Kinderdiabetes und die Folgen für die Familie

Kinderdiabetes und die Folgen für die Familie

Kinderdiabetes und soziale Folgen für die Betroffenen

 

Diabetes bei Kindern in Deutschland auf dem Vormarsch

Kinder mit Diabetes und Eltern brauchen Hilfe und Aufklärung. Innovative Versorgungsmodelle bei Diabetes können psychosoziale Folgen mindern – Prof. Thomas Danne zum Thema „Süßes Blut: eine bittere Pille für die betroffenen Familien

In Deutschland sind 25.000 junge Menschen im Alter von 1 bis 19 Jahre an Typ-1-Diabetes erkrankt. Typ-1-Diabetes zählt zu der häufigsten Stoffwechselerkrankung im Kindes- und Jugendalter. Aktuell ist eines von 600 Kindern in Deutschland bereits erkrankt. Tendenz steigend. Eine aktuelle Studie zeigt, dass sich insbesondere die Anzahl der jungen Diabetespatienten unter fünf Jahren bis 2020 verdoppeln und die Häufigkeit in der Gruppe der unter 15-Jährigen um 70 Prozent steigen wird.

Soziale Situation von Kindern in Deutschland immer schlechter – gesundheitliche Entwicklung problematisch
Die soziale Situation von Kindern in Deutschland hat sich in den letzten Jahren zunehmend verschlechtert. Bereits jedes sechste Kind unter sieben Jahren lebt in einer Familie, die auf ALG 2 oder Hartz IV angewiesen ist, 14 Prozent aller Kinder gelten als arm. Durch die finanzielle Verschlechterung ist damit auch eine schlechte gesundheitliche Entwicklung vorbestimmt. Laut dem Kinder-Report 2007 des Deutschen Kinderhilfswerks sind bei armen Kindern die Ernährung deutlich schlechter und die Bewegung deutlich unzureichend. Bei armen Kindern, die an Diabetes erkrankt sind, ist ihre Stoffwechseleinstellung schlechter als die von sozial besser gestellten Kindern.

Typ-1-Diabetes erfordert innovative Behandlungskonzepte
Netzwerk von Kinderdiabetologen, Kinderkrankenschwestern und Ernährungsberatern sowie Psychologen und Sozialarbeiter müssen gemeinsam aktiv werden
Obwohl sich in den letzten Jahren die Versorgungssituation von Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes stark verbessert hat, bemängelt Professor Thomas Danne, Chefarzt im Kinderkrankenhaus auf der Bult (Hannover) und Vorstandsvorsitzender von diabetesDE, dass nicht alle Kinderdiabeteseinrichtungen über multidisziplinäre Teams verfügen. Angesichts der Komplexität der Erkrankung müssten bei der Betreuung neben Kinderdiabetologen, Kinderkrankenschwestern und Ernährungsberatern dringend auch Psychologen und Sozialarbeiter mitwirken. Denn darin sind sich nationale und internationale Kinderdiabetesleitlinien einig: Psychosoziale Faktoren stellen die wichtigsten Determinanten für das Therapieverhalten und damit die Stoffwechselseinstellung von Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes dar.

Zuckerkrankheit bei Kindern: Eltern leiden oftmals unter der Verantwortung für die tägliche Diabetestherapie des Kindes
Eltern dürfen mit der Diabetes-Erkrankung ihres Kindes nicht alleine gelassen werden. Besonders sind hier auch Psychologen gefordert. Besonders kleine Kinder können den Sinn der Insulininjektionen oder Blutentnahmen nicht verstehen. Sind die Kinder etwas älter, müssen sie reibungslos im Kindergarten oder in der Schule integriert werden. Dies ist nur in enger Abstimmung mit engagierten und geschulten Betreuern möglich. Diabetes verändert also das Leben des Erkrankten sowie das seiner unmittelbaren Bezugspersonen. Bei Familien und Alleinerziehenden, bei denen das Einkommen reduziert ist, berichten 44 Prozent nach der Diagnose zusätzlich von negativen finanziellen Folgen.


Diabetesschulung im Kindergarten: Kinder müssen integriert werden

Diabetes und Pubertät: Besondere Problematik bei Jugendlichen mit Diabetes
Tritt die Pubertät ein, haben viele an Diabetes erkrankte Jugendliche große Probleme, die erforderlichen Therapiemaßnahmen zu akzeptieren. Nicht selten reißt in dieser Phase auch der Kontakt zu medizinischen Betreuern ab, weil sich die Jugendlichen in einer kinderdiabetologischen Einrichtung nicht mehr richtig aufgehoben fühlen. Gleichzeitig, so zeigt die Dawn-Youth Studie, quälen sie jedoch Schuldgefühle und Angst, weil sie die Therapie vernachlässigen. Dies wiederum wird als zusätzliche psychische Belastung wahrgenommen. Über ein Viertel der Studien-Teilnehmer berichtet, ihnen sei keine psychologische Beratung angeboten worden, ein weiteres Viertel stufte die psychologische Beratung nur als mittelmäßig ein. Das ausgerechnet in einem Lebensabschnitt, in dem die Weichen für die persönliche und berufliche Zukunft gestellt werden.

Kreative Kinderdiabetesprojekte fördern – Bayer unterstützt zum dritten Mal in Folge innovative Diabeteskonzepte
Kreative Schulungskonzepte, außergewöhnliche Projekte zur Integrationsförderung von Kindergarten- und Schulkindern oder altersgerechte Freizeiten, bieten Kindern mit Diabetes Möglichkeiten sich auszutauschen und sich über die Erkrankung zu informieren. Die Aktion „Fine Star“ unterstützt kreative Kinderdiabetesprojekte mit insgesamt Euro 17.500,00 .

Quellen

  1. www.thelancet.com, online veröffentlicht am 28. Mai 2009: Incidence trends for childhood type 1 diabetes in Europe dring 1989-2003 and predicted new cases 2005-20, C. Patterson, G. Dahlquist, E. Gyürüs, A. Gren, Soltész and the Eurodiab Study Group
  2. ISPAD 2009, Icks et al. 2007 Diabet Med 24:440-2, Gerstl et al. Dpv Wiss.Eur.J. Pediatr 2008 167: 447-453

Weitere Informationen zum Thema Kinderdiabetes erhalten Sie hier:

(PK Einfach gewinnt im Leben mit Diabetes, Bayer HealthCare, MEDIZIN ASPEKTE, 05/10)

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