Infrarot A der Sonne schützt die Haut

Die aktuelle Veröffentlichung bestätigt den Inhalt einer Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) im Jahr 2010 [2]. Hamblin legt dar, dass in Arbeiten, in denen Gefahren des Infrarot A der Sonnenwärmestrahlung behauptet wurden, mit dem bis zu 100-fachen der über den Tagesverlauf mittleren Bestrahlungsstärke des Infrarot A der Sonne in den Tropen gearbeitet wurde. Effekte sind nicht nur von der Bestrahlungsdosis, sondern auch von der Bestrahlungsstärke abhängig. So lassen Effekte bei kurzen Bestrahlungen mit sehr hohen Bestrahlungsstärken nicht den Schluss zu, dass die gleichen Effekte bei über einen längeren Zeitraum mit niedrigerer Bestrahlungsstärke verteilter Wärmezufuhr (Bestrahlung) auftreten.

Eine spezifische Wirkung des Infrarot A, die unabhängig von einer reinen Temperaturerhöhung entsteht, als Ursache für als unerwünscht interpretierte Effekte konnte nicht gezeigt werden: Vielmehr verweist Hamblin darauf, dass bei wassergefiltertem Infrarot A (wIRA) selbst bei einer Bestrahlungsstärke von mehr als dem Fünffachen der maximal auf der Erdoberfläche möglichen Bestrahlungsstärke von Infrarot A der Sonne bei Konstanthalten der Hautoberflächentemperatur bei 37°C über einen Luftstrom keine signifikanten Änderungen der Zelllebensfähigkeit, von Entzündungszeichen, der Bildung freier Radikale und dem antioxidativen Potenzial gefunden wurden [3]. Umgekehrt ergab eine Erhöhung der Hautoberflächentemperatur auf ca. 45°C über einen Luftstrom ganz ohne Bestrahlung fast eine Verdoppelung der Bildung freier Radikale und eine Halbierung des antioxidativen Potenzials. Folglich stellt nicht die Bestrahlung ein Problem dar, sondern die erreichte Gewebetemperatur repräsentiert einen begrenzenden Faktor.

Darüber hinaus stellt die Veröffentlichung von Hamblin die günstigen Effekte von Infrarot A („Photobiomodulation“) in den Mittelpunkt der Betrachtung:
In einer Reihe von Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass das Infrarot A sogar einen gewissen Schutz vor unerwünschten Wirkungen des Ultraviolett der Sonne bietet: so kann das Infrarot A der Sonne am Morgen als Vorbereitung der Haut („Photoprävention“, „Konditionierung“) auf die UV-Belastung um die Mittagszeit und das Infrarot A der Sonne spätnachmittags als Reparaturphase interpretiert werden. Daneben haben niedrige Bestrahlungsstärken und -dosen von Infrarot A auch günstige Effekte auf den Kollagenstoffwechsel.

Zur Wirkungsweise des Infrarot A existieren detaillierte Vorstellungen über Signalkaskaden, die über die Cytochrom-c-Oxidase als Photoakzeptor in den Mitochondrien der Zellen angestoßen werden und zur Förderung von zellulären Abwehrmechanismen gegenüber Zellstress führen. Bezogen auf das die Erdoberfläche erreichende Sonnenspektrum werden photopräventive Wellenlängen zwischen 630 und 940 nm beschrieben (rotes Licht und Infrarot A).

Zusammenfassend erübrigt sich ein spezieller Schutz vor dem Infrarot A der Sonne. Vielmehr können das Infrarot A der Sonne (mit ohnehin relativ niedrigen Bestrahlungsstärken und Bestrahlungsdosen) wie auch Infrarot A in der Medizin – dort bei angemessen moderat zu wählenden Bestrahlungsstärken und Bestrahlungsdosen – sinnvoll für die Menschen genutzt werden.

Veröffentlichungen:
[1] Barolet D, Christiaens F, Hamblin MR. Infrared and skin: Friend or foe. J. Photochem. Photobiol. B 2016; 155: 78–85. DOI: 10.1016/j.jphotobiol.2015.12.014
[2] Müller W: Infrarot A der Sonne schädigt die Haut nicht. Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften AWMF im Informationsdienst Wissenschaft idw, veröffentlicht am 15.07.2010. Online verfügbar unter: (deutsche Fassung der Pressemitteilung).
[3] Piazena H, Pittermann W, Müller W, Jung K, Kelleher DK, Herrling T, Meffert P, Uebelhack R, Kietzmann M. Effects of water-filtered infrared-A and of heat on cell death, inflammation, antioxidative potential and of free radical formation in viable skin – First results. J. Photochem. Photobiol. B 2014, 138: 347–354.

 

idw 2016/02

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