Eine durch Th1-Zellen vermittelte Immunantwort kann bei Tumoren einen Wachstumsstillstand auslösen. Dies geschieht über verschiedene Botenstoffe, die das Zellwachstum und die Bildung von Blutgefäßen hemmen. Die Tumorzellen werden dabei nicht zerstört, jedoch in einen meist lebenslang anhaltenden „Dauerschlaf“ versetzt, genannt Seneszenz. Dadurch wird die Immunkontrolle des Körpers über die Tumorzellen zurückgewonnen.

Geleitet wurde die Studie von Prof. Martin Röcken gemeinsam mit Dr. Heidi Braumüller und Prof. Thomas Wieder mit einem interdisziplinären Wissenschaftlerteam der Hautklinik des Universitätsklinikums Tübingen, in Zusammenarbeit mit dem Institut für Molekulare Immunologie (IMI) am Helmholtz Zentrum München. An einem Inselzelltumor, einer Geschwulst in der Bauchspeicheldrüse, untersuchten die Wissenschaftler das komplexe Geschehen der Immunreaktion und konnten die entscheidend beteiligten Moleküle und Botenstoffe identifizieren, die das Tumorwachstum stoppen. Diese Prozesse ließen sich an verschiedenen Tumorzelllinien, u.a. Zellen des schwarzen Hautkrebses (Melanom) und Weichteiltumoren (Rhabdomyosarkom), bestätigen. „Die Erkenntnisse vermitteln uns ein grundlegendes Verständnis für die Mechanismen der Immunantwort“, sagt Prof. Ralph Mocikat vom IMI, „dadurch können wir neue Formen der Immuntherapie etablieren und so auch eine neue Therapieoption für Krebserkrankungen entwickeln.“

Darüber hinaus ist das Verständnis solch komplexer Immunreaktionen auch für die Erforschung anderer Erkrankungen von Bedeutung. Insbesondere bei Autoimmunkrankheiten, wie Typ-1-Diabetes, sind ähnliche Mechanismen an der Entstehung beteiligt. Daher scheint die Induktion bzw. Unterdrückung der Zell-Seneszenz ein wichtiger Ansatz, um die Immunkontrolle therapeutisch zu nutzen.

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.000 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 34.000 Beschäftigten angehören.

Das Institut für Molekulare Immunologie (IMI) betreibt anwendungsorientierte Grundlagenforschung im Grenzgebiet zwischen Immunologie, Onkologie und Molekularbiologie. Ziele des IMI sind die Aufklärung grundlegender Mechanismen des Immunsystems, das Verständnis der immunologisch vermittelten Entstehung von Krankheiten sowie die unmittelbare Übertragung der gewonnenen Erkenntnisse in die Anwendung. Im Mittelpunkt stehen neue personalisierte Therapieansätze, die auf einer Modulation des Immunsystems beruhen.

Weitere Informationen

  • Original-Publikation:
    Braumüller, H. et al. (2013), TH1 Cell Cytokines drive Cancer into Senescence, Nature, doi: 10.1038/nature11824.

Fachlicher Ansprechpartner im Helmholtz Zentrum München:

Prof. Ralph Mocikat

Helmholtz Zentrum München
Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH)
Institut für Molekulare Immunologie
Ingolstädter Landstr. 1
85764 Neuherberg
Tel.: 089-3187-1310

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