Neuer diagnostischer Marker bei LADA bei Typ-1-Diabetes von Erwachsenen

Neuer diagnostischer Marker bei LADA bei Typ-1-Diabetes von Erwachsenen

LADA (latent autoimmune diabetes in adults) ist eine Form des Typ-1-Diabetes im Erwachsenalter. Wie bei der kindlichen Form werden die Insulin-produzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse durch das körpereigene Immunsystem zerstört. Der Krankheitsverlauf ist jedoch schleichend, die klinische Manifestation erfolgt erst nach dem 30. Lebensjahr und die Patienten benötigen zu Beginn der Erkrankung noch keine Insulintherapie zur Blutzuckereinstellung. Die Unterscheidung zwischen LADA und Typ-2-Diabetes ist deshalb oft schwierig.

Anhand der Affinität der Antikörperreaktion gegen das Enzym Glutamat-Decarboxylase (GAD) können Patienten mit LADA – einer Form des autoimmunen Typ-1-Diabetes im Erwachsenenalter – von Patienten mit nicht-autoimmunem Typ-2-Diabetes unterschieden werden. GAD-Antikörper mit hoher Affinität treten bei Patienten auf, die nur noch wenig eigenes Insulin produzieren und schon nach relativ kurzer Zeit eine Insulintherapie benötigen, berichten Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München in der Fachzeitschrift ‚Diabetes Care‘.

Wissenschaftler des Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München, Partner im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD), haben nun untersucht, inwiefern die Affinität von GAD-Antikörpern, als ein Maß für den Reifegrad der Immunantwort, die Klassifikation des Diabetes im Erwachsenenalter verbessert. Darüber hinaus wollten Sie herausfinden, ob eine Impfung mit GAD die Antikörper-Affinität beeinflusst.

Hohe Antikörper-Affinität identifiziert Typ-1-Diabetes

Gemeinsam mit nationalen und internationalen Kollegen untersuchte das Team um PD Dr. Peter Achenbach, Stephanie Krause und Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler die GAD-Antikörper-Affinität bei 46 LADA-Patienten, die an einer GAD-Impfstudie teilgenommen hatten. Den Studienteilnehmern wurde GAD in verschiedener Dosierung oder ein Placebopräparat unter die Haut injiziert, um eine Toleranz des Immunsystems gegen die Betazellen zu induzieren. Interessanterweise variierte die GAD-Antikörper-Affinität bereits vor Beginn der Behandlung erheblich, sodass Patienten mit hoher und niedriger Affinität unterschieden werden konnten. Die Patienten mit hoher GAD-Antikörper-Affinität wiesen eine geringe Insulinproduktion auf, passend zu einer fortgeschrittenen autoimmunen Zerstörung der Betazellen. Diese Patientengruppe benötigte häufig schon nach relativ kurzer Zeit eine Insulintherapie. Patienten mit niedriger Affinität zeigten dagegen eine deutlich höhere Insulinproduktion, die über einen Zeitraum von 30 Monaten konstant blieb. Die GAD-Antikörper-Affinität wurde durch die Impfung mit GAD nicht beeinflusst.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die GAD-Antikörper-Affinität ein wertvoller neuer diagnostischer Marker bei LADA-Patienten ist. Wir können – ähnlich wie beim kindlichen Typ-1-Diabetes – Vorhersagen über den Krankheitsverlauf treffen und die Therapiemaßnahmen entsprechend anpassen“, erklärt Studienleiter Achenbach. „Die Antikörper-Affinität sollte nun auch in klinischen Studien bei LADA-Patienten berücksichtigt werden.“

Neben dem Helmholtz Zentrum München waren das Center for Regenerative Therapies der TU Dresden, ein weiterer Partner des DZD, sowie das Skane Universitätshospital, Schweden an den Arbeiten beteiligt.

Lesen Sie hier mehr zu Typ-1-Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München: http://www.helmholtz-muenchen.de/diabetes/news/index.html

Weitere Informationen:

Weitere Informationen zu Diabetes-Studien am Helmholtz Zentrum München/ Technische Universität München finden Sie unter: http://www.kompetenznetz-diabetes-mellitus.net/index.php/betroffenen-info/studienuebersicht?lang=de

Original-Publikation:
Krause, S. et al. (2014): GAD Autoantibody Affinity in Adult Patients with Latent Autoimmune Diabetes, the Study Participants of a GAD65 Vaccination Trial, Diabetes Care, doi: 10.2337/dc13-1719

Link zur Fachpublikation: http://care.diabetesjournals.org/content/early/2014/03/04/dc13-1719.abstract

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.200 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 34.000 Beschäftigten angehören. Das Helmholtz Zentrum München ist Partner im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung e.V. www.helmholtz-muenchen.de

Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung e.V. bündelt Experten auf dem Gebiet der Diabetesforschung und verzahnt Grundlagenforschung, Epidemiologie und klinische Anwendung. Mitglieder des Verbunds sind das Deutsche Diabetes-Zentrum DDZ in Düsseldorf, das Deutsche Institut für Ernährungsforschung DIfE in Potsdam-Rehbrücke, das Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, die Paul Langerhans Institute des Carl Gustav Carus Universitätsklinikums Dresden und der Eberhard-Karls-Universität Tübingen sowie die Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V. und die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. Ziel des DZD ist es, über einen neuartigen, integrativen Forschungsansatz Antworten auf offene Fragen in der Diabetesforschung zu finden und einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung von Prävention, Diagnose und Therapie des Diabetes mellitus zu leisten.www.dzd-ev.de

Das Institut für Diabetesforschung (IDF) befasst sich mit der Entstehung und Prävention von Typ 1 Diabetes und Typ 2 Diabetes als Spätfolge eines Gestationsdiabetes. Ein vorrangiges Projekt ist die Entwicklung einer Insulin-Impfung gegen Typ 1 Diabetes. In groß angelegten Langzeitstudien untersucht das IDF den Zusammenhang von Genen, Umweltfaktoren und Immunsystem für die Pathogenese von Typ 1 Diabetes. Mit den Daten der Geburtskohorte BABYDIAB, die 1989 als weltweit erste prospektive Diabetes-Geburtskohorte etabliert wurde, konnten Risikogene sowie Antikörperprofile identifiziert werden. Diese lassen  Vorhersagen über Entwicklung und Ausbruch von Typ 1 Diabetes zu und werden die Klassifizierung und den Diagnosezeitpunkt verändern. Das IDF ist Teil des Helmholtz Diabetes Center (HDC).

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