Als bösartige Neubildung der Pigmentzellen entstehen die meisten malignen Melanome im Bereich der Haut (Schwarzer Hautkrebs). Die seltenen Melanom-Manifestationen an anderer Stelle, zum Beispiel an verschiedenen Schleimhäuten, an der Aderhaut des Auges sowie den Hirnhäuten sind hier nicht eingeschlossen. Personen mit einer großen Anzahl von Pigmentmalen (Nävi; erworbene, angeborene und dysplastische Formen), hellem Hauttyp und genetischer Disposition (bei familiär gehäuftem Auftreten) haben ein erhöhtes Risiko, an einem malignen Melanom der Haut zu erkranken. Obwohl der genaue Wirkungszusammenhang noch nicht endgültig aufgeklärt ist, scheint intensive Sonnenexposition, insbesondere in der Kindheit, und Exposition gegenüber künstlicher UV-Strahlung, z. B. in Solarien, die Entwicklung maligner Melanome an üblicherweise bedeckten Körperpartien zu begünstigen. Während bis Mitte 2008 nur eine Befragung nach auffälligen Hautveränderungen Bestandteil des gesetzlichen Früherkennungsprogramms war, haben seitdem alle Versicherten ab dem 35. Lebensjahr einen Anspruch auf eine Inspektion der gesamten Körperhaut durch die behandelnden Ärzte. Bei verdächtigen Hautveränderungen ist eine anschließende Untersuchung durch einen Dermatologen vorgesehen. Primäre Therapie ist in aller Regel die operative Entfernung mit einem stadiengerechten Sicherheitsabstand zum gesunden Gewebe. Häufig ist nach der feingeweblichen Untersuchung eine Nachexzision zur Wahrung des Sicherheitsabstands erforderlich. In fortgeschrittenen Stadien kommen ergänzende Therapiemaßnahmen (Strahlen-, Chemo- oder Immuntherapie) in Frage. (Preiß et al. 2008).

Trends von Inzidenz, Mortalität und Überlebensraten
Die altersstandardisierte Inzidenz des malignen Melanoms der Haut weist bei Männern und Frauen von 1980 bis 2004 einen erheblichen Anstieg auf mehr als das dreifache des Ausgangswertes auf. Die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen stieg etwa auf das Vierfache. Dagegen blieben die altersstandardisierten Sterberaten seit 1980 nahezu konstant. Der Anstieg betraf beide Geschlechter und alle Altersgruppen. Besonders betroffen waren Männer über 75 Jahre. Zwischen den Geschlechtern zeigten sich deutliche Unterschiede in der Altersverteilung. Während bei den Männern das Erkrankungsrisiko mit höherem Alter deutlich zunimmt, tritt die Erkrankung bei Frauen auch in jüngerem Alter nicht selten auf. Das mittlere Erkrankungsalter der Frauen liegt entsprechend mit 57 Jahren 70 Ergebnisse zur Prävalenz Malignes Melanom der Haut deutlich unter dem der Männer (63 Jahre). Im Jahr 2004 erkrankten in Deutschland etwa 8.400 Frauen und 6.500 Männer an einem malignen Melanom der Haut. Etwa 1.037 Frauen und 1.256 Männer starben an diesem Tumor. Die relativen Überlebensraten verbesserten sich nach deutlichen Steigerungen in den 1970er- Jahren seit Beginn der 1980er-Jahre weiter von 75 % auf 84 % bei Männern und von 80 % auf 88 % bei Frauen.

Prävalenz
Im Jahr 2004 lebten in Deutschland insgesamt ca. 58.500 Personen (etwa 34.200 Frauen und 24.300 Männer), bei denen in den 5 Jahren zuvor ein malignes Melanom der Haut diagnostiziert worden war (5-Jahres-Prävalenz). Die 10-Jahres-Prävalenz lag bei etwa 56.300 Frauen und 38.700 Männern. Die Zahl der betroffenen Personen hat sich danach seit 1990 mehr als verdoppelt. Der Anstieg betraf bei den Männern, auch aufgrund demografischer Veränderungen, vor allem die über 60-Jährigen, während er sich bei den Frauen relativ gleichmäßig auf alle Altersgruppen verteilte. Im Jahr 2004 waren 44 % aller Männer mit malignem Melanom der Haut und 55 % aller Melanompatientinnen in Deutschland jünger als 60 Jahre.

Fazit
Vor allem die deutlich zugenommen Erkrankungszahlen haben zusammen mit verbesserten Überlebensraten und demografischen Veränderungen zwischen 1990 und 2004 zu einem ganz erheblichen Anstieg der Prävalenz des malignen Melanoms in Deutschland geführt. Zum Anstieg der Inzidenz hat mit hoher Wahrscheinlichkeit auch eine verstärkte Aufmerksamkeit gegenüber verdächtigen Hautveränderungen sowohl in der Bevölkerung als auch bei Ärzten beigetragen. Schließlich ist auch davon auszugehen, dass selbst im Saarländischen Krebsregister, das bereits seit mehr als 30 Jahren Krebserkrankungen erfasst, der Erfassungsgrad bei malignen Melanomen in den letzten Jahren noch erheblich gesteigert werden konnte (Epidemiologisches Krebsregister Saarland 2009), so dass bei der Schätzung der Prävalenz die Ausgangszahlen für 1990 wahrscheinlich unterschätzt wurden und der beobachtete Anstieg in der Realität etwas weniger dramatisch ausfiel. Auf der anderen Seite bildet die Vorausberechnung für 2010 noch nicht die seit dem Jahr 2008 intensivierte gesetzliche Früherkennung von Hautkrebs ab, die zumindest vorübergehend zu einem weiteren Anstieg der Inzidenz und damit auch Prävalenz führen dürfte. Die für 2010 hochgerechnete 5-Jahres-Prävalenz von 37.900 Frauen und 27.600 Männern ist daher eher als Unterschätzung. (RKI 02/2010)

idw 2010/03