Cannabis ist heute vor allem wegen seiner berauschenden Wirkung bekannt. Dabei weiß man seit Jahrhunderten um die heilfördernde Wirkung der Hanfpflanze. Sie enthält Hunderte von Inhaltsstoffen und könnte in vielen medizinischen Bereichen angewendet werden. Seit 2011 ist Cannabis als Arznei in Deutschland erlaubt, jedoch nur in gesonderten Fällen. In Cannabis stecken über 600 Inhaltsstoffe, deren Zusammenspiel noch nicht vollends erforscht ist. Daher kann Cannabis als Medikament nach international geltenden Arzneimittelgesetzen nicht zugelassen werden. Die beiden wesentlichen Wirkstoffe Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) hingegen sind sehr gut erforscht und bekannt für ihre umfassend schmerzlindernde, entzündungshemmende und nervenschützende Wirkung. Das CBD beispielsweise wirkt Fibrosen (Vermehrung des Bindegewebes), Zelltod, oxidativen Stress und Entzündungen entgegen, aber vor allem Erkrankungen des Herzmuskels. Auch das THC, das für die berauschende Wirkung beim Kiffen verantwortlich ist, hat positive Begleiterscheinungen wie Schmerzreduzierung, Linderung von Krämpfen und Erbrechen, Schlafförderung und es regt den Appetit an. Darüber hinaus wirkt die Pflanze antiepileptisch, antibiotisch und antiseptisch. Daraus ergibt sich eine Fülle an Einsatzmöglichkeiten in der Medizin.

Einsatzmöglichkeiten bei verschiedenen Krankheitsbildern

THC und CBD haben sich vor allem in der Palliativmedizin bewährt. Vor allem Patienten mit AIDS, Multipler Sklerose und Krebserkrankungen profitieren von ihren Wirkungen. Das THC beispielsweise dockt an an Rezeptoren im Gehirn, in der Lunge, im Darm oder an den weißen Blutkörperchen an sorgt dadurch für Schmerzlinderung. Krankheitstypische Begleiterscheinungen wie Brechreiz, Apathie oder auch Appetitlosigkeit können beseitigt oder zumindest gelindert werden. Gerade bei Patienten, die sich einer Chemotherapie unterziehen müssen, haben die Wirkstoffe der Cannabispflanze eine appetitanregende Wirkung und können den Abmagerungsprozess aufhalten. Jedoch dämpft das THC die Kampfbereitschaft des Immunsystems, was sich eventuell in der Krebs- oder Infektionsabwehr als kontraproduktiv erweisen könnte. Diesen immunsuppressiven Effekt könnten sich Mediziner jedoch bei der Therapie von Allergien, Autoimmunkrankheiten wie Arthritis oder auch bei Transplantationen. Darüber hinaus können neurologische Erkrankungen wie das Tourette-Syndrom und ADHS durch THC gelindert werden. Auch lässt sich die gefürchtete Augenkrankheit der Grüne Star mit Cannabis behandeln, denn die Cannabinoide (u.a. CBD) senken den Augeninnendruck aus, der die Beeinträchtigung hervorruft. Einsatzmöglichkeiten bieten sich auch bei psychischen Erkrankungen. Allerdings wird die Verabreichung von Cannabis als Medikamente gegen Ängste und Depressionen kontrovers diskutiert: Marihuana wirkt zwar stimmungsaufhellend, ist nachweislich angstlindernd und könnte depressiven und unter Angststörungen leidenden Menschen helfen. Allerdings lässt sich die psychoaktive und halluzinogene Wirkung des THC nicht beeinflussen, es könnte genau der gegenteilige Effekt erzielt werden. Nicht empfehlenswert ist hingegen eine Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Cannabis. Die Wirkstoffe können bei ihnen dazu führen, dass sich Synapsen nicht vollständig ausbilden und irreversible neuronale Schäden entstehen. Im schlimmsten Fall entstehen dadurch Psychosen und Schizophrenie.

Lucas Frenzel