Wenn es um ihre Forschungsergebnisse zu Zusammenhängen zwischen Ernährung und Krankheit geht, setzt Prof. Dr. Anna Patricia Kipp jedes Wort mit Bedacht. Denn die neue Professorin für Molekulare Ernährungsphysiologie der Universität Jena will zu große Hoffnungen auf eine rasche Prävention oder gar Heilung von (Darm)Krebs vermeiden. Schließlich ist das, was sie macht, vor allem Grundlagenforschung. Daher spreche sie keine Empfehlungen zu einer Selen-Zugabe in die Nahrung aus, „da noch ganz viele Erkenntnisse fehlen“. Überzeugt ist die 36-Jährige allerdings schon davon, dass es einen Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Selen und dem Schutz vor Darmkrebs gibt – und erforscht den Zusammenhang, um die fehlenden Erkenntnisse zu gewinnen.

Selen galt früher ausschließlich als toxische Substanz, ist aber auch ein essenzielles Spurenelement, das in der Tierernährung und als Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt wird. Mit Selen kennt sich Prof. Kipp aus, hat sie doch den größten Teil ihres bisherigen Forscherlebens diesem Element, genauer den bislang rund 25 bekannten Selenoproteinen, gewidmet. „Nur von der Hälfte dieser Proteine ist bislang die genaue Funktion bekannt“, weist die gebürtige Frankfurterin, die bereits früh ein Faible für Naturwissenschaften und Laborarbeit entwickelt hat, auf das bestehende Forschungsfeld hin.

Selen-Unterversorgung aktiviert Signalweg im Darm – Was bedeutet das für Darmkrebs?

Während ihres Studiums der Ökotrophologie an der Uni Bonn hat Anna Kipp die genregulatorische Funktion von Vitamin E untersucht. Doch bereits in ihrer Dissertation, die sie 2009 in Potsdam abschloss, untersuchte sie Signalwege im Darm, die bei einer Unterversorgung mit Selen aktiviert wurden. „Man hätte“, sagt sie und betont den Konjunktiv, „aus den Ergebnissen ableiten können, dass Selen Darmkrebs verhindern kann“. Doch dazu mussten weitere Untersuchungen gemacht werden. Damit beschäftigte sie sich während der Arbeiten zu ihrer Habilitation, die sie 2015 am Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam-Rehbrücke beendete. Dort untersuchte Kipp u. a. den Einfluss von Selen und unterschiedlichen Selenoproteinen an verschiedenen Darmkrebsmodellen. „Letztlich bleiben es Modelle, die ihre Grenzen haben“, betont Kipp, die auch Forschungsaufenthalte in Schweden, den Niederlanden und Italien absolviert hat. Andererseits ist sie überzeugt, dass einzelne Selenoproteine bei ganz bestimmten Darmkrebsstadien hilfreich sein können – aber vereinfachend zu sagen, Selen hilft bei Darmkrebs, sei eben nicht möglich.

Dialogorientierte Lehre mit aktuellen Beispielen

Mit den physiologischen Funktionen und den molekularen Mechanismen von Selen will sich Prof. Kipp, die bereits nach Jena umgezogen ist, auch an der Friedrich-Schiller-Universität weiterhin beschäftigen. Sobald ihr Labor fertig eingerichtet ist, will sie zudem die Interaktion zwischen Selen und anderen Spurenelementen sowie sekundären Pflanzeninhaltsstoffen erforschen und die Jenaer Studierenden rasch an ihren neuesten Erkenntnissen teilhaben lassen. In der Lehre setze sie auf Dialogorientierung mit aktuellen Beispielen, sagt die musische Wissenschaftlerin, die als einzige Professorin mit einer Ökotrophologieausbildung am Institut für Ernährungswissenschaften sicher auch eine Vorbildfunktion haben wird.

Kontakt:
Prof. Dr. Anna Patricia Kipp
Institut für Ernährungswissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Dornburger Str. 24
07743 Jena
Tel.: 03641 / 949609
E-Mail: anna.kipp[at]uni-jena.de

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idw 2017/02