „makroskopische Tumorfreiheit“ Voraussetzung für optimale Wirksamkeit der anschließenden Chemotherapie.

• FIGO I: begrenzt auf Ovarien

• FIGO II: begrenzt auf Becken

• FIGO III: begrenzt auf Abdomen
• FIGO IV: begrenzt auf extraabdominelle Metastasen

 

Krankheitsstadien des Eierstockkrebs nach FIGO

Eierstockkrebs – Neubildung von Blutgefäßen durch den vasoendothelialen Wachstumsfaktor VEGF stimuliert

Ein Kennzeichen des Eierstockkrebs ist die starke Neubildung von Blutgefäßen, stimuliert durch den vasoendothelialen Wachstumsfaktor VEGF. Damit liegt im Rahmen der Therapie des fortgeschrittenen Eierstockkrebs eine Blockade des Wachstumsfaktors VEGF durch einen Angiogenesehemmer als dritte Therapiesäule nahe.

Therapie des rezidivierenden Platin-sensiblen Ovarialkarzinoms

Seit Oktober 2012 ist der Antikörper, VEGF-Inhibitor und Angiogenesehemmer Bevacizumab für die Therapie des rezidivierenden Platin-sensiblen Ovarialkarzinoms zugelassen. Für Patientinnen, die in der Erstbehandlung nicht mit dem VEGF-Inhibitor Bevacizumab behandelt werden konnten, ist dies ein großer Fortschritt. In dieser schwierigen Therapiesituation profitieren die betroffenen Frauen von einer deutlichen Verlängerung des Überlebens ohne Tumorwachstums (PFS) (progressionsfreies Überleben = PFS) und einer erheblich besseren Kontrolle der Tumorerkrankung. Mit der Zulassungserweiterung gewinnt der Stellenwert von Bevacizumab in den verschiedenen Therapiesituationen des fortgeschrittenen Ovarialkarzinoms.

PD Dr. Sven Mahner ergänzt aus seiner klinischen Sicht: „Wir wissen zudem, dass der VEGF-Inhibitor nicht nur in der Therapie des rezidivierenden Platin-sensiblen, sondern darüber hinaus auch beim Platin-resistenten Ovarialkarzinom einen statistisch signifikanten und klinisch sehr relevanten Benefit erzielt.“

Aus klinisch wissenschaftlicher Sicht bedeutet die Kombination von Chemotherapie und Bevacizumab für die Patientinnen eine Senkung des Progressionsrisiko bis zum Fortschreiten der Krankheit um mehr als 50 % [4]. „Mit Bevacizumab können wir sowohl in der Primär- als auch in der Rezidivtherapie den Tumor länger kontrollieren. Für unsere Patientinnen ist dies ein großer Gewinn, denn es bedeutet, dass sie – trotz der schweren Krebserkrankung und laufender Therapie – ihrem gewohnten Alltag weitgehend nachkommen können“, so das Fazit von Mahner.

Quellen:

  1. Burger RA et al., N Engl J Med. 2011; 365: 2473-83
  2. Fachinformation Avastin®, Stand Oktober 2012
  3. Aghajanian C et al., J Clin Oncol. 2012; 30(17): 2039-45
  4. Pujade-Lauraine E et al., J Clin Oncol. 2012; 30 (Suppl; Abstract # LBA5002)
  5. PD Dr. Sven Mahner Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
    Workshop Bevacizumab beim Ovarialkarzinom
    27. November 2012, Frankfurt/Main

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