Deutschlandweit erste Tagklinik für Menschen mit hochfunktionalem Autismus

Deutschlandweit erste Tagklinik für Menschen mit hochfunktionalem Autismus

0,8 bis 1,3 Prozent aller Deutschen sind von Autismus betroffen, Männer achtmal häufiger als Frauen. Autismus ist damit nicht so selten wie oftmals angenommen. Bei annähernd der Hälfte der Betroffenen handelt es sich um einen so genannten hochfunktionalen Autismus, bei dem die kognitiven Fähigkeiten nicht eingeschränkt sind. Gerade bei ihnen wird der Autismus häufig erst im Erwachsenenalter diagnostiziert. Für diese Personengruppe ist die ärztliche und psychotherapeutische Versorgung in Deutschland – wie auch in anderen europäischen Ländern – schlecht. „Dieser Unterversorgung möchten wir gezielt entgegentreten“, erklärt Prof. Dr. Dr. Martin Keck, Chefarzt und Direktor der Klinik am MPI.

Nach umfassender medizinischer Diagnostik stellen Experten der Tagklinik ein individuelles Tagesprogramm zusammen. „Ziel ist, die soziale Interaktion anhand einer dafür entwickelten Gruppenpsychotherapie zu unterstützen“, erläutert PD Dr. Leonhard Schilbach, Leiter der Ambulanz und Tagklinik für Soziale Interaktion am MPI. Psychiater, Psychologen, medizinische Fachangestellte und Sozialpädagogen arbeiten dabei Hand in Hand.

Menschen mit hochfunktionalem Autismus sind in unserer Gesellschaft durch ihr mitunter unangepasst wirkendes soziales Verhalten häufig benachteiligt. Trotz guter beruflicher Qualifikation können sie zum Beispiel oftmals nicht dauerhaft am Erwerbsleben teilnehmen. In der spezialisierten Tagklinik erhalten die Patienten deshalb auch eine berufsorientierte Unterstützung. Dies erfolgt falls erforderlich insbesondere mit dem Ziel einer Wiedereingliederung in das Arbeitsleben.

idw 2017/03