Sonnenbrand – Der Sommer kommt und nach einem eisigen Winter und einem kalten Frühling hofft nun ganz Deutschland auf Sonne satt. Doch gerade diese freudige Erwartung nach einen sonnenarmen Zeit birgt ihre Risiken. Um Sonnenbrand und langfristige Schäden durch UV-Strahlung zu vermeiden, ist Vernunft angesagt und die Kenntnis einiger Fakten.

Sonnencreme alleine reicht nicht
Das Verwenden einer hochwertigen Sonnencreme ist selbstverständlich. „Lichtschutzfaktor 15,“ so Prof. Christoph M. Bamberger, Präventionsexperte und Leiter des Medizinischen PräventionsCentrum Hamburg. „sollte Bestandteil jeder Tagespflege sein. Bei Sonnenexposition, z.B. im Urlaub sollte es noch mehr sein (> Faktor 30), besonders bei empfindlicher Haut.“ Und dennoch ist die Sonnencreme kein hundertprozentiger Schutz. Speziell in den Mittagsstunden sollte man an einem sonnigen Tag das tun, was die Menschen in südlichen Ländern uns vormachen: Im Schatten bleiben.

Weiterhin gilt: auch die UVA-Strahlen, wie sie sowohl die Sonne als auch künstliche UV-Strahler in Solarien aussenden, sind gefährlich. Zwar verursachen sie keinen Sonnenbrand wie die UV-B-Strahlen, dringen aber tiefer in die Haut ein als diese und beschleunigen so die Hautalterung und fördern die Hautkrebsentstehung. Einer neuen EU-Richtlinie zufolge muss der UV-A-Schutz in Sonnenschutzmitteln daher mindestens einem Drittel des UV-B-Schutzes entsprechen.

Das Vitamin D-Problem
UV-Strahlung ist einerseits der größte Risikofaktor für die Entstehung von Hauttumoren, andererseits ist die Sonne aber unverzichtbar für Körper und Psyche. Seit längerem ist bekannt, dass Sonneneinstrahlung wichtig ist für die Bildung von Vitamin D, das wiederum nicht nur die Knochen stabilisiert, sondern dem auch eine Schutzfunktion gegen Krebs, insbesondere Brust-, Prostata- und Darmkrebs zugeschrieben wird. Eine ausreichende Vitamin D-Versorgung soll außerdem gegen Autoimmunkrankheiten (z.B. Diabetes Typ I, rheumatoide Arthritis, Multiple Sklerose), sowie Bluthochdruck und Herzmuskelschwäche schützen. Sichere Aussagen über den Zusammenhang zwischen Vitamin D und bestimmten Krankheitsbildern werden auch in Zukunft weitere Studien liefern.

„ In weiten Teilen der Welt herrscht ein Vitamin D-Mangel von endemischem Ausmaß, auch in Deutschland“, berichtet Prof. Bamberger. Allein im Medizinischen Präventionszentrum Hamburg lässt sich bei rund 80 Prozent der Patienten ein Vitamin D-Mangel feststellen. Ein Problem, das durch den verbesserten und manchmal sogar übertriebenen Sonnenschutz verstärkt wird, weil Vitamin D in sonnengeschützter Haut vermindert produziert wird. Der Tagesbedarf liegt aktuell bei mindestens 400 E bis 500 E Vitamin D.

[werbung] Krebsrisiken und Frühdiagnose
Hautkrebs ist auf dem Vormarsch und das Bewusstsein für diese Gefahr ist gestiegen. Seit den 70er Jahren stieg die Melanomrate um mindestens das Vierfache. Nach Schätzungen der Deutschen Krebsgesellschaft erkranken in Deutschland rund 96.000 Menschen pro Jahr am hellen Hautkrebs (80.000 am Basalzellkarzinom, 16.000 am Plattenepithelkarzinom). Beim schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) sind es rund 15.000 Neuerkrankungen pro Jahr. „Früherkennung gerade bei den den früh metastasierenden malignen Melanomen, ist überlebenswichtig“ betont Prof.Bamberger. „In Zusammenarbeit mit dem Dermatologikum Hamburg (Prof. Steinkraus, Prof. Reich und Partner) bieten wir einen Haut-Check von Experten allerersten Ranges. Auch messen wir strahlenfrei die Knochendichte, um einen erhöhten Vitamin D-Bedarf zu erfassen.“

Gebrauchsanweisung für den besten Umgang mit der Sonne
Der tägliche Schutz

  • Sonnenschutz (Faktor 15) in die Tagespflege
  • Wasserfester Sonnenschutz (mindestens LF 15, bei hellem Hauttyp besser noch Faktor 30 oder mehr). Nach dem Bad nachcremen.
  • Insbesondere mittags zwischen elf und drei Uhr den Schatten nicht verlassen. Bei hellen Hautytypen davor und danach mit Hut und langärmeligem T-Shirt in die Sonne.
  • Jeder einzelne Sonnenbrand erhöht die Hautkrebsgefahr, was früher zu einem schönen Sommer „einfach dazu gehörte“, ist alles andere als eine Lappalie
  • Aspirin gegen Schmerzen bei Sonnenbrand. Kühlende Gele oder Cremes mit Polidocanol sind eine Wohltat für die gerötete Haut
  • Substitution von 500 Einheiten Vitamin D täglich für jeden (!), bei erniedrigter Knochendichte 1000 Einheiten Vitamin D täglich plus 1000 mg Calcium täglich.

Die regelmäßige Kontrolle

  • Regelmäßige (jährliche) Haut-Checks insbesondere bei sonnenempfindlichen, hellen Hauttypen und solchen mit mehr als 50 Muttermalen
  • Ultraschallbasierte (strahlenfreie) Knochendichtemessung einmalig zur Einschätzung des Osteoporose-Risikos und damit des Vitamin D- und Calciumbedarfs

Weitere Informationen zu den Diagnostikleistungen des MPCH:
http://www.mpch.de

Herausgeber:
Prof. Dr. Christoph M. Bamberger, Direktor des Medizinischen PräventionsCentrum Hamburg (MPCH) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Falkenried 88, 20251 Hamburg

idw 2010/06