Wie Sprache funktioniert: Bereits Babylaute helfen, Risiken für Sprachentwicklung zu entdecken

Wie Sprache funktioniert: Bereits Babylaute helfen, Risiken für Sprachentwicklung zu entdecken

Die Fakultät Angewandte Natur- und Geisteswissenschaften lud im Rahmen ihres Technomathematik-Kolloquiums Studierende und Interessierte ein zum Vortrag „Wie Babylaute bei der Behandlung von Hörstörungen helfen“ mit Professorin Dr. Kathleen Werrmke vom Zentrum für vorsprachliche Entwicklung und Entwicklungsstörungen (ZVES) der Poliklinik für Kieferorthopädie am Universitätsklinikum Würzburg.

Als Leiterin des ZVES arbeitet sie seit mehr als drei Jahrzehnten auf dem Gebiet der akustischen Analyse von Babylauten und des frühkindlichen Spracherwerbs. Das Zentrum verfügt über eine der weltweit größten Audiodatenbanken für Baby- und Kindersprachlaute mit einer halben Million Einträge. Bereits 1906 untersuchten die Pioniere der klinischen Stimmforschung (Phoniatrie), Hermann Gutzmann sen. und Theodor Flatau, an der Königlichen Frauenklinik in Berlin Babystimmen. Sie mussten dazu die Babys noch an den Trichter eines Phonographen halten, ein Gerät zur akustisch-mechanischen Aufnahme und Wiedergabe von Schall mithilfe von Tonwalzen. Heute werden Babystimmen mit modernen Methoden der akustischen Signalanalyse erforscht.

„Das Ziel dieser Untersuchungen“, so Kathleen Wermke, „besteht darin, schon sehr früh, lange bevor die ersten Worte gesprochen werden, Hinweise auf eine mögliche Entwicklungsverzögerung oder spätere Sprachstörung zu erhalten. In Zusammenarbeit mit Ärzten und Akustikern am Cochlear-Hearing-Center (CHC) der HNO-Klinik am Universitätsklinikum Würzburg wird z.B. daran geforscht, ob man mithilfe von Eigenschaften der Babylaute zukünftig auch Hörgeräteanpassungen individuell optimieren kann, denn Babys können nicht sagen, wie gut oder schlecht ein Hörgerät eingestellt ist.“ Viele Schritte der Auswertungen erfordern noch eine manuelle Nachbearbeitung, und eine Kooperation mit der FWHS könnte helfen, zeitsparende automatische Routinen zu entwickeln.

Da die Muttersprache die Babylaute von Anfang an prägt, müssen dabei auch Verfahren entwickelt werden, die es erlauben, bestimmte sprachspezifische Muster zu erkennen, um diese zukünftig bei der Diagnostik zu berücksichtigen. Kathleen Wermke wollte mit ihrem Vortrag das Interesse für diese Forschungen wecken und potenziell interessierte Ingenieurwissenschaften-Studierende bzw. Informatiker an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt gewinnen, an gemeinsamen Projekten mitzuwirken oder vielleicht Bachelor- bzw. Masterarbeiten zu Fragestellungen der Babylautforschung anzufertigen. Sie drückte ihren Wunsch nach interdisziplinärer Zusammenarbeit aus, um damit die Chancen für erfolgreiche praxisrelevante Lösungen zu erhöhen.

idw 2017/11

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