700ster ausländischer Patient an der Greifswalder Universitätsaugenklinik kommt aus Polen

„Die meisten Patienten sind Kinder aus Bulgarien und Polen mit einer typischen Frühgeborenenerkrankung der Netzhaut“, erklärte der Direktor der Universitätsaugenklinik, Prof. Stefan Clemens. „Ein sehr engagiertes Netzwerk aus vielen ehrenamtlichen Helfern und Ärzten, aber auch die Kinderklinik, die die kleinen Patienten liebevoll betreut, und der Vorstand unterstützen diese Behandlungen seit 1994. In vielen Ländern können leider Risikofrühgeburten in der Nachsorge noch nicht optimal betreut werden. Wir freuen uns über jedes Kind, dem wir helfen können.“

Die Greifswalder Augenklinik hat sich international insbesondere einen Namen als Kompetenzzentrum für die Frühgeborenen-Netzhauterkrankung (Retrolentale Fibroplasie) gemacht. Dabei handelt es sich um eine zur Erblindung führende Augenkrankheit, die vor allem bei sehr schwachen und unreifen frühgeborenen Kindern verbreitet ist. Bei dieser Erkrankung kommt es aufgrund der vorzeitigen Geburt zu einer Unterbrechung des Entwicklungsprozesses der Netzhaut.
Eine flächendeckend qualitativ sehr hochwertige Neonatologie (Frühgeborenenmedizin) in Deutschland sowie rechtzeitige augenfachärztliche Kontrolluntersuchungen und moderne Verfahren ermöglichen es heute, den Erblindungsprozess bei einem positiven Verlauf aufzuhalten. „Das ist gerade für Kinder, die oftmals unter mehreren frühgeburtlichen Beeinträchtigungen leiden, von enormer Bedeutung für ihre Lebensqualität und Zukunft“, betonte Clemens.

Inzwischen werden aus allen polnischen OP-Zentren und teilweise durch niedergelassene Augenärzte Kleinkinder mit Netzhautablösung in Folge einer Frühgeburt an der Greifswalder Augenklinik operativ versorgt. Die Unterbringung erfolgt in verschiedenen Stationen der Kinderklinik. „Hierdurch erfolgt eine optimale Betreuung, eventuelle Begleiterkrankungen können richtig eingeschätzt werden“, unterstrich der Augenarzt. Einen enormen Anteil am erfolgreichen OP-Management komme den beiden Anästhesisten Oberarzt Dr. Andreas Gibb und Oberärztin Dr. Maria Zach zu, hob Clemens hervor. Der logistische Aufwand für die zusätzlichen Operationen sei gewaltig. Das Dolmetschen übernehmen in der Regel polnische Ärzte, die am Klinikum und speziell in der Augenklinik arbeiten.
Darüber hinaus werden Jugendliche und junge Erwachsene bei besonders komplizierten Fällen von Netzhauablösungen behandelt.

Dank der bulgarisch-deutschen Stiftung „Lichtblicke für Kinder“ können seit Jahren auch bulgarische Kleinkinder betreut werden. Bis zum Krankenhausaufenthalt werden die kleinen Patienten und ihre Familien in einer Pension auf Rügen untergebracht. Ehrenamtliche Stiftungsmitarbeiter übernehmen die Organisation, die Fahrten und die Übersetzung. Die Nachkontrollen erfolgen teilweise bei den heimischen Augenärzten oder auch in der Augenklinik Greifswald selbst.

Ein weiterer Schwerpunkt ist ein innovatives Therapiekonzept zur Behandlung des angeborenen grauen Stars. Hierbei wird zum frühestmöglichen Zeitpunkt eine Kunstlinseneinpflanzung vorgenommen. „Mit der Kunstlinse können die Kinder recht schnell wieder ein beidseitiges Sehen erlernen und somit eine gute Sehschärfe entwickeln“, so Clemens.

Ansprechpartner am Universitätsklinikum Greifswald
Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde
Direktor: Prof. Dr. med. Stefan Clemens
Ferdinand-Sauerbruch-Straße, 17475 Greifswald
T +49 3834 86-59 00
E sekaugen@uni-greifswald.de

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