Zentrale Anlaufstelle für Patienten mit Herzmuskelerkrankungen

Zentrale Anlaufstelle für Patienten mit Herzmuskelerkrankungen

Für Patienten mit Erkrankungen des Herzmuskels, sogenannten Cardiomyopathien, und zuweisende Ärzte hat das Universitätsklinikum Heidelberg eine zentrale Anlauf- und Informationsstelle eingerichtet: Das Institut für Cardiomyopathien Heidelberg (ICH.) bietet unter anderem eine Spezialambulanz, die Patienten individuell durch Diagnostik und Therapie begleitet, sowie feste Ansprechpartner für Ärzte und Ratsuchende. Mit dem Institut sind mehrere Fachdisziplinen vernetzt, darunter neben Kinderkardiologie und Herzchirurgie auch die molekulare und translationale Kardiologie. Dies erleichtert eine umfassende Abklärung und Behandlung und verbindet die Erforschung molekularer Ursachen mit der Entwicklung neuer Therapien. Auch der Service wird weiter ausgebaut: Zusätzlich zu zielgruppenspezifischen Informationsmaterialien wird es Veranstaltungen für Patienten, Fort- und Weiterbildungen für Ärzte sowie Symposien für Wissenschaftler geben.

Anlässlich der Eröffnung des ICH. findet am 27. und 28. November 2015 ein Fachsymposium mit internationalen Koryphäen auf dem Gebiet der Cardiomyopathien statt. Ärzte, Wissenschaftler und Journalisten sind herzlich eingeladen. Die Teilnahme ist kostenlos, um eine vorherige Anmeldung wird gebeten (www.cardiomyopathie-heidelberg.de). Das Leitungsteam des ICH. steht im Vorfeld für Interviewanfragen zur Verfügung.

Variabler Verlauf erfordert umfassende Diagnostik und abgestimmte Therapie

„Cardiomyopathien stellen eine besondere Herausforderung für die behandelnden Ärzte dar. Ihre Komplexität und Seltenheit sowie der oftmals variable Verlauf erfordern neue Konzepte in Forschung, Diagnostik und Therapie“, sagt Professor Dr. Hugo A. Katus, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie sowie Vorsitzender des ICH. Er engagiert sich seit Jahren für den Ausbau des Cardiomyopathie-Schwerpunktes am Universitätsklinikum Heidelberg. Dazu stellte er ein stetig wachsendes, international besetztes Team aus Ärzten, Studienexperten und Naturwissenschaftlern zusammen, die gemeinsam an der bestmöglichen Versorgung von Patienten mit Herzmuskelerkrankungen arbeiten, auch im Rahmen des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung.

Der Begriff „Cardiomyopathie“ umfasst ein weites Spektrum an Erkrankungen des Herzmuskels, von denen rund zwei Millionen Menschen jeden Alters in Deutschland betroffen sind. Je nach Ursache – das können u.a. genetische Veränderungen, unbehandelter Bluthochdruck oder Entzündungen sein – gibt es sehr unterschiedliche Ausprägungen und Krankheitsverläufe. Dies erfordert eine umfassende Diagnostik und auf den Patienten abgestimmte Therapien.

In einer spezialisierten Cardiomyopathie-Ambulanz mit modernsten Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten, Familiensprechstunde und Genetischer Diagnostik betreut ein interdisziplinäres, erfahrenes Team die Patienten und deren Angehörige, stellt detaillierte Informationsmaterialien zur Verfügung und organisiert Patientenveranstaltungen, um ein besseres Verstehen der Erkrankung aufzubauen. Kooperationen mit anderen Kliniken, Instituten und Fachbereichen wie der Humangenetik, Kinderheilkunde, Neurologie, Sportmedizin, Psychosomatik, Herzchirurgie, Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie gewährleisten, dass die Patienten eine effektive interdisziplinäre Beurteilung und Behandlung erhalten.

Patientennahe Forschung in hochmodernen Laboren mit Biobank

Gleichzeitig arbeiten Wissenschaftler des ICH. in hochmodern ausgestatteten Forschungslaboren. „Um Diagnostik und Behandlung weiter zu verbessern, müssen wir noch deutlich mehr über Ursachen, Auslöser, Krankheitsmechanismen und die gestörten Abläufe im Herzmuskel herausfinden“, sagt Privatdozent Dr. Benjamin Meder, Mitglied des ICH.-Leitungsboards. 2014 wurde mit dem Analysezentrum III ein modernes Forschungsgebäude bezogen, das auch das „Klaus-Tschira-Institute for Integrative Computational Cardiology“ beherbergt. Die enormen Datenmengen, die bei Analysen des Erbgutes und der komplexen Stoffwechselwerte anfallen, werden hier mittels modernster Computertechnik ausgewertet. In der ebenfalls von der Klaus Tschira Stiftung finanzierten vollautomatischen Biobank können eine Million Blut- und Gewebeproben von Herzpatienten konserviert werden. „Diese Bioproben sind die Voraussetzung für moderne patientennahe Herzforschung – sie sind die Kronjuwelen unserer Forschung“, erklärt Professor Katus. Alle diese Daten dienen als Ausgangspunkt für Forschungsprojekte und klinische Studien, und somit dem Ziel, neue diagnostische und therapeutische Konzepte zu entwickeln.

Um die Versorgung der Cardiomyopathie-Patienten auch auf nationaler Ebene nachhaltig weiter auszubauen, liegt ein weiterer Schwerpunkt des ICH. auf der Konzeption und Organisation von Fort- und Weiterbildungen für Ärzte, auf Lehrveranstaltungen für Studierende der Medizin und Biowissenschaften, sowie auf der Erarbeitung von nationalen und internationalen ärztlichen Leitlinien.

Anlaufstelle für Patienten:
Cardiomyopathie-Ambulanz
Tel.: 06221 56 8692
E-Mail: ICH.ambulanz@med.uni-heidelberg.de

Anlaufstelle für Ärzte und Ratsuchende:
ICH.-Office
Isabell Mohr
Tel.: 06221 56 37948
E-Mail: ICH.office@med.uni-heidelberg.de
Institut für Cardiomyopathien Heidelberg (ICH.)
Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie (Innere Medizin III)
Medizinische Universitätsklinik Heidelberg

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 12.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 1.900 Betten werden jährlich rund 66.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg. www.klinikum.uni-heidelberg.de

idw 2015/11