Ausbau der Biochemie an der Medizinischen Fakultät Mannheim

Ausbau der Biochemie an der Medizinischen Fakultät Mannheim

Professor Dr. med. Dr. phil. II* Georg Stoecklin ist zum 1. Januar 2016 auf die Professur für Biochemie der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg berufen worden. In den vergangenen Tagen hat er mit seinem Team von jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern seine neuen Labore im Centrum für Biomedizin und Medizintechnik Mannheim (CBTM) bezogen. Der Mediziner und Biologe vertritt die Biochemie, die neben der Anatomie und der Physiologie eines der „großen“ Fächer der vorklinischen Medizinerausbildung ist, als Lehrstuhlinhaber in Forschung und Lehre. Im CBTM, einer Einrichtung der Medizinischen Fakultät, in der die vorklinischen Fächer zusammengeführt sind, übernimmt er außerdem die Funktion eines stellvertretenden Geschäftsführers.

In der Lehre war die Biochemie bereits mit dem Ausbau der Mannheimer Medizinfakultät zur Vollfakultät durch PD Dr. rer. nat. Gerald Brüning stark vertreten. Davon zeugen die hervorragenden Ergebnisse der Mannheimer Medizinstudierenden im Ersten Staatsexamen (M1), die von Beginn an bei dieser bundesweit einheitlichen Prüfung auf einem der ersten Plätze rangierten. Mit der Besetzung des Lehrstuhls wird die Lehre nun weiter ausgebaut. Vor allem bringt Professor Stoecklin aber eine aktive Forschergruppe mit aus Heidelberg, ein 10-köpfiges Team von Postdocs und Doktoranden.

Professor Stoecklin ist 47 Jahre alt und gebürtiger Schweizer. Er hat an den Universitäten in Neuchâtel und Basel Medizin studiert und absolvierte direkt im Anschluss an der Universität in Basel ein Studium der Biologie. In den folgenden vier Jahren baute er seine Karriere in Boston an der Harvard Medical School aus, bevor er 2006 als Nachwuchsgruppenleiter an das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg wechselte. Ab 2013 führte er seine Forschergruppe parallel auch am Zentrum für Molekulare Biologie der Universität Heidelberg (ZMBH), im Rahmen der DKFZ-ZMBH-Allianz. Im selben Jahr habilitierte sich Professor Stoecklin im Fach Molekularbiologie an der Fakultät für Biowissenschaften der Universität Heidelberg.

Mit seinem doppelten Studium hat Professor Stoecklin erfolgreich die Brücke von der Medizin in die Biologie geschlagen. Stoecklin ist Vollblutwissenschaftler, sieht sich selbst als Biologe mit starkem medizinischem Interesse, der „die Sprache der Mediziner versteht“. Mit seiner Forschung untersucht er die Prinzipien der Genexpression, wie also die genetische Information der Zelle in funktionelle Proteine umgesetzt wird – vom Gen zum Genprodukt. Damit betreibt er klassische Grundlagenforschung.

Allerdings erforscht Stoecklin die Genexpression nicht konventionell auf der Ebene der Erbinformation (Desoxyribonukleinsäure, DNA), die über die Transkription, also die Abschrift der DNA in RNA (Ribonukleinsäure) reguliert wird. Seine Forschung setzt quasi einen Schritt weiter an, auf der Ebene des Transkriptes, der RNA. „Die Erkenntnis, dass RNA nicht nur eine Vorlage für die Proteinsequenz ist, sondern dass es sich um eigenständige Moleküle handelt, die Proteinherstellung regulieren und auch anderweitige Prozesse in der Zelle steuern können, ist relativ neu – und damit besonders spannend“, so Professor Stoecklin.

Die Forschung in dieser Richtung hat sich in den letzten Jahren enorm entwickelt. Experimentelle Arbeiten in Stoecklins Labor führten zur Entdeckung von regulatorischen Schaltern, welche die Lebensdauer von einzelnen RNA-Molekülen steuern. „Wir sind nun dabei, Programme in der Zelle aufzudecken, die den globalen Abbau von RNA anregen und damit der Zelle die Möglichkeit geben, ihre gesamte Genexpression in kurzer Zeit umzustellen. Mit diesem Forschungsansatz betreten wir Neuland.“

Gibt es auf der Ebene der RNA-Regulation Unterschiede zwischen gesunden Zellen und Krebszellen? Das ist eine weitere Frage, der Professor Stoecklin mit seinem Team nachgeht. Mit seiner Forschung bereichert er damit den Onkologischen Schwerpunkt, einen der vier Forschungsschwerpunkte der Medizinischen Fakultät Mannheim. Dabei kommen ihm seine engen Kontakte zum Campus Heidelberg und insbesondere zum ZMBH zugute, mit dem die Mannheimer Medizinfakultät im Rahmen seiner Berufung eine Forschungskooperation eingegangen ist.

* Dr. phil II (Schweiz) entspricht dem deutschen Dr. rer. nat.

idw 2016/05