Alte Menschen sind keine Gegenstände – Warum Pflege über den Körper hinausgehen muss

Alte Menschen sind keine Gegenstände – Warum Pflege über den Körper hinausgehen muss

In den letzten Jahren kam ein Pflegeskandal nach dem anderen zu Tage (ein guter investigativer Bericht findet sich zum Beispiel hier). Misshandlungen von Heimbewohnern, nicht gewechselte Windeln, dehydrierte Menschen waren nur einige der Zustände, die einen mit Schaudern an älter werdende Angehörige und nicht zuletzt das eigene Altern denken ließen.

Sollte man angesichts dessen also schon froh sein, wenn für ausreichende Sauberkeit gesorgt ist, die Patienten genügend Essen und Trinken aufnehmen und das Pflegepersonal sich hinreichend um die medizinischen Belange der alten Menschen kümmert? Keinesfalls! Denn auch emotionale und geistige Vernachlässigung ist eine Form von Misshandlung – als nichts anderes ist es zu bezeichnen, wenn eine ans Bett gefesselte Person den ganzen Tag nichts anderes zu sehen und zu hören bekommt als den Fernseher. Eine halbe Stunde täglicher Kontakt mit dem Pflegepersonal kann das nicht ausgleichen. Sensorische Deprivation wird nicht umsonst zu den Foltermethoden gezählt. Psychisch Kerngesunde entwickeln unter völligem Fehlen von Wahrnehmungsreizen schon nach wenigen Tagen Halluzinationen.

Folgen von Deprivation 

Die Folgen einer solchen Vernachlässigung werden als Hospitalismus bezeichnet. Dabei kann sich das Fehlen geistiger Stimulation durchaus auch körperlich auswirken, zum Beispiel in erhöhter Anfälligkeit für Krankheiten, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, und dem Abbau motorischer Fähigkeiten. Auch die kognitive Leistung sinkt ab. Gerade bei alten Menschen schreiten Demenzkrankheiten wie Alzheimer unter solchen Umständen rapide fort. Psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angstzustände können auftreten.

Wie Pflege aussehen müsste

Altenpflege müsste also neben der medizinischen Betreuung und der Körperpflege noch soziale, emotionale und geistige Stimulation enthalten. Das sollte unter anderem durch folgende Komponenten geschehen:

  • Gespräche. Damit sind nicht Unterhaltungen gemeint, die nebenher beim Waschen stattfinden, sondern Gespräche um des Gesprächs willen.
  • Kontakt mit Menschen, die nicht zum Pflegepersonal gehören, zum Beispiel andere Patienten.
  • Bücher oder Hörbücher und Musik.
  • Spiele und Rätsel.
  • Angemessene körperliche Aktivität. Selbst bettlägrige Patienten können zum Beispiel ihre Finger zur Musik tanzen lassen.

Wichtig ist, dass die Patienten dabei mitentscheiden dürfen, wie ihr Tagesablauf aussieht. Ob sie zum Beispiel gerade lieber Musik hören (wenn ja, welche?) oder ein Buch lesen möchten.

In welchem Rahmen kann eine solche Pflege stattfinden?

In einem Pflegeheim ist diese Form der Betreuung praktisch nicht umzusetzen. Immer mehr Pflegeagenturen erkennen das Bedürfnis nach alternativen Betreuungsformen, die über das Körperliche hinausgehen, und bieten 24-Stunden-Pflege an. Da der Patient hierbei zuhause wohnen bleiben kann, ist diese Pflegeform sogar vergleichsweise günstig. Eine Preiskalkulation für eine 24-Stunden-Pflegekraft gibt es zum Beispiel auf Pflegehelden.de.

Zudem ist es förderlich für die geistige und emotionale Gesundheit, wenn alte Menschen in ihrem angestammten Zuhause bleiben können.

Fazit: In Pflegeheimen muss sich noch sehr viel ändern, bis Menschen dort würdig leben können.

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