Leberentzündung

Leberentzündung

Leberentzündung (Hepatitis)- Patienteninformation Goldene Regeln mit 10 Fragen und kurzen Antworten zum Thema der Leberentzündungen Hepatitis A, Hepatitis B,Hepatitis C. In Zeiten vor SARS ist es wohl jedermann bewusst: Infektionskrankheiten spielen in der Klinik der Gegenwart und auch der Zukunft eine wesentliche Rolle. Sind Bakterien heute im Wesentlichen durch Antibiotika kontrollierbar, so steht die moderne Medizin vielen durch Viren verursachten Krankheiten relativ machtlos gegenüber. Bei den virusverursachten Leberentzündungen, von denen heute die Rede sein soll, ist dies glücklicherweise nicht immer so. Lesen Sie Tipps und Ratschläge zu einer Erkrankungsgruppe, deren Vertreter teilweise bis zu 200-fach infektiöser sind als das AIDS-Virus.

Leberentzündung – 10 Fragen und 10 kurze Antworten

1. Die Leber – unsere Stoffwechselzentrale
Die Leber ist eines der wichtigsten Organe unseres Körpers. Sie ist wesentlich für die Aufrechterhaltung normaler Stoffwechselvorgänge, beispielsweise der Regulierung des Blutzuckers oder der Blutgerinnung. Sie dient auch als Speicherorgan für verschiedene Mineralstoffe und Vitamine. Viele Schadstoffe, die wir täglich aufnehmen, können wir nur verkraften, weil es unsere Leber gibt: eine Vielzahl cleverer Reaktionen führen dazu, dass wir besagte Stoffe auch wieder loswerden können und sie sich nicht anreichern. Als wesentliches Beispiel sei hier der Alkohol genannt. Auch spielt die Leber eine entscheidende
Rolle in der Regulierung des Fettstoffwechsels und des Cholesteringehaltes des Bluts. Insgesamt werden diesem bräunlichen, etwa 1,5 kg schweren Organ, das sich unterhalb der rechten Rippen im Bauchraum befindet an die 500 Einzelfunktionen in Form von Stoffwechselreaktionen zugeschrieben! Kein anderes Organ kann sich so gut regenerieren wie die Leber. Ist sie aber einmal geschädigt, so können diese ganzen wichtigen Funktionen unter Umständen nicht mehr sinnvoll ausgeführt werden.
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2. Hepatitis A: die typische Reiseerkrankung
Diese relativ häufige Form der Leberentzündung haben in Deutschland etwa 40% der 50-jährigen – meist unerkannt – bereits einmal durchgemacht. Daraus lässt sich bereits etwas zur Gefährlichkeit dieser Erkrankung ableiten: sie verläuft meist unerkannt, geht nie in eine dauerhafte Phase über und wird sehr selten von Person zu Person weitergegeben. Die meisten Menschen infizieren sich durch den Genuss von verunreinigten Speisen bei Reisen in besonders betroffene Gebiete. Beliebte Virusträger sind: verunreinigtes Wasser, rohe Meeresfrüchte oder mit Fäkalien gedüngtes Gemüse. Das Virus ist für menschliche Begriffe sehr anspruchslos: es überlebt bei Kälte unbegrenzt, in Meerwasser bis zu 3 Monate.
– Informationen des Auswärtigen Amtes

3. Hepatitis B: Risikogruppen sind besonders gefährdet
Hierbei handelt es sich um das Eingangs erwähnte sehr infektiöse Virus. Weltweit verursacht es über 1 Mio. Todesfälle pro Jahr. Kann eine Infektion mit dem Hepatitis-A-Virus so gut wie jeden treffen, so lassen sich bei der Hepatitis B klassische Risikogruppen ausmachen: dies sind insbesondere intravenös Drogenabhängige, Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartnern, Empfänger von Blutprodukten, Dialysepatienten und medizinisches Personal. 20 Prozent aller Fälle werden durch gemeinsam genutzte Nadeln Drogenabhängiger weitergegeben und verursacht. In der überwiegenden Zahl der Fälle merken auch hier Infizierte nichts von ihrer Erkrankung. 1/4 von ihnen bekommen jedoch Beschwerden. Bis zu 30% aller Infizierten schaffen es nicht, die Erkrankung zu kontrollieren und werden chronisch krank.

4. Hepatitis C: die schädlichste Variante der bekannten Leberentzündungen
Bis vor einigen Jahren noch als Hepatitis Non-A-Non-B bezeichnet (also als Hepatitis, die nicht durch das A- oder B-Virus verursacht wurde), ist heute auch bei dieser Unterform der Leberentzündungen der Erreger bekannt. Die Erkrankten ähneln denen der B-Gruppe (Drogenabhängige, Patienten, die Blutprodukte erhalten), aber bei nahezu der Hälfte der Neuerkrankungen kann nicht geklärt werden, wie sie entstanden sind. Insgesamt tritt die Hepatitis C seltener auf als die Formen A und B; sie ist aber die weitaus aggressivste, wenn sie einmal zuschlägt: in über 80% der Fälle kann sich der Körper nicht spontan zur Wehr setzen: insbesondere die Leber wird auf Dauer geschädigt. Dies begünstigt auch die Entwicklung von Folgeerkrankungen.
– Deutsches Hepatitis-C-Forum
– Deutsche Leberhilfe e.V.

5. Sonderformen: es geht weiter im Alphabet…
Neben den bereits erwähnten Typen der Leberentzündung gibt es noch zwei weitere durch Viren verursachte Formen, die der Vollständigkeit halber erwähnt werden sollen: die Subtypen D und E. A bis E machen zusammen etwa 95% aller virusverursachten Leberentzündungen aus; die zum Hundert fehlenden 5% machen deutlich, dass noch nicht alle Unterformen erkannt wurden. Der Typus D unterscheidet sich insofern von allen vorher erwähnten, weil er alleine den Menschen nicht schädigen kann; er kann dies nur in Zusammenarbeit mit seinem Helfershelfer, dem Typus B.

Als Team sind sie sehr gefährlich: die akute Erkrankung wird gefährlicher, Dauerschädigungen sind häufig. Die Variante E ähnelt wiederum der Klasse A und ist ziemlich harmlos. Die Einhaltung allgemeiner Hygieneregeln schützt vor einer Ansteckung. Aus Gründen der Verständlichkeit sei noch erwähnt, dass in diesem kurzen Text lediglich die virusverursachten Leberentzündungen diskutiert werden. Es existieren aber natürlich noch andere Auslöser neben den Viren; zahlenmäßig am bedeutsamsten außerhalb der genannten Gruppe ist sicherlich der Alkohol. Informationen hierzu finden sich unter der genannten Internetadresse.
– Deutsche Leberhilfe e.V.

6. Akut, Chronisch… was ist das überhaupt?
Viele Erkrankungen in der Medizin haben das Potential, den Körper auf Dauer zu schädigen. Solche Krankheiten bezeichnet man als chronische Erkrankungen. Da die Differenzierung von Krankheitsverläufen bei der Leberentzündung eine besondere Rolle spielt, sei an diesem Beispiel kurz erläutert, was unter einer akuten, was unter einer chronischen Hepatitis zu verstehen ist und welche Zwischentöne hierzu existieren. Wie bereits erwähnt, verlaufen viele Hepatitiden asymptomatisch, das heißt, der Erkrankte merkt nichts davon, dass sich in seinem Körper Immunsystem und Eindringling Virus frontal gegenüberstehen. Gibt es akute Symptome, so können diese von scheinbar grippalen Beschwerden, Appetitlosigkeit und Bauchbeschwerden über eine Gelbfärbung der Haut und Juckreiz bis hin zu einem akuten Versagen der Leber reichen. Letzteres äußert sich durch Bewusstseinseintrübung, Gelbfärbung der Haut und eine Störung der Blutgerinnung. Gelingt es dem Körper nicht, die Viren in dieser Zeit zu kontrollieren, so sind sie, bzw. ihre Bestandteile, auch noch längere Zeit nach Auftritt der Erkrankung im Blut nachweisbar. Man spricht dann von einer Viruspersistenz bzw. einer chronischen Hepatitis. Das Risiko, eine Folgeerkrankung zu entwickeln, ist in diesem Falle erhöht.

7. Nur eine „harmlose“ Leberentzündung … oder Leberkrebs?
Die möglichen Komplikationen und Spätfolgen der einzelnen virusbedingten Lebererkrankungen ähneln sich, lediglich ihre
Häufigkeit variiert, wie bereits angedeutet. Die Viren können alle eine ständige Belastung für die Leber darstellen und die einzelnen Leberzellen durch die durch ihr Vorkommen entstehende Entzündung belasten. Die gravierendste Folge einer chronischen Entzündung ist ein Substanzdefekt, der entstehen kann, wenn Gewebe zugrunde geht. Die entstehende Lücke wird meist mit Bindegewebe aufgefüllt, das natürlich nicht die Funktion der ursprünglichen Leberzellen übernehmen kann. Der Entzustand dieser Entwicklung wird als Leberzirrhose bezeichnet. Dies hat mehrere Folgen: der Blutdruck in Teilen des Kreislaufsystemes, das der Leber vorgelagert wird, steigt. Das Blut sucht sich nun „Umwege“: Blutgefässe, die sonst nicht so beansprucht sind, müssen plötzlich die vielfache Menge an Flüssigkeit verkraften. Das geht nicht immer gut. Blutungen der Speiseröhre bzw. des Magens können die Folge sein. Auch können Bestandteile des Blutes die Gefäße verlassen und sich beispielsweise im Bauchraum ansammeln. Spätfolge eine Leberzirrhose kann wiederum ein bösartiger Leberkrebs, das hepatozelluläre Karzinom sein.
– Krebs-Kompass.de

8. Auch für die Leberentzündung gilt: Vorsorge ist die beste Medizin!
Die im Alltag gebräuchlichste Methode zur Überprüfung der Leberfunktion ist die Bestimmung der Blutkonzentration verschiedener Leberenzyme. Der Hintergrund hierzu ist, dass diese in verschiedenen Strukturen der Leberzellen befindlichen Stoffe bei Schädigungen des Lebergewebes in unterschiedlich hohen Konzentrationen im Blut vorliegen. Der Arzt kann aus dem Gehalt dieser Stoffe im Blut dann Rückschlüsse auf Erkrankungen ziehen. Im Zusammenhang mit den virusausgelösten Leberentzündungen werden verschiedene Bestandteile dieser Erreger im Blut nachgewiesen. Aus dem daraus ermittelbaren „Profil“ kann der Fachmann ersehen, ob es sich um eine akute, abgelaufene oder chronische Entzündung handelt. Darüber hinaus existieren natürlich noch eine Vielzahl weiterer Tests, auf die hier nicht speziell eingegangen werden kann. Wie eingangs erwähnt, sind Viruserkrankungen oft schwieriger zu behandeln als andere Krankheiten. Deshalb muss bei den Leberentzündungen die Betonung auf die Vorsorge gelegt werden. Angehörige spezieller Risikogruppen sollten sich genau informieren, welche Maßnahmen sie treffen können, um die Wahrscheinlichkeit einer Infektion möglichst gering zu halten. Speziell für sie, aber natürlich auch für alle anderen Menschen, besteht heute die Möglichkeit, sich gegen manche Formen der Hepatitis mittels einer Impfung zu schützen.
– Hepatitis-Care.de

9. Die gute Nachricht: es gibt eine Impfung!
Hepatitis A und B kann heutzutage mittels einer Impfung, die auch als Kombinationsinjektion angeboten wird (nur ein Stich), vorgebeugt werden. Das Schutzintervall beträgt 10 Jahre. Die Impfung wird von der ständigen Impfkommission besonders für Angehörige von Risikogruppen und Reisende empfohlen. Das Regime sieht drei Injektionen in den Deltamuskel des Oberarmes vor, jeweils mindestens 1 bzw. 6 Monate nach der Erstimpfung. Nebenwirkungen der Impfungen sind äußerst selten beschrieben. Lassen Sie sich von Ihrem Hausarzt beraten, ob auch für Sie eine Hepatitis-Impfung in Frage kommen kann.
– Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut

10. Hilfe zur Selbsthilfe bei Lebererkrankungen
Wie immer zum Schluss der Hinweis auf eine gemeinnützige Organisation, die zusätzlich zu Ihrem Hausarzt Rat und Hilfe bei Erkrankungen der Leber, speziell auch bei Leberentzündungen und der beschriebenen Folgeerkrankungen leisten kann: die Bundesarbeitsgemeinschaft Leber (BAG Leber) – ein Zusammenschluss von Verbänden, Vereinen, und Selbsthilfegruppen.
– BAG Leber
– Deutsche Leberhilfe e.V.

idw 2001/04