Pfeiffersches Drüsenfieber. Das sollten Sie über das Pfeiffersche Drüsenfieber wissen: 10 Goldenen Regeln rund um die Erkrankung. Schmerzt der Hals und ist die Stimme belegt, so muss es nicht immer die gemeine Erkältung oder eine Racheninfektion – auch Angina tonsillaris genannt – sein. Oft ist das Schuld, was der Volksmund als „Kusskrankheit“ und der Mediziner als Pfeiffersches Drüsenfieber bezeichnet – eine häufige Infektionserkrankung, die heute in den Goldenen Regeln etwas näher beleuchtet werden soll.

Pfeiffersches Drüsenfieber – 10 Fragen und 10 kurze Antworten

1. Pfeiffersches Drüsenfieber: ein Virus
Viren beherrschen die medizinische Berichterstattung der Medien. Ob SARS-Erreger oder der akute Ausbruch der Vogelgrippe, die grossen Epidemien der Gegenwart sind von diesen nur 20-300 nm (Nanometer) grossen Gesellen beherrscht. Diese kommen mit wenig „Gepäck“ aus. Im Unterschied zu ihren Kollegen, den Bakterien, tragen sie oft lediglich ihre Erbinformation bei sich, also ein Stück DNA oder RNA. Mit Proteinpaketen wie es Enzyme sind, belasten sie sich nicht. Dafür haben sie ja die Zellen, die sie befallen und infizieren. Denn das ist der ganze Hintergrund: Viren wollen sich, wie fast alle Lebewesen, am Leben erhalten und dazu gehört, dass sie sich vermehren. Dass sie dabei ihrem „Wirt“ Schaden zufügen, ist unter Umständen evolutionär überhaupt nicht begünstigt: ist doch ein toter Wirt kein guter Wirt mehr. Der verantwortliche Virus für die Mononukleose ist der Epstein-Barr-Virus (EBV).


2. Wie häufig ist die Mononukleose?

Fast alle hatten sie! Erhebungen an der Bevölkerung zeigen, dass wir es hier nicht mit einer seltenen Erkrankung zu tun haben: bis zum 30. Lebensjahr haben sich mehr als 95% mit dem EBV infiziert. Es erkrankt also bereits fast die gesamte Bevölkerung im jugendlichen Alter. Schaut man auf andere Kontinente, so ist die Durchseuchung dort noch höher: bereits im Kleinkindesalter sind beispielsweise in Zentralafrika alle Kinder betroffen. Die Erkrankungswahrscheinlichkeit ist ausserdem bei Kindern, die ein Zimmer mit anderen teilen mussten, höher als bei denjenigen, die aufgrund der finanziellen Situation des Elternhauses in den Genuss eines Einzelzimmers kamen. Diese Tatsache überrascht nicht und findet sich bereits im Oberbegriff „Infektionskrankheit“ begründet: der Kontakt zu einem Erkrankten begünstigt natürlich die Ansteckung.

Symptome rechtzeitig erkennen

Pfeiffersches Drüsenfieber

3. Infektion: der verhängnisvolle Kuss
Wie infiziert man sich nun mit dem EBV? Wie so oft hat der Volksmund Recht: das infektiöse Medium ist nämlich menschlicher Speichel, der beim Küssen ja bekanntlich eine Rolle spielen kann. Dies erklärt auch die hohe Durchseuchungsrate in Kindergärten und in dieser Altersgruppe generell: Kinder nehmen nun mal in einem gewissen Alter gerne alles in den Mund. Etwa zwei Wochen dauert es, bis sich erste Symptome bemerkbar machen. Im Einzelfall kann die Zeit bis zum Ausbruch aber auch schon mal über einen Monat dauern.

Kusskrankheit vermeiden

 

4. Symptome: Schmerzen & Schwellungen
Die Hauptsymptome dieser Erkrankung ähneln der einer anderen häufig auftretenden Erkrankung: der Streptokokkenangina („eitrige Halsentzündung“). Hauptsymptome sind belegte Tonsillen (Mandeln), Lymphknotenschwellungen am ganzen Körper, eine Schwellung der Milz sowie Fieber. Oft klagen Infizierte auch über eine starke Müdigkeit, die über einige Wochen anhalten kann. In einer abgeschwächten Form kann auch das Bild eines banalen grippalen Infektes nachgeahmt werden. Man spricht dann von einer abgeschwächten Form der Mononukleose. Die Schwellung diverser Organe, die diese Krankheit auch die historische Bezeichnung „Drüsenerkrankung“ verdankt, geht auf die massenweise Verbreitung einer Untergruppe der weissen Blutkörperchen zurück, der B-Lymphozyten. Deren Überlebenszeit wird, nachdem sie mit dem Erreger in Kontakt gekommen sind, stark gesteigert, so dass sie sich in Organen des Lymphsystems anreichern können. Diese reagieren mit einem Anschwellen. Das Virus überlebt in einigen B-Lymphozyten lebenslang.

Pfeiffersches Drüsenfieber – So schützen Sie sich davor

 

5. Verlauf: meist harmlos
Der Verlauf der Krankheit ist in den meisten Fällen problemlos. Im Vordergrund stehen die oben genannten Lymphknotenschwellungen, die Milzschwellung sowie die Mandelentzündung und die durch sie entstehenden Beschwerden. Diese häufigste Verlaufsform der Krankheit wird als „glanduläre“ (Drüsenform) bezeichnet. In seltenen Fällen können allerdings auch andere Organe betroffen sein. Etwa 3% der Patienten machen beispielsweise die sogenannte exanthematische Form durch, d.h. bei ihnen geht die Mononukleose mit einem Ausschlag einher (speziell im Mundbereich). Schliesslich kann die Erkrankung auch noch auf die Leber schlagen, eine Leberentzündung – Hepatitis – verursachen. Auch diese Verlaufsform ist selten (5%).

6. Komplikationen: manchmal läuft nicht alles nach Plan
Aus dem oben gesagten geht ja bereits hervor, dass die überwiegende Anzahl der Mononukleoseerkrankungen relativ harmlos verläuft. Folgende alternative Verlaufsformen sind aber möglich: Es kann neben den B-Lymphozyten auch zu einer Beteiligung anderer Blutzellen kommen. Diese können dann in ihrer Anzahl reduziert sein, was eine Abschwächung der Immunfunktion bzw. Blutungsneigung (durch verminderte Blutplättchen) bedingen kann. Weiterhin kann die durch die Infektion geschwollene Milz beschädigt werden. Dies kann bis zu einem Einreißen des Organs gehen. Dies macht meist eine Operation erforderlich, um den enstehenden Blutverlust zu begrenzen. Andere Organe, die das EBV-Virus noch schädigen kann, sind das Herz, die Hirnhäute und das Gehirn (Meningoenzephalitits) sowie die Nieren (tubulointerstitielle Nephritis).

7. Diagnose: Laboruntersuchungen bringen Klarheit
Die Diagnose der Erkrankung stützt sich oft auf die charakteristischen Symptome und ihre Kombination (Milzschwellung + belegte Mandeln + Lymphknotenschwellungen). In uneindeutigeren Fällen werden gerne Laboruntersuchungen als unterstützende Hinweise verwendet. Hierbei gibt es zwei wesentliche Gruppen von Tests: Eine Blutuntersuchung mit dem Mikroskop, in der speziell grosse Freßzellen (mononukleäre Zellen) und durch die Infektion aktivierte T-Lymphozyten auffallen und verschiedene Tests, in denen nach durch den Körper gebildeten Antikörpern gesucht werden kann. Das Vorhandensein unterschiedlicher Antikörperklassen sagt dem Arzt etwas über den Zeitpunkt der Infektion aus (alte Infektion, frische Infektion etc.)

8. Therapie: bitte keine Antibiotika
Wie oben bereits erwähnt, sind Antibiotika bei Virusinfekten nicht wirksam. Demzufolge beschränkt sich die Behandlung auf eine Bekämpfung der Symptome (Linderung der Halsschmerzen, Senken des Fiebers). Da aber die Mononukleose so sehr der klassischen Halsentzündung (Angina tonsillaris) ähnelt, wird sie oft fälschlicherweise mit Antibiotika behandelt. Diese sind nicht nur nicht effektiv, sondern können auch im Falle einer bestimmten Klasse zu einem Ausschlag am ganzen Körper führen.

9. EBV: ein Virus als Krebsauslöser?
Wir haben oben gesehen, dass die Mononukleose eine sehr häufige Erkrankung ist, die unter Umständen in der leichten Verlaufsform von den Betroffenen gar nicht bemerkt wird. Es ist nun aber so, dass Hinweise existieren, dass eine EBV-Infektion beteiligt sein könnte an der Entstehung bestimmter Krebsarten, hauptsächlich von Lymphomen (Hodgkin-, Burkitt-Lymphom). Dabei hat man sich das so vorzustellen, dass die Infektion, so ist zumindest die gängige Meinung, eine Krebsentstehung begünstigen kann. Bestimmte Patientengruppen – AIDS-Erkrankte und andere Immungeschwächte – sind besonders gefährdet. Nicht zuletzt aus diesen Gründen wird zur Zeit intensiv an der Entwicklung eines Impfstoffes gegen EBV geforscht. Vielleicht lassen sich ja bald so ein paar Krebserkrankungen verhindern. Auch in der grossen Gruppe der Autoimmunerkrankungen, wenn sich der Körper also gegen sich selbst richtet, hat das EBV möglicherweise eine entscheidende Bedeutung.

10. Weitere Informationen
Zusätzliche Informationen zum Spezialgebiet Infektiologie können auf den Internetseiten des Robert-Koch-Institutes abgefragt werden.

Robert-Koch-Institut:
www.rki.de Rubrik Infektionskrankheiten

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