Leicht abnehmen – erstaunliche Fakten über die Darmflora

Den Magendarmtrakt bezeichnen Wissenschaftler als „kleines Gehirn“, das mehr als nur die Verdauung beeinflusst. Über ein eigenes Nervensystem (enterisches Nervensystem) aus einer Million Nerven- und Gliazellen hat das „Bauchhirn“ „seinen eigenen Kopf“. Besonders beim Abnehmen funkt einem das Bauchhirn gerne dazwischen. Forscher diskutieren mittlerweile sogar die Informations- und Gedächtnisbildungsfähigkeit des Magendarmtrakts. Dr. Tina Ebbing erforschte im Zuge ihrer Doktorarbeit den Magendarmtrakt und spricht davon, dass sich der Bauch an die wohligen Gefühle beim Verzehr bestimmter Leckereien erinnert und damit zu wiederholten Esssünden drängt. Auch die allgemeine Konstitution beeinflusst der Magendarmtrakt. Die Darmflora besteht aus 500 unterschiedlichen Arten an Mikroorganismen. Ob sie Nährstoffe verwerten, Vitamine bilden, Schadstoffe und Krankheitserreger bekämpfen, oder den Aufbau der Darmschleimhaut regulieren: Die Bakterien der Darmflora beeinflussen die Immunkonstitution, den Stoffwechsel und damit auch Gewichtsverluste. Die Pfunde wollen einfach nicht purzeln? Vielleicht ist die Darmflora Schuld. Hier informieren, wie Darmbakterien beim Abnehmen zu Alliierten werden.

Darmflora aufbauen und dauerhaft schlank bleiben

Ob schlank oder nicht, hängt Wissenschaftlern zufolge wesentlich von den Darmbakterien ab. Die Mikroorganismen des Magendarmtrakts können demnach für oder gegen Abnehmerfolge eintreten. Wer mit den Darmbakterien überquer liegt, nimmt Studienergebnissen zufolge im Handumdrehen zu. Dasselbe gilt in die Gegenrichtung: Wer sich mit seinen Darmbakterien verbündet, entscheidet den Kampf gegen die Pfunde leichter für sich. Im Wesentlichen handelt es sich bei der Darmbakterienflora um ein eigenes Ökosystem, das Nahrung verwertet, Vitamine produziert, den Hormonhaushalt beeinflusst, Giftstoffe ausscheidet und Heilsubstanzen herstellt. Essgewohnheiten zeigen Auswirkungen auf die natürliche Bakterien-Flora, so haben Studien mittlerweile erwiesen. Auf der Suche nach Ursachen für die sich ausbreitende Adipositas-Epidemie und Folgekrankheiten wie Diabetes, kardiovaskuläre Krankheiten oder Fettstoffwechselstörungen verschlägt es Forscher im Zuge zahlreicher Studien in den Magendarmtrakt. Darmbakterien und deren Verhältnis konnten mittlerweile mit Übergewicht in Verbindung gebracht werden. Das Mikrobiom des Darms bietet Übergewichtigen damit die Möglichkeit der Intervention, ohne dass größere Eigenanstrengungen wie Sport erforderlich wären. Hier erfahren, wie sich eine günstige Darmflora aufbauen lässt.

Darmbakterien entscheiden über die Nahrungsverwertung

Das Prinzip von Gewichtsverlusten durch Darmbakterien ist einfach. Neben einem Basismikrobiom besitzen Menschen ein variables Darmmikrobiom, dessen Zusammensetzung Wissenschaftlern zufolge von genetischen Faktoren und den mit dem einzelnen Menschen in Kontakt geratenen Bakterientypen abhängt. Die dominierende Darmbakteriengattung lässt die Unterteilung von Menschen in drei Gruppen zu. In den ersten beiden Gruppen dominieren Vertreter der Gattung Bacteroides oder Prevotella. Beide Arten zählen zum Stamm Bacteroidetes. In der dritten Gruppe dominieren dagegen Keime der Gattung Ruminococcus aus dem Phylum Firmicutes. Die drei Enterotypen sind von Faktoren wie dem Geschlecht, dem Alter oder der Nationalität unabhängig. Wissenschaftler konnten allerdings Zusammenhänge mit den langfristigen Ernährungsgewohnheiten erkennen, so insbesondere mit dem Konsumverhalten von tierischem Fett, wie es den Bacteroides-Enterotyp prägt, und dem Konsum von raffinierten Kohlenhydraten, wie es den Prevotella-Enterotyp begünstigt. Im Kontext der drei Enterotypen erkennen Forscher Unterschiede zwischen dem Mikrobiom adipöser und schlanker Menschen. Bacteroidetes-Stämme dominieren demnach den Darm Normalgewichtiger, während das Mikrobiom von Adipösen durch Firmicutes-Stämme dominiert wird. Diese Erkenntnis hängt mit Charakteristika des Energiestoffwechsels zusammen. Die Firmicutes-Stämme im Darm Adipöser produzieren Enzyme zur Spaltung unverdaulicher Kohlenhydrate. Durch diese Enzyme zieht der Darm der Betroffenen mehr Energie aus der aufgenommenen Nahrung. Menschen mit einem höheren Anteil des Phylum Bacteroidetes verfügen über weniger Enzyme. Bei gleicher Nahrungsaufnahme ergeben sich damit unterschiedliche Verwertungstendenzen. Die Unterschiede zwischen Firmicutes- und Bacteroidetes-Stämmen korrelieren damit mit dem Unterschied zwischen schlechten und guten Nahrungsverwertern.

Dank Darmbakterien leichter abnehmen und Krankheiten vorbeugen

Die höhere Energieausbeute bei dominierenden Firmicutes-Stämmen soll Tag für Tag rund 150 Kilokalorien ausmachen. Populationsstudien innerhalb der USA konnten bestätigen, dass Betroffene pro Jahr rund ein Pfund an Gewicht zulegen. Da das Mikrobiom einem dynamischen System entspricht, reagiert es auf hochkalorische Diäten automatisch mit einer Vermehrung der Firmicutes-Vertreter und Verdrängung der Bacteroidetes-Bakterien. Zusätzlich produzieren Vertreter der Familien Enterobacteriaceae und Desulfovibrionaceae hochtoxische Lipopolysaccharide, die Störungen der Darmbarriere verursachen und damit Entzündungen, Fetteinlagerung, Fettleber oder Insulinsensitivitätsstörungen begünstigen. Neben Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen kann Insulinresistenz die Folge sein. Wer abnehmen und Folgeerkrankungen vermeiden möchte, muss demnach eine gesunde Darmflora aufbauen. Ernährungsgewohnheiten wie der Verzicht auf raffinierte Kohlenhydrate und der Konsum von Probiotika können probiotische Bakterienkulturen innerhalb des Darms unterstützen und damit genauso krankheitsvorbeugend wirken, wie sie beim Abnehmen helfen.

M.H.

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