Brustkrebs – Die Chemotherapie ist für viele Patientinnen nach der Diagnose Brustkrebs eine zusätzliche seelische Belastung. Furcht vor Übelkeit und Haarverlust stehen im Vordergrund. Und auch die Angst vor der Mastektomie, der operativen Entfernung der Brust, prägen die Arzt-Patientengespräche. Für Prof. Dr. med. Fritz Jänicke, Direktor der Klinik und Poliklinik für Gynäkologie und Leiter des Brustzentrums an der Universitätsklinik in Hamburg Eppendorf ist daher der Hinweis wichtig, dass im Frühstadium des Brustkrebs mit den heutigen diagnostischen und therapeutischen Massnahmen in 80 bis 85% der Fälle die betroffene Brust erhalten werden kann.

Fortgeschrittener Brustkrebs – orale Chemotherapie erhöht Lebensqualität bei Brustkrebspatientinnen
Auch bei fortgeschrittenem Brustkrebs, dem metastasierten Mammakarzinom, stehen für die Therapie aktuell verschiedene Optionen zur Verfügung. Gemäß den Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e. V. (AGO) soll der therapeutische Index die Effektivität, Toxizität sowie Lebensqualität für die betroffenen Patientinnen berücksichtigen

[1].

Die Chemotherapie mit dem oralen Fluoropyrimidin Capecitabin erfüllt diese Voraussetzungen und bietet zudem einen wichtigen Überlebensvorteil für vorbehandelte Patientinnen. Prof. Fritz Jänicke fasst wesentliche Studienergebnisse zusammen: Für Capecitabin mono konnte in verschiedenen Studien eine gute Wirksamkeit nachgewiesen werden, und zwar über alle Therapielinien hinweg: Anthrazyklin und Taxan naiv [2 – 4], Anthrazyklin vorbehandelt [5, 6], mit mehr als einer vorangegangenen Chemotherapie [7] sowie Anthrazyklin und Taxan vorbehandelt [8 – 13]. Allein für Capecitabin (Xeloda) bei Taxan-vorbehandeltem Mammakarzinom gibt es mit fünf Studien mit insgesamt 730 Patientinnen eine sehr fundierte Datenlage [13 – 17]. Die Ansprechraten lagen bei 57 – 63 Prozent [13, 16], das mediane Gesamtüberleben bei 11,6 – 15,2 Monaten [14, 16].

Metastasiertes Mammakarzinom – AGO empfiehlt Capecitabin auch zur Erstlinienbehandlung
Auf Grund der fundierten und überzeugenden Datenlage zu Capecitabin erweitert die AGO dieses Jahr die bereits bestehenden Empfehlungen [1]. Zum ersten Mal empfiehlt die AGO 2010 Capecitabin auch für die Erstlinienbehandlung des metastasierten Mammakarzinoms (+). Darüber hinaus behält Capecitabin (Xeloda) die bestehenden Empfehlungen aus den Vorjahren: Sowohl für die zytostatische Therapie nach Taxan- und Anthrazyklin-Vorbehandlung als auch für die palliative Chemotherapie nur nach Anthrazyklin-Vorbehandlung spricht die AGO für Capecitabin die höchsten Empfehlungen (+ +) aus. „Gerade in der therapeutisch schwierigen Situation, wenn Patientinnen keine Taxane erhalten können, ist Capecitabin eine hoch effektive und gut verträgliche Therapieoption“, kommentierte Jänicke.

Orale Chemotherapie verbessert Lebensqualität: Haarerhalt und gutes Nebenwirkungsmanagement
Durch den tumorspezifischen Wirkmechanismus tritt unter Capecitabin mono kein Haarverlust auf. Im Rahmen eines Expanded-Access-Programms konnte Venturini et al. diesen für Patientinnen besonders wichtigen Vorteil belegen [18]. 631 Patientinnen erhielten für die mediane Therapiedauer von 3,8 Monaten Capecitabin. Bei keiner Patientin trat Haarausfall (Grad 3/4) auf. Die Gabe des oralen Fluoropyrimidins ist darüber hinaus insgesamt besser verträglich und führt seltener zu Therapieabbrüchen. „Lediglich das Hand-Fuß-Syndrom (HFS) tritt unter Capecitabin häufiger auf. Durch eine entsprechende Dosisanpassung – ohne Wirksamkeitsverlust – kann es aber schnell korrigiert werden“, erklärte Jänicke. Nach der Dosisreduktion treten insgesamt weniger Toxizitäten Grad 3/4 auf [19]. Sowohl im Rahmen einer Metaanalyse aller Zulassungstudien als auch speziell bei Brustkrebspatientinnen in der deutschen MoniCa-Studie (Kaufmann et al.) konnte gezeigt werden, dass das Auftreten eines HFS mit einem besseren Ansprechen auf die Therapie und längerer Überlebenszeit der Patientinnen assoziiert ist [20]. So lag das mediane Ansprechen bei Patientinnen mit HFS bei 99,7 Wochen, bei Patientinnen ohne HFS bei 61,7 Wochen, dies unabhängig vom Schweregrad des HFS.[movie]178[/movie] Fazit zur Wirksamkeit von Capecitabin bei metastasiertem Mammakarzinom
Die Wirksamkeit von Capecitabin beim metastasierten Mammakarzinom ist über alle Therapielinien gut belegt. Die AGO bestätigt dies in den diesjährigen Empfehlungen, die im Vergleich zum Vorjahr sogar erweitert wurden. Die Capecitabin-Therapie ist jedoch nicht nur wirksam, sondern auch gut verträglich, was sich besonders im Haarerhalt zeigt. Das Hand-Fuß-Syndrom, eine häufige Nebenwirkung, lässt sich durch Dosisreduktion bei vielen Patienten deutlich mindern ohne die Effektivität der Wirkung einzuschränken.
(mr / MEDIZIN ASPEKTE 07/2010

Quellen

  1. www.ago-online.org: Guidelines Breast, Version 2010 1.0D
  2. Stockler MR et al., J Clin Oncol 2007; 25(Suppl. 20): Abstract 1031
  3. Bajetta E et al., J Clin Oncol 2005; 23: 2155-61
  4. O’Shaughnessy J et al., Ann Oncol 2001; 12: 1247-54
  5. Talbot D et al., Br J Cancer 2002; 86: 1367-72
  6. Soto C et al., J Clin Oncol 2006; 24(Suppl. 20): 20s: Abstract 570
  7. Rossi D et al., Clin Breast Cancer 2007; 7: 857-60
  8. Blum J et al., J Clin Oncol 1999;17: 485-93
  9. Largillier R et al., Ann Oncol 2006; 17(Suppl. 20): Abstract 161P
  10. Miller K et al., J Clin Oncol 2005; 23: 792-9
  11. Mavroudis D et al., J Clin Oncol 2006; 24(Suppl. 20): Abstract 658
  12. Reichardt P et al., Ann Oncol 2003; 14: 1227-33
  13. Blum J et al., Cancer 2001; 92: 1759-68
  14. Blum J et al., Eur J, Cancer 2001; 37(Suppl. 6): S190: Abstract 693
  15. Reichardt P et al., Ann Oncol 2003; 14: 1227-33
  16. Fumoleau P et al., Eur J Cancer 2003. In press
  17. Maung K. Clin Breast Cancer 2003; 3: 375-7
  18. Venturini et al., Oncology 2007, 72: 51-7
  19. Leonard. Ann. Oncol 17: 1379-1386 20 Kaufmann M et al., Results of MoniCA (GBG 39). 34th ECCO-ESMO 2009

idw 2010/07