Deutschland verschenkt Billionen

Deutschland verschenkt Billionen

München, 12.03.2018: Übergewicht kostet: Der deutsche Staat wird bis zum Lebensende der heute übergewichtigen Kinder und Jugendlichen schätzungsweise 1,8 Billionen Euro Folgekosten aufbringen müssen. Frühe Prävention von Übergewicht ist deshalb eine ökonomische Notwendigkeit.

Die Gesundheitsökonomin Dr. Diana Sonntag gab den wissenschaftlichen Impuls zum Kamingespräch des Freundeskreises der Stiftung Kindergesundheit am 08.03.2018 in München. Sie bringt durch ihre Arbeit Zahlen hervor, die sonst nur wenige kennen. Zahlen wie diese: Die ökonomischen Mehrkosten des lebenslangen Übergewichtes liegen bei 8.000 Euro für Jungen und bei 9.000 Euro für Mädchen. Wenn alle heute über-gewichtigen Kinder lebenslang übergewichtig bleiben, ergeben sich 1,8 Billionen Euro Mehrkosten für den Staat.

In Deutschland sind zirka 50 % der Erwachsenen übergewichtig und 18% adipös. Von den 1980-er Jahren bis in die 2000-er Jahre ist ein massiver Anstieg zu erkennen. Bereits bei 3- bis 6-jährigen Kindern sind 6% über-gewichtig und 3% adipös. Die gesundheitlichen Folgen sind hinlänglich bekannt: Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Einschränkung, Leid. Dies vor allem, wenn Übergewicht – wie so oft – ein Leben lang anhält.

Anstelle sich gesellschaftlich auf hohe Therapiekosten einzurichten, wäre ein konsequentes Investment in Vorbeugung durch Gesundheitsbildung und Kompetenzvermittlung in Familien, Kindertagesstätten und Schulen und die Etablierung fester Regeln und Standards zu relevanten Risikofaktoren sinnvoller. Warum die Politik sich so wenig diesem Problem annimmt, ist schwer nachvollziehbar. Dies kann nur mit einem sehr kurzfristigen Denken der Politiker und Entscheidungsträger erklärt werden. Denn derartige ökonomische Folgekosten-abschätzungen überspannen mehr als 50 Jahre, was zirka zwölf Legislaturperioden ausmacht.

Die forschende Gesundheitsökonomie versucht, vorhandene Datenlücken durch mehr Forschung zu schließen und damit sehr wichtige Zukunftsaufgaben anzugehen. Dabei werden auch konkrete Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention, wie sie die Stiftung Kindergesundheit entwickelt und einsetzt, nach ihrem langfristigen Nutzen bewertet.

Zu Referentin und Format:

Dr. Diana Sonntag leitet die Gesundheitsökonomie am renommierten Mannheimer Institut für Public Health der Universität Heidelberg. Sie hat im Führungsausschuss der European Public Health Association (EUPHA) die Arbeitsgruppe „Ökonomie und Kindergesundheit“ gegründet, um Ökonomen und Kinderärzte auf internationaler Ebene miteinander zu verbinden und den Diskurs zwischen ihnen zu fördern.

Unsere Kamingespräche bieten Mitgliedern und Interessenten eine Plattform für die Diskussion aller Aspekte des Themas Kindergesundheit. International renommierte Experten informieren hier über Hintergründe und aktuelle Entwicklungen. Mit praxisnahen Informationen wird ein direktes Gespräch untereinander möglich. Mehr zur Stiftung: www.Kindergesundheit.de

idw 2018/03